Eine Notfallpraxis für die Städteregion im Klinikum?

Von: -jül-
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Wie Notfallpraxen in der Region künftig organisiert werden, ist noch nicht entschieden. Möglich wäre zum Beispiel eine „Zwei-plus-Lösung“. „Solche Überlegungen gibt es auch für die Städteregion“, sagt Dr. Lothar Nossek. Foto: Schaum

Stolberg/Eschweiler. „Entschieden ist noch nichts“, erklärt Dr. Lothar Nossek vor dem Stolberger Stadtrat. Und Veränderungen im derzeitigen Angebot von Notfallpraxen der niedergelassenen Ärzte in der Städteregion werden nicht vor dem 1. Januar 2016 zu erwarten sein.

Aber am Mittwoch, 11. Februar, entscheidet die Vollversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland in Düsseldorf die erste Entscheidung treffen. Dann geht es um die Frage einer Reduzierung der Notfallpraxen von 62 auf 42, so der KV-Vorsitzende im Altkreis Aachen.

Hintergrund ist ein Vorstoß der Bundes-KV. Bis 2020 würden 40.000 Ärzte zu wenig praktizieren. Auch in Stolberg sind laut Nossek drei Praxen abgewandert bzw. derzeit nicht besetzt. Der Medizinberuf werde zunehmend weiblich, und Frauen seien weniger gewillt, zusätzliche Belastungen zu tragen. Der Trend bei Medizinerinnen ginge zu einer Anstellung.

Ein Arzt solle aber nicht mehr als sieben Notdienste im Jahr übernehmen. Vor dem Hintergrund der Praxen-Schließungen auch in dieser Region schließt Dr. Nossek Veränderungen nicht aus. Für 250.000 Bewohner im Aachener Stadtgebiet werde ein, für 150.000 Bewohner im Nordkreis ebenfalls eine und für 150.000 Bewohner im Südkreis mit Stolberg, Eschweiler und Simmerath werden drei Notfallpraxen betrieben.

Nossek favorisiert derzeit die 2-plus-Lösung mit zwei Praxen und einer stundenweise Präsenz in den drei Eifel-Kommunen. Hinzu käme ein eigener Fahrdienst für Hausbesuche, die derzeit die jeweils in den Praxen diensthabenden Kollegen zusätzlich ausüben.

Es kann aber auch ganz anders kommen. Wie beispielsweise im Großraum Bonn, wo fünf zu einer Notfallpraxis vereint wurden. „Solche Überlegungen gibt es auch für die Städteregion“, sagte Nossek. Ärzte und Fachärzte, die ihr Notdienstangebot zukünftig ausweiten müssen, sollen gemeinsam ein Angebot betreiben: „Eine zentrale Notfallpraxis der Hausärzte mit Augen-, plus Hals-Nasen-Ohren- plus Kinderärzten ist angedacht“, erklärte der KV-Vorsitzende.

Und: „Es liegt ein Angebot vom Aachener Uniklinikum vor. Das würde uns eine gesamte Etage zur Verfügung stellen“, so Nossek weiter. Dies seien aber alles nur Überlegungen. Diese wollte Klinikum-Sprecher Dr. Mathias Brandstädter am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung „weder bestätigen noch dementieren“.

Auch aus Sicht des Kreisvorsitzenden sind noch alle Wege offen. Erst nach der Grundsatzentscheidung der KV Nordrhein könne man weitersehen. Dort werde die Anzahl der Notfallpraxen pro Region festgelegt. Anschließend werden die Ärzte vor Ort beraten und über Alternativen entscheiden. „Ich bin für alles offen“, erinnerte Nossek an das frühere Vorhaben, die beiden Notfallpraxen aus Eschweiler und Stolberg in der Donnerberg-Kaserne zu vereinen. „Das ist nicht etwa an der Bundeswehr, sondern dem Widerstand der Ärzte aus Eschweiler gescheitert.“

Und in einem Andocken der Notfallpraxis an ein Krankenhaus, so wie das seit Montag in Stolberg der Fall ist, profitiere in erster Linie das Hospital. „Wir können mit unserer Praxis überall sein“, so Nossek weiter.

Die Überlegungen zu einer Neuregelung reichen schon zwei Jahre zurück. „Ich habe mich sofort an Dr. Linckens als Vorsitzenden der Bürgermeister-Konferenz gewandt“, berichtet Nossek auf Nachfrage von Patrick Haas (SPD). Im März 2013 wurden im Büro des Aachener Oberbürgermeisters die Verwaltungschefs – auch der Stolberger – ausführlich informiert.

Und auf Nachfrage von Toni Grendel (SPD) legte der Mediziner dem Stolberger Rat nahe, froh zu sein, dass ein Arzt aus dem nahen Mausbach sich angeboten habe, die Versorgung für den Raum Gressenich, Schevenhütte, Werth und Hamich mit zu übernehmen. Bei der Nachfolge von Dr. Scheitinger in Gressenich habe die erste Ärztin ein halbes Jahr nach der Übernahme die Praxis nach Würselen und ihr Nachfolger in die Innenstadt verlagern wollen. „Das haben wir verhindern können“, so der Vorsitzende der KV, denn dann wäre die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum sicher nicht besser geworden.

Untersagt habe es die KV darüber hinaus zwei Stolberger Praxen nach Würselen zu ziehen. Weiterhin lägen drei Anträge von Physiotherapeuten vor, die ihren Sitz aus dem Stadtgebiet heraus verlagern möchten. „Viele Ärzte hungern lieber in Aachen, als auf dem Land Geld zu verdienen“, brachte Nossek die Lage auf den Punkt. Der Kampf um Patienten in der Großstadt sei wesentlich größer als auf dem Land.

„200 bis 300 Patienten sind zum Überleben zu wenig“, rechnete Nossek vor. Bei durchschnittlichen Fallpauschalen komme eine Praxis dann auf 25.000 bis 30.000 Euro Einnahmen pro Quartal; und damit könne man nicht einmal die Kosten decken. Zunehmend Aufgabe der KV sei es nun, „von unseren Honoraren solche unrentablen Praxen aufzufangen und einzustampfen“.

Umgekehrt „bieten wir Kinderarztpraxen an wie warme Semmeln“. Aber viele Ärzte scheuten trotz der reizvollen Aufgabe einfach den riesigen Verwaltungsaufwand, der sich hinter einer solchen Aufgabe verberge.

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