Diskussionsrunde zum Weltkrieg: „Toleranz muss konkret gelebt werden“

Von: Leandra Kubiak
Letzte Aktualisierung:
8949921.jpg
Erinnern an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren: Auf Einladung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge beschäftigten sich Schüler, Politiker, Regierungsvertreter und Histotiker mit der Frage, welche Lehren aus der Geschichte gezogen werden können. Foto: Andreas Steindl

Städteregion. „Um den Frieden zu sichern, muss Toleranz nicht nur gelernt, sondern auch konkret gelebt werden“, sagte Charlotte Zeller. „Und damit kann man schon im Kleinen anfangen“. Bei einem Werkstattgespräch zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren fand die Schülerin des Goethe-Gymnasiums in Stolberg treffende Worte.

„Es hat mich sehr beeindruckt, wie souverän Charlotte Zeller aufgetreten ist und wie reflektiert sie über dieses wichtige Thema gesprochen hat“, sagte der Leiter des Goethe-Gymnasiums, Bernd Decker. Und das, obwohl die Schülerin vor einem großen Publikum und in Anwesenheit einiger wichtiger Persönlichkeiten sprach.

An der Veranstaltung nahmen Städteregionsrat Helmut Etschenberg, die Regierungspräsidentin des Bezirks Köln, Gisela Walsken, NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und Dr. Herbert Ruland von der Autonomen Hochschule der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens teil. Neben Charlotte Zeller beteiligten sich auch zwei Schülerinnen des Heilig-Geist-Gymnasiums in Würselen an dem Gespräch. Veranstaltet wurde die Diskussionsrunde im Haus der Städteregion vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Bei der Gesprächsrunde, die unser Redakteur Thorsten Pracht moderierte, ging es in erster Linie um die Frage, wie ein friedliches Miteinander der Menschen auch in Zukunft gesichert werden kann. Im Rahmen von Projektarbeiten haben sich im vergangenen Schuljahr Schüler verschiedener Schulen aus der Region Gedanken über diese Fragestellung gemacht. Das Goethe-Gymnasium in Stolberg beispielsweise beschäftigte sich mit den beiden Weltkriegen und drehte dazu einen Film, der im Rahmen des Werkstattgesprächs gezeigt wurde. Für den Film sprachen die Jugendlichen auch mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges.

Helmut Etschenberg zeigte sich erfreut darüber, dass die Schüler das Thema mit einer Betroffenheit angingen. „Es ist wichtig, bewusst zu machen, dass so eine Zeit nie wieder kommen darf“, sagte er. Für ihn seien die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts keineswegs vergessen. Gerade deshalb sei er begeistert, dass man sich in Europa heute so frei über die Grenzen hinweg bewegen kann, sagte der Städteregionsrat.

Das Jahr 2014 sei gleich in mehrerer Hinsicht ein Besonderes: „Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg und vor 25 Jahren fiel die Mauer“, resümierte Thomas Kutschaty. Der nordrhein-westfälische Justizminister stellte sich die Frage, was man aus der Vergangenheit lernen kann. „Es ist wichtig, geschichtliche Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern sie in einem Zusammenhang zu sehen“, betonte Kutschaty. So sehe er die anhaltenden Konflikte in Nahost zum Teil als Folge des Ersten Weltkrieges. Zu dieser Zeit seien beispielsweise Grenzen gezogen worden, die heute zu Problemen führen.

Kriegsgräberstätten besuchen

Dass es auch heute noch wichtig ist, an die schrecklichen Geschehnisse des letzten Jahrhunderts zu erinnern, darüber waren sich alle Referenten einig. Eine Möglichkeit, sich mit den Kriegen des letzten Jahrhunderts zu befassen, sei der Besuch von Kriegsgräberstätten, sagte Kutschaty: „Das ist gerade für Schüler eine eindringlichere Erfahrung, als das Wissen nur im Geschichtsunterricht zu erlangen“.

„In der Fachdidaktik hat sich viel getan!“, befand Gisela Wals-ken. Während das Wissen über verschiedene Kriege und Epochen vor einiger Zeit noch separat vermittelt wurde, werden heute häufig Brücken geschlagen. Und das sei auch gut so, stellte die Regierungspräsidentin fest.

Dr. Herbert Ruland ist Experte für den Ersten Weltkrieg im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. „In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen im Grenzgebiet keine Feinde“, betonte er. „Im Gegenteil – man feierte und man heiratete oftmals über die Grenzen hinweg“, erklärte er. Eine strikte Trennung zwischen den Ländern habe nicht existiert. Mit Hilfe von Bildern schilderte Ruland dann die Anfänge des Krieges. Gerade die Morde deutscher Soldaten an belgischen Zivilisten würden das Verhältnis im Grenzgebiet teilweise noch bis heute belasten, sagte Ruland.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert