Donnerbergkaserne: Die letzten Handgriffe vor dem Einzug

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Innerhalb von zwei Stunden haben die Helfer der freiwilligen Feuerwehren Eschweiler und Stolberg sowie das THW circa 150 Betten aufgebaut. Foto: L. Beemelmanns
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Dazu benötigten sie lediglich ein paar Handschuhe, Gummihämmer, Kreuz- und Schlitzschraubendreher sowie einen 10er-Ringschlüssel. Foto: L. Beemelmanns
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Pro Raum werden vier der Etagenbetten mitsamt Matratzen aufgestellt. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg/Eschweiler. Wenn die Stolberger und die Eschweiler Feuerwehren zusammenarbeiten, dann muss das schnell und ohne lange Absprache funktionieren. Auch wenn es um die Flüchtlinge geht, die schon Anfang des nächsten Jahres die Unterkunft an der Donnerbergkaserne beziehen sollen. Denn das ist nur gemeinschaftlich zu bewältigen.

So geschehen am Montagabend, als ab 19 Uhr ein Auto nach dem anderen den abgetrennten Bereich der „Zeltstadt“ auf dem früheren Appell-Platz der Bundeswehr am Rande des Gewerbegebietes Steinfurt erreichte. Der Grund: Die in der vergangenen Woche gelieferten Etagenbetten mussten aufgebaut werden – 270 an der Zahl; das sind 540 Liegeflächen.

Rund 80 freiwillige Helfer der Stolberger und Eschweiler Feuerwehren sowie des THW hatten sich am Montagabend nach Feierabend zwei Stunden freigehalten, um die Betten im Akkord aufzubauen. Axel Johnen, Leiter der Eschweiler Feuerwache, hatte seinen Leuten zuvor per Powerpoint-Präsentation erklärt, wie ein solches Bett sachgemäß aufgebaut wird. Die Stolberger hatten bereits bei der Anlieferung am vergangenen Donnerstag ein Bett probeweise aufgebaut. „Wir haben die Zeit gestoppt, damit wir abschätzen können, wie lange wir für alle Betten brauchen“, sagte Andreas Dovern, Leiter der Stolberger Feuerwache. Das Ergebnis: zehn Minuten pro Bett, wenn drei Menschen mitwirken.

Zehn Mann pro Zelt

Nach einer kurzen Begrüßung und Ansprache durch Dovern und Johnen ging es sofort los. „Es ist kalt, wir müssen uns warm arbeiten“, sagte Johnen. Ohne, dass dies besonders angeleitet wurde, verteilten sich die Feuerwehrleute auf die einzelnen Leichtbauhallen und deren Kabinen. Die Ansage Doverns lautete lediglich: „Es gibt acht Schlafhallen. Wir brauchen zehn Mann pro Halle und vier Betten pro Raum. Letzten Donnerstag wurden die Betten und Matratzen gemeinsam mit dem THW ausgeladen und bereits auf die Zelte verteilt.“

Die freiwilligen Helfer teilten die Arbeitsvorgänge nahezu intuitiv auf und arbeiteten so schnell es eben ging. Binnen weniger Minuten waren Kartons mit Bauteilen der Betten und Zubehör in den Kabinen angekommen, ausgepackt, der Müll in einen anderen Raum gebracht und die ersten Handgriffe erledigt. Techniken gab es dabei viele. Ein Team baute das Bett liegend auf, ein anderes stehend. Wieder andere schafften es auf Anhieb alleine, manche mussten bei den Nachbarn abschauen.

Dadurch, dass die Betten mit einem Stecksystem aufgebaut werden konnten und nur wenige Schrauben verarbeitet werden mussten, ging alles schnell voran. Lediglich das Werkzeug musste noch verteilt werden – denn vorhanden war genügend. „Wir brauchen einen Gummihammer“, rief jemand durch das Zelt, dessen Raumtemperatur aufgrund der Tatsache, dass bislang nur im Sanitärbereich geheizt wurde, niedriger war als die Außentemperatur.

Dovern und Johnen schnappten sich rote Eimer mit Handschuhen, Gummihämmern, Kreuz- und Schlitzschraubenziehern und 10er-Ringschlüssel und verteilten diese auf alle Zelte. Auch hier wanderte Stolberger Werkzeug in Eschweiler Hände und umgekehrt. Von Konkurrenzdenken konnte keine Rede mehr sein. Und falls jemand frieren sollte, gab es heißen Tee, Kaffee und warme Würstchen. Die hatten die Eschweiler Feuerwehrleute mitsamt Container und Bänken mitgebracht.

Zwei Stunden lang sollte dies so weitergehen. Bett um Bett wurde aufgebaut, Matratzen darauf gelegt und der Müll gesammelt. Doch vor Beginn der Arbeit stand schon fest: „Heute Abend werden wir nicht fertig“, sagte Dovern. Der Rest müsse am Samstag erledigt werden. Erst dann könne der Müll entsorgt werden, wenn auch ein Container geliefert würde. Denn nach diesen zwei Stunden waren noch längst nicht alle der 270 Etagenbetten aufgebaut – aber immerhin schon circa 150. Das wäre mehr als die Hälfte. Allerdings sei diese Zahl nur eine grobe Schätzung, wie Michael Konrads, Sprecher der Stolberger Feuerwehr, auf Anfrage mitteilte.

Samstag geht‘s weiter

Am Samstag treffen sich die freiwilligen Helfer ein zweites Mal. Von neun bis 15 Uhr werden die restlichen noch verpackten Betten aufgebaut und alles aufgeräumt. Um die Verpflegung für die Helfer kümmere sich dann die Stolberger Wehr. Neben dem ersten Teil der Betten sind außerdem bereits alle Böden verlegt. In allen Hallen außer dem Sanitärbereich wurde ein PVC-Boden in Laminat-Optik verwendet. Der sanitäre Bereich ist mit Waschbecken, Spiegeln und Duschkabinen ausgestattet – Männer und Frauen getrennt. Jede Duschkabine hat zudem einen grünen oder pinken Vorhang und auch die einzelnen Schlafräume können mit einem Vorhang geschlossen werden.

Einige Tische wurden auch schon aufgebaut– im Aufenthaltsraum. Neben den Schlafmöglichkeiten, der Aufenthaltshalle, der Halle für Kinderbetreuung und der für sanitäre Anlagen gibt es zudem noch eine Halle, die der Registrierung dient sowie eine für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge. Hinzu kommen Container für Büroräume, Personaltoiletten, Waschmaschinen und Trockner sowie den Sicherheitsdienst.

Was dann noch fehle seien die Einrichtung im Bereich der Essensausgabe und die Komplettierung der Heizversorgung, sagte Stefan Kaever, Erster Beigeordneter der Stadt Eschweiler, am Dienstag auf Anfrage. Und: „Die Infrastruktur, also Dinge wie Spannbettlaken und Stühle fehlen noch“, sagte Paul Schäfermeier, Leiter des Sozialamtes der Stadt Stolberg.

Zu Beginn des Jahres 2016 sollen die ersten Flüchtlinge einziehen. „Wir sind optimistisch, dass die ersten Plätze zum 4. Januar belegt werden können“, sagt Kaever. Noch habe die Stadt Stolberg laut Schäfermeier keine Info darüber, wann die ersten Flüchtlinge tatsächlich ankommen. „Das kann alles ganz schnell gehen“, sagt er.

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