Stolberg - Eine Produktion gilt nur der Flüchtlingshilfe

Eine Produktion gilt nur der Flüchtlingshilfe

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Fünf von 40 Menschen hinter der Hilfsaktion (v.l.): Dr. Rolf Thiel (Forschung und Entwicklung), Christian Prokora (Verpackung), Olga Lorengel (Produktmanagement), Bernadette Kosilek (Produktmanagement) und Isabell Kohls (Category Management). Foto: Dalli-Gruppe
Dalli
In dieser Woche ist in Flörsheim die Produktion angelaufen. Zunächst werden 180.000 Flaschen den „Dalli 2 in 1“ – nur für Flüchtlinge – hergestellt. Foto: Dalli-Gruppe

Stolberg. Dieses Stolberger Unternehmen hat zwei Weltkriege und mehrere Wirtschaftskrisen überstanden, viel erlebt und oft geholfen in seiner über 170 Jahre währenden Geschichte. Aber das, was die Dalli-Gruppe nun in allerkürzester Zeit auf die Beine stellt, ist wohl eine absolute Premiere – für das Familienunternehmen, für Stolberg und Flörsheim sowie für die Industrie überhaupt.

Am Dienstag hat die Dalli-Gruppe die Produktion eines eigenen, neu entwickelten kombinierten Duschgels und Shampoos aufgenommen, das nicht in den Handel kommt und alleine für die Verteilung an Flüchtlinge hergestellt wird. Zunächst sollen 180.000 Flaschen der Spezialmarke „Dalli 2 in 1“ hergestellt werden.

Angefangen hat diese beispielhafte Hilfsaktion in der Flüssig-Produktionsstätte im rheinland-pfälzischen Flörsheim-Dalsheim. Mitarbeiter haben dort überlegt, wie sie Flüchtlingen am besten helfen können. Schnell ist nach Rücksprache mit Helferorganisatoren die Idee geboren, eine komplette Schicht unentgeltlich zu arbeiten und die Produktion eines Körperpflegemittels zu spenden.

Ein toller Einfall, der aber in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen ist, wie man glauben mag. Dennoch und auch deshalb setzt die Unternehmensleitung alles daran, diese Idee in die Tat umzusetzen. Denn bei den Eigentümern stößt der Vorstoß der Belegschaft nicht nur auf offene Ohren, die Familie Wirtz ist regelrecht begeistert von dem Engagement und unterstützt das Vorhaben der Belegschaft sofort.

„Unsere Mitarbeiter leben mit ihrem freiwilligen Engagement die Werte unseres Familienunternehmens – Respekt, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein“, sagt Dr. Hermann Wirtz. „Wir sind stolz auf das Dalli-Team und unterstützen das Projekt mit voller Kraft“, betont der geschäftsführende Gesellschafter gegenüber unserer Zeitung. Dalli erklärt sich sofort bereit, eine bezahlte Schicht für die Produktion des Körperpflegemittels zu genehmigen.

Die Herstellung ist leichter gesagt als getan. Dalli verfügt nur im Waschmittel-Segment über eigene Marken. Bei Körperpflegemitteln werden ausschließlich renommierte Marken im Auftrag unterschiedlicher Handelsunternehmen produziert. Und die dürfen nicht so einfach für eine Sonderaktion benutzt werden.

Also muss ein völlig neues Produkt her – von der Mixtur, über Namen und Verpackung bis hin zu Herstellungs- und Abfülltechnik. An den Standorten Flörsheim-Dalsheim und Stolberg sind eigens für dieses Vorhaben rund 40 Mitarbeiter an der Planung, Entwicklung, Koordination und Produktion beteiligt. Lieferanten müssen eingebunden, unterschiedliche Rohstoffe und Halbzeuge eingekauft, die Prozesse geplant werden. Mehrere Dalli-Partner aus den Bereichen Logistik, Etikettengestaltung, Reprotechnik, Druckvorbereitung, Etikettendruck und Verpackung erklären sich sofort bereit, die Hilfsaktion kostenlos zu unterstützen.

Was üblicherweise monatelang vorbereitet wird, gelingt in gut zwei Wochen: von der Idee zum neuen Produkt. Die Produktion ist angelaufen für die neue Kombination eines Duschgels und eines Shampoos: „Dalli 2 in 1“ heißt die neue Marke, die nicht im Handel zu haben sein wird. Die zunächst 180.000 Flaschen werden am kommenden Montag an Spendenhilfsorganisationen ausgeliefert: an das DRK in der Städteregion Aachen, an den Sozialdienst katholischer Frauen in Köln und an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz in Trier, die sich wiederum um Flüchtlinge vor Ort kümmern.

Als einer der ersten dankt Stolbergs Bürgermeister den Mitarbeitern und der Unternehmensleitung: „In unserer Stadt werden bis Jahresende rund 1000 Flüchtlinge leben. Diese Menschen haben oft alles verloren und sind auf unsere Hilfe angewiesen“, sagt Tim Grüttemeier. „Die Dalli-Hilfsaktion setzt ein wichtiges Zeichen für soziales und mitmenschliches Engagement.“

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