Die Vision von der Wissenschaftsstadt

Von: Thorsten Karbach
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Das RWTH-Hauptgebäude am Aachener Templergraben: Mit ihren Bauwerken sind die Aachener Hochschulen natürlich im Stadtgebiet präsent. Doch die Vernetzung zwischen Stadt und Bildungseinrichtungen soll intensiviert werden. Das sieht die jetzt geschlossene Wissenschaftsallianz vor.

Städteregion Aachen. Manfred Sicking hat eine Vision. So wie Wolfsburg für Autos und das Ruhrgebiet für Kohle steht, so soll Aachen in nicht allzu ferner Zukunft nicht für Printen, CHIO, Kaiser Karl oder was auch immer stehen, sondern vor allem für eines: Wissenschaft.

Mit seinen Hochschulen – allen voran RWTH und FH – den Fraunhofer-Instituten und so weiter hat Aachen zwar durchaus einen guten Ruf als Wissenschaftsstandort.

Doch der städtische Dezernent Sicking will mehr: Er will Aachen als die Wissenschaftsstadt in Deutschland etablieren. Und mit diesem Wunsch steht er nicht alleine da: Sowohl RWTH als auch FH stehen mit all ihrer Power hinter der Vision. Eine sogenannte Wissenschaftsallianz ist auf den Weg gebracht. 2015 soll sie manifestiert werden, vielleicht an einem symbolträchtigen Termin wie dem 31. Mai: Da wurde vor 150 Jahren der Grundstein für die Technische Hochschule gelegt.

Das erste Elf-Punkte-Papier

Der Grundstein für die Wissenschaftsallianz ist aber auch schon fast 20 Jahre alt. 1996 formulierten Stadt und RWTH ein Elf-Punkte-Papier. Das sah unter anderem die Vortragsreihe „Uni im Rathaus“ und den Innovationspreis vor. Zudem einen regelmäßigen Austausch zwischen städtischer und Hochschulspitze.

Aus dem Papier wurde 2004 eine Kooperationsvereinbarung, 2005 folgte eine zweite zwischen Stadt und FH, 2009 begannen die Campus-Pläne Wirklichkeit zu werden – mit der Stadt als fünfprozentigem Gesellschafter. All das soll mit der Wissenschaftsallianz noch mehr Struktur gewinnen. „Das ist ein ganz entscheidendes Thema für diese Stadt. Die Hochschulen sind der Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen“, erklärt Sicking.

Zwei Welten – Hochschule und Stadt –, die lange nebeneinander existierten, müssten nachdrücklich zusammenwachsen und voneinander profitieren. Auch wenn es immer noch Lehrstühle und Institute an den Aachener Hochschulen gibt, die lieber nach Asien und in die USA als nach Haaren oder Eilendorf schauen.

Zunächst einmal bedeutet Wissenschaftsallianz, dass sich alle Beteiligten ganz selbstverständlich treffen und austauschen. So wie in der Wohnraumfrage etwa mit der Kampagne Extraraum zusammengearbeitet wurde, soll in allen denkbaren Bereichen miteinander agiert werden. Es wird ein gemeinsamer Entwicklungsplan formuliert, der die Bereiche Gewinnung Wissenschaftler und Studierender, Dual Career Service, Standortbindung von Fachkräften, Wohn- und Lebensqualität, Präsenz und Wahrnehmung oder auch Drittmitteleinnahmen umfasst – in letzterem Fall könnten zum Beispiel Firmen vor Ort in Zukunft von EU-Fördergeldern profitieren.

Es gibt Ideen wie ein gemeinsames Marketing und eine „Made in Aachen“-Kampagne, ein Campus-Festival und Beratungstandem, die wiederum mit Leben gefüllt werden. Und zwar schnellst möglich. Ebenso bleibt der Wunsch der Hochschulen nach einer internationalen Schule und der Anbindung des Campus‘.

Die Themen reichen vom Kindergarten bis zum Musikbunker. Arbeitsgruppen sollen die ganze Geschichte beschleunigen. „Es wird nicht immer einfach sein, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, aber alle Seiten wollen es“, sagt der städtische Hochschulbeauftragte Boris Mehlkopf. Die Pläne wurden jüngst der Politik vorgestellt und auch von dort Rückendeckung gewonnen.

Am Ende soll die Wissenschaftsstadt allgegenwärtig sein: mit kostenlosem W-Lan im Stadtgebiet, Elektroautos auf Aachens Straßen, Studenten in den Theatern und wissenschaftliche Kunst in den Museen. Wer will dabei noch an Pferde oder diesen Karl denken?

Eine solche Wissenschaftsallianz ist dabei keine Aachener Erfindung. In Dortmund gibt es den Masterplan Wissenschaft, auch Münster und andere haben verstanden, wie sie sich mit dem Thema Wissenschaft positionieren können. Die Konkurrenz ist groß – und schnell, hat Aachen bisweilen überholt. Noch immer können Besucher Aachen durchqueren, ohne von den Hochschulen überhaupt Notiz zu machen, wenn sie nicht gerade über Templergraben, Kalverbenden oder zum Campus fahren. „Die Hochschulen müssen besser im Stadtbild verankert werden“, erklärt Thomas Hissel, Abteilungsleiter „Wissenschaft und Europa“ bei der städtischen Wirtschaftsförderung.

„Wir brauchen jetzt einen Qualitätsprung“, fordert Sicking.

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