Städteregion - Euregio-Radschnellweg: Naturschützer schalten jetzt den Landtag ein

Euregio-Radschnellweg: Naturschützer schalten jetzt den Landtag ein

Von: jg/vm
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Das Wurmtal zwischen Würselen und Herzogenrath: Teile dieses Gebietes stehen schon unter Naturschutz, andere nur unter Landschaftsschutz. Der geplante Radschnellweg von Aachen nach Heerlen gefährdet nach Auffassung von Naturschutzverbänden den Lebensraum schützenswerter Tiere.

Städteregion. Der Euregio-Radschnellweg zwischen Aachen und Heerlen über Herzogenrath stößt nach wie vor auf den Widerstand von Naturschützern. Insbesondere die bislang von Verwaltung und Politik favorisierte Trasse parallel zu Bahnstrecke Aachen-Düsseldorf in Herzogenrath, für die eine Machbarkeitsstudie erfolgen soll, halten sie für falsch.

Ihre Bedenken sehen sie nicht genügend gewürdigt, alternative Streckenführungen seien voreilig verworfen worden. Deshalb haben sie sich jetzt sogar an den Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtags gewandt. Unterschrieben hat die Eingabe eine Herzogenrather Bürgerin, unterstützt wird sie dabei von Naturschutzverbänden wie den Naturfreunden Herzogenrath-Merkstein, der Wurmtal AG, dem BUND Kreis Aachen und dem Nabu Kreis Aachen.

„Wir beklagen eine ungleiche, ungerechte Behandlung durch die Verwaltungen der Städteregion Aachen und der Stadt Herzogenrath“, heißt es in der Petition. Und weiter: „Trotz sogenannter Work-shops seitens der Verwaltung der Städteregion, schriftlichen Einwendungen (auch online) an den Radverkehrsbeauftragten der Städteregion und fast 2000 handschriftlichen Unterschriften von Herzogenrather Bürgern wurden die (...) Einwände gegen eine bestimmte Trassenführung im Streckenabschnitt zwischen Pannesheide und Herzogenrath seitens der Verwaltungen und anschließend der Mehrheit in den politischen Gremien nicht berücksichtigt, so dass die zurzeit durchgeführte Machbarkeitsstudie nur für diese eine, von uns abgelehnte Trassenvariante durchgeführt wird.“

Bruno Barth übermittelte als Vorsitzender der Naturfreunde-Ortsgruppe die Petition unserer Zeitung. Zugleich ist Barth aber auch Herzogenrather Ratsmitglied – ehemals für die SPD, inzwischen für die Unabhängige Bürgerliste.

Als wesentliche Punkte für die Petition sind – nicht überraschend – Naturschutzgründe genannt: Seit April 2016 liege der Unteren Landschaftsbehörde ein Antrag der AG Wurmtal vor, das bestehende Naturschutzgebiet im Wurmtal auf die andere Bahnseite zu erweitern. Denn bislang sei dieser Bereich nur als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und solle durch den Radschnellweg durchschnitten werden. „Der BUND hat dazu eine umfangreiche Amphibien-/Reptilienkartierung vorgenommen, die noch um Libellen, Schmetterlinge und Fledermäuse erweitert wird“, heißt es in der Petition.

Bezüglich der Tierwelt gebe es keinen Unterschied zum Naturschutzgebiet auf der anderen Seite der Bahntrasse. Passiert sei aber bis heute nichts. „Wir haben den Eindruck, dass die Behörde auf Zeit spielt, um vorher durch Beschlüsse pro Trassenführung durch dieses Gebiet Falten zu schaffen“, mutmaßen die Naturschützer.

Dem widerspricht die Städteregion. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte ihr Sprecher Detlef Funken am Montag, es sei in diesem Fall keine Eile geboten, denn die Planung für den Radschnellweg befinde sich noch in einem sehr frühen Stadium. Daher, aber auch aus personellen Gründen, genieße der Antrag der Wurmtal AG auf Erweitering des Naturschutzgebietes nicht die höchste Priorität.

„Das Gebiet ist ja Landschaftsschutzgebiet und somit erstmal gesetzlich geschützt das heißt zum Beispiel Verbot der Errichtung von baulichen Anlagen. Sollte dort irgendetwas errichtet werden und die Untere Naturschutzbehörde würde eine landschaftsrechtliche Befreiung in Aussicht stellen, so würde die Entscheidung immer noch beim Naturschutzbeirat (ehemals Landschaftsbeirat) der Städteregion liegen.“ Bei einem Naturschutzgebiet wäre die Verfahrensweise die gleiche, sagt Funken. „Insofern wird hier nicht auf Zeit gespielt, um irgendwelche Fakten zu schaffen.“

In ihrer Petition nennen die Naturschützer noch weitere Gründe gegen die Radtrasse. Unter anderem stufen sie es als gefährlich ein, dass die geplante Trasse neben der „Vegla-Glashalde“ verläuft. Dort seien Schleifschlamm und Glasrückstände verkippt worden. Bei starkem Regen seien rote Abwässer zu sehen. Außerdem befinde sich ein stillgelegter alter Stollen an der Trasse, von dem keine Pläne mehr existierten. Die Planer des Radschnellweges sind nach Auffassung der Naturschützer „vom Schreibtisch aus“ am Werk gewesen und kennen die Risiken und Gefahren vor Ort nicht.

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