Städteregion - Ein neuer Ansatz in der Sozialpolitik

Ein neuer Ansatz in der Sozialpolitik

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
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Vorher, nachher am Beispiel Baesweiler: Die Fachleute der RWTH haben zunächst anhand der ihnen vorliegenden Daten und eigener Vor-Ort-Recherchen Baesweiler in sechs sogenannte Sozialräume aufgeteilt. Grafik: Städteregion
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Nach Gesprächen mit Baesweiler Fachleuten haben sie die Grenzverläufe dann verändert und es ist ein siebter Sozialraum dazugekommen. Solche Sozialraumpläne gibt es nun für alle Kommunen. Grafik: Städteregion

Städteregion. Der erste Meilenstein ist gesetzt: In enger Zusammenarbeit mit Fachleuten der RWTH Aachen und im Austausch mit den jeweiligen Experten vor Ort sind die neun Kommunen im früheren Kreis Aachen in 77 sogenannte Sozialräume aufgeteilt worden. Diese Sozialräume umfassen Stadtteile oder auch stadtteilübergreifende Gebiete einer Kommune mit ähnlichen sozialen, städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Merkmalen.

Am MIttwoch beginnt die zweite Phase: Dann treffen sich zum ersten Mal die Fachleute aus den Kommunen mit den Expertinnen vom städteregionalen Amt für Inklusion und Sozialplanung sowie der RWTH, um gemeinsam zu erarbeiten, welche Themen Sozialpolitik in der Städteregion vorrangig aufgreifen sollte und welche Daten dafür erhoben beziehungsweise zusammengeführt werden müssen.

Ziel der sogenannten „integrierten Sozialplanung“ ist es zu schauen, wo welche Gruppen von Einwohnern wie besonders belastet sind, wo welche Ressourcen vorhanden und wo Hilfen nötig sind. Das erfolgt auch, aber nicht nur vor dem Hintergrund, dass die Ausgaben der Kommunen und der Städteregion für Sozialleistungen und für die Jugendhilfe immer weiter steigen. „Es geht vor allem darum zu erkennen, wo sozial benachteiligte Lebenslagen gehäuft auftreten, es aber beispielsweise an Unterstützungsangeboten mangelt“, sagt Antje Rüter vom städteregionalen Amt für Inklusion und Sozialplanung. Zusammen mit ihrer Kollegin Astrid Taube ist sie für die Entwicklung des Sozialberichtes für den Altkreis zuständig. Der soll im dritten Quartal 2017 fertig sein und nicht nur jede Menge Statistiken enthalten, sondern Impulse für die Politik, wo welche Hilfsstrukturen aufgebaut, verbessert oder auch abgezogen werden können oder sollen. Letztlich entscheiden wird darüber der Städteregionstag. Er kann das dann aber auf der Grundlage einer Fülle von Daten und Analysen.

Alsdorf haben die Experten in 14 Sozialräume gegliedert, Baesweiler in sieben. Eschweiler hat 14 Sozialräume, Herzogenrath elf, Monschau und Roetgen je zwei, Simmerath drei, in Stolberg – hier gibt es bereits eine Sozialraumplanung, auf die zurückgegriffen wurde – sind es 16 Sozialräume und in Würselen acht. Zwischen 700 und 8500 Einwohner leben in einem Sozialraum, im Durchschnitt sind es 4500.

Themenfelder abstecken

„Die Einteilung der Kommunen in Sozialräume ist das Gerüst, in das wir nun die Daten einpassen müssen“, sagt Antje Rüter. Und da kann man sich gehörig verzetteln, weiß sie. Denn es gibt Statistiken in Hülle und Fülle, auf die man zurückgreifen kann. „Allein die Arbeitsagentur hat 52 Datensätze zum Thema Erwerbslose.“ Zu allen erdenklichen Lebenslagen und zu jedem Lebensabschnitt gibt es Statistiken. Das reicht von der Versorgung mit Kitaplätzen über Gesundheitsdaten von Schulneulingen und Daten von Migranten bis hin zu Statistiken über ambulante und stationäre Pflege, sozialen Wohnungsbau oder Armutsrisiken von Alleinerziehenden, Kindern oder älteren Menschen. „Das muss gefiltert werden, um keinen Wust von Daten zu haben, an dem man dann erstickt“, gibt Rüter die Richtung vor. Beim Treffen morgen sollen deshalb die Themenfelder abgesteckt werden.

Die Stadt Aachen ist übrigens erst mal außen vor. Denn sie ist dem Altkreis Aachen in Sachen integrierte Sozialplanung um Jahre voraus, ist schon lange in 60 „Lebensräumen“ aktiv. Aber auf ihre Erfahrungen werden die städteregionalen Planerinnen ebenso gerne zurückgreifen wie auf die der Altkreiskommunen, die zumindest in Teilgebieten schon sozialräumlich denken und handeln.

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