Etschenberg siegt hauchdünn vor Karl

Von: René Benden und Tom Vogel
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Die Stichwahl ist vorüber: Helmut Etschenberg (CDU) bleibt mit 52,2 Prozent alter und neuer Städteregionsrat. Christiane Karl fährt für die SPD ein Ergebnis ein, das ihr wohl nur große Optimisten zugetraut hätten. Foto: Ralf Roeger

Städteregion. In drei Worten fasste Helmut Etschenberg den Abend zusammen: „Ich freue mich!“ Der alte und neue Städteregionsrat genoss den Applaus zu seinem Sieg, während die Anspannung der vergangenen Wochen entwich. Doch ihm und vielen anderen war in diesem Moment klar, dass nicht viel gefehlt hatte, um diesen Abend zum Debakel für die CDU und Etschenberg werden zu lassen.

Denn mit gut 52 Prozent gelang es Etschenberg nicht, seine sozialdemokratische Herausforderin klar zu distanzieren. Das Wort „Wimpernschlag“ war ein gern gewählter Ausdruck, um die Kräfteverhältnisse am Sonntagabend zu beschreiben. Im Wesentlichen gibt es drei Gründe für das knappe Ergebnis: Die schwache Wahlbeteiligung von nur knapp über 22 Prozent, ein schwaches Ergebnis für Etschenberg in der CDU-Hochburg Aachen und nicht zuletzt eine Gegenkandidatin Christiane Karl, die von Woche zu Woche näher an den Städteregionsrat heranrückte.

Zwischen 18 und 19 Uhr herrschte im Fraktionszimmer der Städteregions-CDU gespannte Stille. Auf einer Großbildleinwand fügten sich die Ergebnisse der einzelnen Wahlbüros langsam zu einem Gesamtbild zusammen. Und das gefiel bei der Union lange Zeit niemandem. Etschenberg, der als klarer Favorit in die Stichwahl gegangen war, führte lange Zeit mit nicht einmal einem Prozentpunkt Vorsprung. Zwei oder drei Mal wurde er sogar von Karl überholt, was zu Reaktionen vor der Leinwand führte, als habe Bastian Schweinsteiger soeben den entscheidenden Elfmeter im WM-Finale verschossen.

Erst als die Ergebnisse der Stadt Stolberg über den Bildschirm flimmerten, entspannten sich so langsam die Gesichtszüge bei den Mitgliedern der CDU. Im Sog des überragenden Ergebnisses des neuen CDU-Bürgermeisters der Kupferstadt, Tim Grüttemeier, holte Etschenberg dort fast 60 Prozent. Stimmen, die er dringend brauchte, denn die erhoffte Unterstützung durch die CDU-Wähler in der Stadt Aachen war schwach. Nur 50,45 Prozent holte Etschenberg in der CDU-Hochburg. „Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass die CDU in Aachen vor einem Bündnis mit der SPD steht“, sagte Etschenberg.

„Ein Wechselbad der Gefühle“ erlebte Christiane Karl, die sozialdemokratische Herausforderin Etschenbergs im SPD-Fraktionszimmer. Um 18.03 Uhr tauchten die ersten Balken auf dem Bildschirm auf. Ein Trend war in den folgenden Minuten allerdings nicht wirklich auszumachen – dafür war zu viel Bewegung in der Sache. Nicht einmal zwei Prozent trennten beide Kontrahenten die meiste Zeit voneinander. Punkt 18.23 Uhr war der Unterschied zwischen einem Fußballstadion in Brasilien und dem SPD-Fraktionszimmer marginal – zumindest in Sachen Lautstärke: Karl ... 50,01 Prozent. „Im Moment führst du städteregionsweit mit acht Stimmen“, sagte Martin Peters, SPD-Chef in der Städteregion.

Der Jubel der rund 40 Parteigenossen wurde kurze Zeit später im weiteren Verlauf der Auszählung von den Balken auf dem Bildschirm aber schon wieder erstickt. Etschenberg übernahm die Führung und sollte sie bis zum Schluss nicht mehr hergeben. Christiane Karl, die vorher mal nervös mit den Fingern auf dem Tisch trommelte, mal auf den Flur ging, um mit Bewegung den Stress abzuschütteln, wusste: Es hat nicht gereicht. Die tiefrot gefärbten Wände der Fraktionszimmer im Haus der Städteregion haben nicht geholfen – die knappe Mehrheit wollte Etschenberg, wollte die CDU, wollte Schwarz. Allerdings verbucht Karl nach dem Ergebnis der ersten Wahlrunde mit dem knappen Ausgang der Stichwahl, das vorher in dieser Form nicht erwartet werden konnte, einen Erfolg. Und ein solcher bleibt es auch vor dem Hintergrund der niedrigen Wahlbeteiligung.

Immerhin bescherte der Wahlausgang in der Stadt Aachen, traditionell ein schwieriges Pflaster für die Sozialdemokraten, den Genossen ein Extra-Grinsen: 49,55 Prozent der Stimmen konnte Karl auf sich vereinen. Natürlich, noch ist es eine Mehrheit für die CDU.

Dennoch wird sie sich Gedanken darüber machen müssen, ob das an der Person Christiane Karl, an der SPD oder der eigenen Partei liegt, oder schlicht darauf zurücjkuführen ist, dass sich CDU-Anhänger ihrer Sache zu sicher waren und den Urnen fernblieben. In manchen Straßenzügen Aachens lag die Wahlbeteiligung bei gerade mal drei Prozent!

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