Erst in die Lehre und dann in zwei Jahren bis zum Abitur

Von: Margot Gasper
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Die Fachoberschule am Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg soll bekannter werden: Dafür setzen sich Christian van Helden (l.) und Jochen Herzog ein. Annika Witty hat den Bildungsgang absolviert. Foto: Harald Krömer

Städteregion. Eigentlich hatte Annika Witty ihren Weg längst eingeschlagen. Nach der Realschule drei Jahre Ausbildung zur Drogistin, nach der Lehre die Übernahme in den Job. Ein Jahr später aber stellte sie die Weichen noch einmal ganz neu – und ging wieder zur Schule.

Am Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg in Aachen besuchte sie ein Jahr lang die Fachoberschule Klasse 12 bis zur Fachhochschulreife, danach noch ein Jahr die Fachoberschule Klasse 13 bis zur Allgemeinen Hochschulreife. Dann hatte Annika Witty ihr Abitur in der Tasche. Nun studiert die 23-Jährige an der RWTH.

Dass das Berufskolleg der Städteregion sie in zwei Jahren über die FOS 12 und FOS 13 zum Vollabitur bringen konnte, hatte Annika Witty damals nur durch Zufall übers Internet erfahren. Vermutlich war nicht nur sie ahnungslos. Denn die Angebote der Berufskollegs sind umfangreich und für Laien nicht unbedingt übersichtlich.

„Unsere Fachoberschule ist zu wenig bekannt“, sagt Christian van Helden, zuständiger Bildungsgangleiter am Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg. „Das ist unser grundlegendes Problem. Dabei sind wir das einzige kaufmännische Berufskolleg in der Region, das diese Schulform anbietet.“ Im gesamten Regierungsbezirk Köln, betont er, gebe es nur fünf Berufskollegs mit einer kaufmännischen Klasse 13. Für die anderen muss man nach Bonn oder Hückeswagen fahren.

Die Fachoberschule, sagt sein Kollege Jochen Herzog, sei ein zügiger Weg Richtung Abitur für alle, die nach dem mittleren Schulabschluss zunächst eine Ausbildung im Bereich Wirtschaft und Verwaltung absolvieren, danach schulisch aber noch einmal draufsatteln möchten. Er und sein Kollege wollen nun verstärkt darüber informieren, welche Perspektiven die Fachoberschulklassen bieten.

Das ist wohl auch nötig. Denn im laufenden Schuljahr sind die Schülerzahlen sowohl in Klasse 12 als auch in Klasse 13 deutlich rückläufig. Woran das liegt, darüber lässt sich spekulieren. Einen Grund sieht Christian van Helden darin, dass mittlerweile viele Betriebe den Nachwuchs, den sie ausgebildet haben, halten wollen und ihren Auszubildenden nach der Lehre eine Weiterbeschäftigung anbieten. Und wer einen Job sicher hat, denkt womöglich zunächst nicht darüber nach, noch einmal zur Schule zu gehen.

„Aber es ist wichtig, dass es unser Angebot auch künftig in Aachen gibt“, findet der Lehrer. „Unser bestes Argument sind die, die bereits von der Fachoberschule profitiert haben“, sagt Jochen Herzog. „Mit Fachabitur und Vollabitur, da hat man alle Möglichkeiten.“ So wie Annika Witty. Sie ist sehr zufrieden mit dem Weg, den sie eingeschlagen hat: „Für mich war das genau richtig.“ Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht – ihre Fächer aus der zweijährigen Schulzeit in Aachen – kann sie auch jetzt gut gebrauchen.

Die 23-Jährige hat an der RWTH ein Lehramtsstudium aufgenommen. Sie will später an einem Berufskolleg unterrichten – und zwar die Fächer Wirtschaftswissenschaften und Politik.

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