ErfolgreichesTheaterprojekt: Die Integration steht hier im Rampenlicht

Von: Michael Grobusch
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Nach viermonatiger Vorbereitung waren die beiden Aufführungen in dieser Woche die Krönung des Theaterprojektes

Städteregion. In den vergangenen Monaten hat es viel Lob gegeben für die Integrationsarbeit, die an den Berufskollegs geleistet wird. 34 Internationale Förderklassen gibt es kurz vor dem Schuljahresende in den neun städteregionalen Einrichtungen. In diesen bekommen Jugendliche, die aus ihrer Heimat geflüchtet und in der Städteregion aufgenommen worden sind, die deutsche Kultur und die deutsche Sprache vermittelt.

Mit dem in der Regel einjährigen Aufenthalt in einer solchen Klasse ist die Förderung jedoch nicht beendet. Eine Option für die Flüchtlinge besteht im Besuch der Berufsfachschule, wie sie beispielsweise an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen angeboten wird. Dort können sie in zwei Jahren den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) erlangen.

Den 14 Schülerinnen und Schülern von Gabriele Giese ist das ausnahmslos gelungen. Doch sie werden nächste Woche nicht nur ihr Zeugnis, sondern auch viele wichtige Erfahrungen für ihr weiteres Leben mitnehmen, zeigt sich die Klassenlehrerin überzeugt. Das sei auch dem Theaterprojekt zu verdanken, das nach viermonatiger Vorbereitung jetzt mit zwei Vorführungen abgeschlossen worden ist.

Der Titel des Stücks lautet „Hayat – Leben“ und beschreibt kurz und prägnant, womit sich die Jugendlichen auseinandergesetzt haben. Auf der Bühne geht es um ihr Schicksal, um ihre persönlichen Geschichten von Not, Vertreibung, Flucht und Hoffnung. In dieser Hoffnung auf ein besseres Leben in der neuen Heimat sind sie wiederum vereint und finden trotz aller Gegensätze zueinander.

„Das Benennen, Bewusstmachen und Anerkennen der sehr persönlichen Flucht- und Lebenserfahrungen in einem vertrauensvollen Umfeld stellt einen wichtigen Schritt zur Integration dar“, betont Gabriele Giese. „Die Gruppe war sehr heterogen, was ihre sozialen, intellektuellen und religiösen Standards angeht“, blickt Schulsozialarbeiterin Rita Schaar auf die Anfänge zurück. 14 Menschen zwischen 17 und 20 Jahren mit zehn unterschiedlichen Nationalitäten gehören zu der Klasse.

„Das war eine große Herausforderung“, räumt Schulleiterin Monika Büth-Niehr ein. „Aber wir konnten beobachten, dass sich das Gruppenverhalten und der soziale Umgang im Laufe der Zeit verändert haben. Die Jugendlichen sind sich heute viel weniger fremd.“

Als Sprachfördermaßnahme in den Deutschunterricht einbezogen, lag die Leitung des Theaterprojektes in den Händen von Theaterpädagogin Ingrid Wiederhold und Kunstpädagogin Petra Praznovsky. „Es ist ja bekannt, dass Theaterpädagogik die gesamte Persönlichkeit fördert. Dies hat sich in unserem Projekt einmal mehr bestätigt“, berichtet Büth-Niehr. Auch Gabriele Giese zeigt sich begeistert.

„Das Projekt mit den abschließenden Aufführungen ist ein großes Erfolgserlebnis für alle.“ Beispielsweise für den 19-jährigen Ahmed (Name geändert). „Das laute Sprechen in Deutsch ist ihm am Anfang unheimlich schwergefallen. Wenn man ihn jetzt auf der Bühne sieht, dann weiß man, wie sehr ihn die Teilnahme an unserem Projekt nach vorne gebracht hat“, freut sich Rita Schaar.

Dabei lasse sich der Fortschritt nicht nur am Sprachvermögen festmachen. „Die Jugendlichen haben jetzt ein ganz anderes Auftreten, besitzen viel mehr Selbstbewusstsein und trauen sich deshalb auch immer öfter, sich in der deutschen Sprache auszudrücken.“ Das dürfte auch daran liegen, dass die Protagonisten das Theaterstück mit Unterstützung von Ingrid Wiederhold selbst entwickelt und geschrieben haben. Zudem wurde das Bühnenbild im Rahmen des Kunstunterrichts gestaltet.

Etwa die Hälfte der jungen Menschen wird im Sommer eine Ausbildung beginnen, die anderen setzen ihre schulische Laufbahn fort. Derweil wird das Theaterprojekt in anderer Besetzung eine Neuauflage erleben, die Mittel sind von der Schulleiterin bereits bewilligt worden. Dafür sprechen aus Sicht von Monika Büth-Niehr nicht nur die eigenen praktischen Erfahrungen, sondern auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Gerald Hüther.

„Der bekannte Neurobiologe fordert schon seit langem eine Abkehr von der Verkopfung des Unterrichts und die Hinwendung zur Ganzheitlichkeit, zur Leidenschaftlichkeit und Begeisterung, um die Potenziale junger Menschen zu entfalten.“ In Düsseldorf habe man dem jedoch nicht Rechnung getragen. „Seitens des Schulministeriums sind musische Fächer im gerade erst neu strukturierten Bildungsgang der Berufsfachschule leider nicht vorgesehen.“

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