Einsatz für Integration: Werbung für gegenseitiges Verständnis

Von: Jutta Geese
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Angeregter Austausch: Jamale Chouaibi (2.v.l.), Generalkonsul des Königreichs Marokko, diskutiert mit Timur Bozkir (Kommunales Integrationszentrum der Städteregion, v.l.), Nora Hamidi (Integrationsrat Stadt Eschweiler) und Ahmed Brimil (langjähriges Mitglied im Arbeitskreis kommunaler Integrationsräte) über die Zusammenarbeit von Deutschen und Migranten in der Städteregion. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Jamale Chouaibi hat schon in Washington, London und Den Haag in der Vertretung seines Heimatlandes gearbeitet. Seit Januar ist sein Arbeitsplatz in Düsseldorf: Er ist Generalkonsul des Königreichs Marokko und für ganz Nordrhein-Westfalen zuständig. Und in dieser Funktion war Jamale Chouaibi jetzt zum ersten Mal in Aachen.

Er wollte sich ein Bild davon machen, wie die Sprechstunden genutzt werden, die das marokkanische Generalkonsulat seit nunmehr vier Jahren einmal im Jahr an einem Samstag im Haus der Städteregion anbietet. Und er wollte sich vor Ort mit Vertretern des Arbeitskreises der kommunalen Integrationsräte über das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen in der Städteregion austauschen.

Die massenhaften Übergriffe von mutmaßlich vor allem Nordafrikanern auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und andernorts haben Jamale Chouaibis Start als Generalkonsul überschattet, sagt er. Seit seinem Amtsantritt werde er immer wieder darauf angesprochen, und immer wieder sage er: „Kriminelle müssen bestraft werden, damit haben wir kein Problem.“

Problematisch sei aber, wenn Menschen bestimmter Herkunft jetzt unter Generalverdacht stehen. Die Ereignisse von Köln hätten viele Marokkaner, die schon seit langem in Deutschland leben, verunsichert. „Sie haben sich bisher gut integriert gefühlt, und plötzlich fühlen sie sich an den Pranger gestellt.“ Gemeinsam müsse man jetzt dafür sorgen, dass dieses Gefühl sich nicht verfestige und die Integration einen Rückschlag erleide.

Doch Chouaibi ist optimistisch, dass das derzeitige Misstrauen schnell überwunden werden kann. Denn anders als in manch anderem Land in Europa würden Minderheiten in Deutschland nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt, sondern es gebe an vielen Stellen Bemühungen, Zuwanderer zu integrieren. „Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein“, sagt der Generalkonsul.

Das erfordere Anstrengungen auf beiden Seiten, fügt er hinzu. „Wir müssen kulturelle Unterschiede akzeptieren lernen. Aber ich sage meinen Landsleuten auch immer wieder: Wer in Deutschland lebt, muss von Anfang an respektieren, wie hier gelebt wird und welche Werte hier gelten.“ Wichtig sei vor allem, die Sprache zu erlernen.

Nicht jeder sehe das so, bedauert Jamale Chouaibi. Und der ein oder andere fühle sich durch die Diskussionen um steigende Flüchtlingszahlen und – nach den terroristischen Abschlägen – um den Islam allgemein verunsichert, verspüre Misstrauen seiner deutschen Nachbarn oder Kollegen. Er könne die Ängste der Deutschen verstehen, sagt Chouaibi.

Aber er wirbt dafür, nicht alle Muslime und alle Zuwanderer über einen Kamm zu scheren. Und er wirbt bei seinen hier lebenden Landsleuten dafür sich zu integrieren. Die meisten fühlten sich auch nach wie vor wohl hier, weiß er. Sie sähen die Chancen, die Deutschland ihnen biete. „Aber ich sage auch: Ihr müsst euch in der Gesellschaft einbringen, die Zukunft eurer Kinder liegt hier.“

Möglichkeiten für Zuwanderer sich einzubringen, gibt es in der Städteregion genug, erläutert Timur Bozkir vom Kommunalen Integrationszentrum im Gespräch mit dem Generalkonsul. Beispielsweise in den Integrationsräten in den zehn Kommunen und in den Migrantenvereinen, aber auch in Kitas, Schulen, Sport- und sonstigen Vereinen.

Integration, das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, sei Politik und Verwaltung der Städteregion – und auch schon dem Kreis Aachen als Vorgänger – seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen. „Einmalig ist hier beispielsweise, dass die kommunalen Integrationsräte auf Kreisebene als politisches Gremium zusammenarbeiten“, sagt Bozkir.

Wie Nora Hamidi, Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Eschweiler, und Ahmed Brimil, Mitglied der Grünen-Fraktion im Städteregionstag und einer der Vorkämpfer für die Integration von Zuwanderern auf allen Ebenen, verweist Bozkir auf langjährige Erfahrungen in der Integrationsarbeit. Dass die Aufnahme von Flüchtlingen in der Städteregion recht „geräuschlos“ und mit viel ehrenamtlichem Engagement der Bürger erfolgt sei, werten die drei als einen Erfolg dieser kontinuierlichen Arbeit, die von der Politik und der Verwaltung mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg an der Spitze stets einmütig unterstützt werde.

„Es ist dieses gute Zusammenspiel von Migrantenorganisationen, Vereinen aller Art, Integrationszentrum, Schulen, Politik und Verwaltung, das zu einem friedlichen Zusammenleben führt“, sagt Bozkir. Jamale Chouaibi zeigt sich begeistert: „Ich brauche solche Erfolgsgeschichten, um andere motivieren zu können, sich auch zu engagieren“, sagt er und stellt fest: „Die Mischung macht doch eine Gesellschaft erst spannend.

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