Städteregion - Erster Schritt in Richtung Strukturwandel

Erster Schritt in Richtung Strukturwandel

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Viel Platz und insgesamt 20 Kilometer Gleise hat der Hauptbahnhof in Stolberg zu bieten. Auf seinem Gelände soll ein Logistikzentrum entstehen. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Die Überraschung ist ihm gelungen: „Es tut sich endlich etwas“, stellte Helmut Etschenberg im städteregionalen Wirtschaftsausschuss fest und leitete damit seinen Bericht über ein Treffen im NRW-Wirtschaftsministerium ein.

Dort hatte – wieder einmal – das Thema Strukturwandel auf der Tagesordnung gestanden. Und ein bisschen war der Städteregionsrat dann wohl selber überrascht worden. Denn bei der Unterredung machten die Vertreter des Landes die nicht unbedingt zu erwartende Zusage für erste Fördergelder. Demnach soll für das Logistikzentrum Stolberg und das Industriekreuz Weisweiler eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, die das Land zu 80 Prozent finanziert. Damit werden zwei zentrale Projekte, mit denen die Städteregion auf das absehbare Ende der Braunkohleförderung reagieren will, berücksichtigt.

Gemeinsam mit Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram sowie Boris Linden, Prokurist der Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH (IRR), und dem Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, hatte Etschenberg einmal mehr für einen zeitigen Einstieg in den Strukturwandel geworben. „Wenn ich höre, dass RWE sagt, dass 2030 Schluss sein wird mit der Braunkohle, dann ist es allerhöchste Zeit für uns, sich darauf einzustellen“, hatte der Städteregionsrat zuvor mit Vehemenz auf den aus seiner Sicht akuten Handlungsbedarf hingewiesen.

Die Botschaft scheint angekommen zu sein. Bis zu den Sommerferien sollen nun zunächst die politischen Gremien der betroffenen Kommunen sowie der Städteregion grünes Licht für die Machbarkeitsstudie geben. Im Zuge dessen ist noch zu klären, wie der 20-prozentige Eigenanteil abgedeckt wird. „Wir dürfen auch RWE nicht aus der Pflicht lassen“, stellte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Wirtschaftsausschuss fest. In Düsseldorf wurde nach Informationen unserer Zeitung allerdings auch ein Fall B erläutert für den Fall, dass das Unternehmen sich nicht an der Finanzierung beteiligen sollte. Dann würden die verbleibenden Kosten – dem Vernehmen nach rund 40.000 Euro – wohl auf die Städte Eschweiler und Stolberg, die Gemeinde Inden, den Kreis Düren, die Städteregion und die Indeland GmbH verteilt.

Inhaltlich hebt sich die Städteregion mit ihren Ansätzen offenbar von den meisten Konkurrenten ab – und das kommt ihr laut Helmut Etschenberg zugute. „Viele andere Kommunen und Regionen zielen nur auf Startup-Unternehmen und Hightech-Industrie ab. Uns geht es aber darum, einfache Arbeitsplätze zu schaffen. Denn eben solche werden im Braunkohletagebau wegfallen“, so der Städteregionsrat.

Die Basis soll in erster Linie das Industriekreuz Weisweiler bieten – ein „Schwerpunkt für wertschaffende Logistik“, wie es Etschenberg formuliert und klarstellt: „Das wird sicherlich kein Parkplatz für Container.“ Vielmehr soll der weitere Anstieg des internationalen Warenverkehrs dazu genutzt werden, um im Hinterland der großen Seehäfen Antwerpen, Zeebrügge, Amsterdam und Rotterdam einen „Knotenpunkt“ zu etablieren, an dem Waren nicht nur auf verschiedene Verkehrsträger verladen, sondern zumindest teilweise auch weiterverarbeitet oder veredelt werden. Außerdem wird die Ansiedlung von Produktionsbetrieben angestrebt, die ihre Ware in unmittelbarer Nähe buchstäblich auf den Weg bringen können.

Der Stolberger Hauptbahnhof bietet mit seinen rund 20 Kilometer Gleise umfassenden Güterbereich beste Voraussetzungen für den Anschluss an das Schienennetz. Das Gelände des Kraftwerkes in Weisweiler wiederum verfügt gemeinsam mit dem Indener Gewerbegebiet „Am Grachtweg“ über große und für die zukünftige Nutzung planerisch bereits gesicherte Flächen, auf denen Unternehmen eine (neue) Heimat finden können. Beide Projekte sollen zwar getrennt vorangetrieben werden, gehören von ihrer Konzeption aber zusammen. Auch das Gewerbegebiet Camp Astrid sowie der Flughafen Merzbrück werden in der Gesamtbetrachtung der Städteregion berücksichtigt, weil sie zusätzliche Optionen bieten.

Einen Haken hat die ganze Sache allerdings: Die Umsetzung der Projekte hängt ganz wesentlich von der Ertüchtigung der Bahnstrecke zwischen Aachen und Köln (siehe Box) ab. Der seit langem geforderte Bau eines dritten Gleises spielt in den Planungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt aber keine Rolle. Vorgesehen sind lediglich zwei Überholgleise am Bahnhof Aachen-Rothe Erde und am Eschweiler Hauptbahnhof. Die Antwort auf die Frage, ob diese ausreichen für die Strukturpläne der Städteregion, wird wohl in der Machbarkeitsstudie zu finden sein.

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