Städteregion - „Ein Förderschulsystem, das über hundert Jahre alt ist“

„Ein Förderschulsystem, das über hundert Jahre alt ist“

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
17063812.jpg
Soll nach dem Willen der Städteregion ausgebaut werden: die Regenbogenschule in Stolberg. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Steigende Schülerzahlen sorgen für eine wachsende Platznot: Aus Sicht der städteregionalen Verwaltung liegt es deshalb nahe, die von ihr betriebene Förderschule für geistige Entwicklung in Stolberg, die Regenbogenschule, zu erweitern.

Bis Ende 2018 sollen die Pläne nach Vorstellung von Bildungsdezernent Markus Terodde konkretisiert und im nächsten Jahr umgesetzt werden. Doch für manchen politischen Vertreter ist das längst noch nicht klar.

Das gilt zum Beispiel für Karin Schmitt-Promny: „Wir bekommen plötzlich eine Vorlage präsentiert, die eine Baumaßnahme vorsieht“, wundert sich die Grünen-Politikerin darüber, dass sie bis dato über den sich zuspitzenden Platzmangel in der Schule nicht informiert worden sei. Diesen könne sie deshalb auch nicht nachvollziehen, zumal es doch Alternativen gebe: „In der Kleebachschule im benachbarten Aachener Stadtteil Eilendorf sind beispielsweise noch zahlreiche Plätze frei. Da fragt man sich natürlich, warum dann an anderer Stelle zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden sollen.“

Bedenken grundsätzlicher Art haben die Piraten. „Deutschland hält sich nach wie vor an ein Förderschulsystem, das über hundert Jahre alt ist“, kritisiert der bildungspolitische Sprecher Michael Sahm. Und: „Neun Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention diskutieren wir in der Städteregion immer noch über die Erweiterung von Förderschulen, statt endlich damit zu beginnen, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen.“ Die Piraten lehnen eine Erweiterung der Regenbogenschule deshalb grundsätzlich ab.

Allerdings stehen sie mit dieser vehementen Haltung im Kreise der städteregionalen Politik ziemlich alleine da. Die CDU als Mehrheitsfraktion will einem An- oder Neubau grundsätzlich zustimmen. „Denn wir gehen sehr stark vom Elternwillen aus“, betont der bildungspolitische Sprecher Wolfgang Königs. „Es gibt eine entsprechende Nachfrage für den Besuch der Förderschule. Und der möchten wir gerecht werden.“ Unterstützung erhält Königs von der SPD. „Auch für uns ist der Elternwille maßgebend“, erklärt Heiner Höfken.

Mehr Schüler

Nach Angaben der Städteregion, die Trägerin der Regenbogenschule ist, hat sich die Schülerzahl seit der letzten Baumaßnahme im Schuljahr 2008/09 von 133 auf 163 erhöht. Und bis zum Schuljahresbeginn 2019/20 müsse mit einem weiteren Zuwachs um zwölf Schüler gerechnet werden. Schon jetzt aber sei das Angebot in der Schule an der Stettiner Straße in Stolberg nicht ausreichend.

Der Klassenfrequenzrichtwert liegt im Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ bei zehn Schülern je Klasse. Das würde aktuell einen Bedarf von 16 und zukünftig sogar von 18 Klassen ausmachen. „Aktuell ist der Raumbestand aber lediglich auf 13 Klassen ausgerichtet“, stellt die Verwaltung in ihrer Stellungnahme für die Politik fest und kommt zu dem Schluss, „dass der reklamierte Handlungsbedarf grundsätzlich nachvollziehbar ist“.

Soweit ist die Politik noch nicht. Immerhin aber hat sie sich im Schulausschuss jetzt auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach soll die Verwaltung bis zum Ende des Jahres den baulichen Bedarf in einen Zusammenhang mit den pädagogischen Notwendigleiten setzen. Auf dieser Basis wollen die Fraktionen dann noch einmal über den Ausbau der Schule beraten und entscheiden – mit Ausnahme der Piraten.

 

Die Homepage wurde aktualisiert