Städteregion - Energiewende? Ja, aber nur mit Braunkohle

Energiewende? Ja, aber nur mit Braunkohle

Von: Markus Bienwald
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Energiesicherheit hat Vorrang: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft trat bei der Bezirksdelegiertenkonferenz der IG BCE in Alsdorf nachdrücklich für die Fortführung des Braunkohleabbaus ein.
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Sagt die Mitarbeit der Gewerkschaft an der Energiewende zu: der IG BCE-Chef Michael Vassiliadis.

Städteregion. Es war eine lange Rede von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft beim Bezirksdelegiertentag der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) im Energeticon in Alsdorf. Und natürlich durfte neben den Themen Bildung und Industriepolitik auch ein Ausflug in die Braunkohle nicht fehlen. „Die Braunkohle behält in NRW eine sehr wichtige Rolle“, betonte Kraft.

Damit verbunden war auch die Aussage, dass die Fortführung des Tagebaus Garzweiler „weiterhin erforderlich“ sei. Schließlich, so Kraft, die zu Garzweiler deutlich öfter von ihrem Script ablas als in der weiteren Rede, gehe es darum, die Versorgung für die mit Braunkohle arbeitenden Kraftwerke sicherzustellen. Aktuell machten die knapp mehr als ein Viertel des Energiemixes aus. „Unsere heimischen Braunkohlkraftwerke brauchen wir, um in wind- und sonnenarmen Zeiten Energiesicherheit zu haben“, sagte Kraft weiter.

Energie war ihr Thema, weil gerade der Industriestandort NRW davon lebe, dass es eine zuverlässige Versorgung gebe. So sei unter den derzeitigen Voraussetzungen ein gleichzeitiger Ausstieg aus Steinkohle, Braunkohle und Atomenergie „ein Ding der Unmöglichkeit“.

Zwar sei die Energiewende Konsens aller Beteiligten, doch der Weg dorthin sei auch aufgrund der Laissez-faire-Politik der Vorgängerregierung von CDU und FDP noch eine gern diskutierte Streitfrage. Auch darum sei die Energie aus Braunkohle ein wichtiges Back-Up, als Sicherheit für energieintensive Industriezweige.

Industrie und Technologie sind nach Ansicht von Kraft auch ein Pfund, mit dem sich NRW nicht verstecken müsse. Vielmehr müsse sich das Land anders präsentieren, sich nicht immer nur auf die aus Sicht der Regierungschefin ohnehin falsche Rolle eines Nehmerlandes reduzieren lassen.

„Was mich wütend macht, ist, dass wir selbst mit gesenktem Haupt herumlaufen“, sagte Kraft. Einen Grund dazu gebe es nicht, denn der Wirtschaftsstandort NRW produziere rund ein Viertel des gesamten Bruttoinlandsproduktes Deutschlands.

In dieselbe Kerbe schlug Michael Vassiliadis, IG BCE-Vorsitzender. Er bezeichnete das Land NRW und auch die europäischen Nachbarn im Umkreis von rund 400 Kilometern als „das Kalifornien Europas, das industrielle Herz Europas“, in dessen Infrastruktur dringend investiert werden müsse.

Neben dieser politischen Forderung sah er bei seinem Blick auf die zukünftigen Herausforderungen für die Gewerkschaft die Mitarbeit beim Energiewandel als eine wesentliche Aufgabe an. „Eines Tages wird die Braunkohle keine Rolle mehr spielen, das ist keine Frage“, erklärte Vassiliadis, „aber über das Wann, Wo und Warum muss man streiten“, forderte er unter dem Applaus der Delegierten.

Den erhielt auch der Bezirksvorsitzende Manfred Maresch, der in seiner Rede den Weg des Bezirks Alsdorf ins Jahr 2020 skizzierte. Die Ära des Steinkohlebergbaus in der Region habe spätestens mit der Schließung der Brikettfabrik von Sophia Jacoba 2008 geendet. „Im Gegensatz zur Steinkohle werden wir hoffentlich noch sehr lange Braunkohlentagebau im Bezirk haben“, sagte Maresch, „doch müssen wir auch dort den Tatsachen ins Auge sehen.“

Zwar sei die Braunkohleverstromung im Gegensatz zu Gas- und Steinkohlekraftwerken derzeit der „vermeintliche Gewinner der Energiewende“. So sei eine bezahlbare Energiewende in Deutschland derzeit nur mit Braunkohle machbar, vor allem, wenn wie geplant 2022 die letzten Kernkraftwerke stillgelegt würden.

„Und doch wird in Deutschland so getan, als könnten wir von heute auf morgen aus der Braunkohleverstromung aussteigen“, stellte Maresch fest. Die Frage, wo dann der Strom für Verbraucher wie Industrie herkommen solle, werde allerdings nicht beantwortet. „Genauso wenig, was denn ist, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint“, schloss er sein Plädoyer für die Braunkohle.

Um auch künftig als Gewerkschaft die Interessen nicht nur in Sachen Energiefragen, sondern auch die der aktuell 23 111 Mitglieder im Bezirk zu vertreten, forderte er für seine Vision der „Zukunftsgewerkschaft 2020“ ein ganzes Maßnahmenpaket. Dazu gehöre die Wahrung von Traditionen, die Nutzung und Weiterentwicklung vorhandener Stärken, das Erschließen neuer Potenziale in den Betrieben und die Förderung des Nachwuchses.

„Wir wissen, dass wir in vielen Gremien heute schon unter Überalterung leiden“, schloss Maresch. Genau darum sei eine gezielte Mitgliederwerbung im Verbund mit mehr ehrenamtlichen Kräften für die Ausrichtung des Gewerkschaftsbezirks auf die Zukunft entscheidend.

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