Die Kitas und das große Zahlenmonster

Von: Laura Beemelmanns
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Aachen oder Herzogenrath? Was Kinderbetreuung kostet, hängt von vielen Faktoren ab. Die Unterschiede können groß sein. Foto: dpa

Städteregion. Gedanken über eine gute Kinderbetreuung und Förderung des Nachwuchses machen sich wohl alle Eltern irgendwann. Die Qualität der Betreuung steht dabei natürlich an erster Stelle. Aber sie muss eben auch bezahlbar sein. Die Höhe des jeweiligen Beitrages ist von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich geregelt.

Und die unterschiedlichen Bemessungsgrenzen führen dazu, dass eine Familie Summen im vierstelligen Bereich sparen kann – abhängig davon, wo sie wohnt.

Aachen: teuerstes Kind zählt

Ein Beispiel: Familie Müller hat zwei Kinder, eines ist fünf Jahre alt, das andere drei. Die Müllers leben in Aachen. Gemeinsam haben die Eltern ein Jahreseinkommen von rund 76.000 Euro im Jahr und sie möchten ihre beiden Kinder je 45 Stunden pro Woche betreuen lassen. Dann zahlen sie für das erste Kind 236 Euro monatlich und für das zweite Kind die Hälfte, also 118 Euro. Gesamt: 354 Euro – hinzu kommt ein variierender Anteil abhängig vom Träger der Kita sowie Kosten fürs Mittagessen.

Würden die Müllers in Eschweiler wohnen, wäre das zweite Kind beitragsfrei. Dort muss nur für das erste Kind gezahlt werden. Bei einem Jahreseinkommen der Eltern über 73.000 Euro ist ein Beitrag in Höhe von 343 Euro zu zahlen – für ein Kind. Obwohl also in Eschweiler das zweite Kind der Familie nichts zahlen muss, spart die Familie im Vergleich zu Aachen bei diesem Beispiel nur rund elf Euro, obwohl in Aachen für beide Kinder zu zahlen ist.

Das ganze verändert sich in dem Moment, in dem das zweite Kind der Familie Müller jünger ist als drei. Noch deutlicher wird es, wenn dieses Kind das zweite Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Dann nämlich kostet das jüngere Kind in Aachen 312 Euro je Monat. Für das ältere Kind, das laut Tabelle 236 Euro kostet, würde nur noch der halbe Satz fällig. Denn im Gegensatz zu Eschweiler, wo immer das erste Kind die Grundlage für die Gebührenrechnung ist, gilt in Aachen: das teuerste Kind ist immer der Vollzahler. Müllers müssen in diesem Fall also für das zweite Kind die Summe von 312 Euro zahlen, zuzüglich der Hälfte davon für das erste Kind, also 156 Euro. Gesamt: 468 Euro. Gleiches Beispiel in Eschweiler: Nach wie vor 343 Euro. Variierend vom Trägeranteil ergibt sich eine vierstellige Summe, die die Müllers abhängig von ihrem Wohnort sparen können.

Die generelle Beitragshöhe ist gar nicht so leicht zu ermitteln, da sie sich nach verschiedenen Faktoren richtet. Dazu gehören das Bruttoeinkommen der Eltern abzüglich Werbungskosten und zuzüglich steuerfreier Einkünfte wie Unterhalt, Arbeitslosengeld und Renten. Hinzu kommt die sogenannte Buchungszeit. Die Eltern können entscheiden, ob das Kind bis zu 25, 35 oder 45 Stunden pro Woche betreut werden soll. Eine weitere Rolle spielt zudem das Alter des Kindes, ob es beispielsweise das erste, zweite oder dritte Kind der Familie ist und ob es ein Vorschulkind ist oder nicht. Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung sind beitragsfrei, weil das Land NRW dann die Kosten übernimmt.

Für die Städte und Gemeinden Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath übernimmt das Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion die Kindertagesbetreuung, da diese Kommunen kein eigenes Jugendamt haben. Dort wird bei einem Jahreseinkommen der Eltern von bis zu 12.271 Euro kein Geld für die Kinderbetreuung verlangt. Erst ab einem Einkommen ab 24.542 Euro müssen Beiträge gezahlt werden.

Auch für die Städteregion, wie für die Stadt Aachen, ist das teuerste Kind der Vollzahler. Unterschied: Das zweite Kind ist beitragsfrei. Kinder, die im letzten Kitajahr vor der Einschulung sind, zahlen nichts, ebenso die Geschwister, die in der Ü2-Betreuung sind. Ergibt sich jedoch der laut einem Sprecher der Städteregion seltene Fall, dass das ältere Kind in das letzte Kitajahr fällt und somit eigentlich alle Kinder beitragsfrei wären, das zweite Kind aber in der U2-Betreuung aufgenommen wurde, dann müssen die Eltern für das U2-Kind zahlen. Für Familie Müller mit zwei Kindern, einem davon in der U2-Betreuung, einem im beitragsfreien letzten Kitajahr, wären das 458 Euro.

In den Städten Aachen, Alsdorf, Eschweiler, Stolberg, Herzogenrath und Würselen, die selbst örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind und eigene Jugendämter haben, sieht es zum Teil anders aus. Sie sind für die Planung, den Betrieb und die Finanzierung der eigenen Kindertageseinrichtungen und der in ihrem Bereich tätigen freien Träger selbst verantwortlich.

Daher ist in Stolberg und Würselen beispielsweise die Betreuung bis zu einem Jahreseinkommen von 16.000 Euro kostenfrei, in Herzogenrath und Aachen bis zu 25.000 Euro, in Alsdorf bis zu 12.000 Euro und in Eschweiler bis 18.000 Euro. Und auch die Sätze pro Jahreseinkommen variieren. Während beispielsweise Eltern mit einem Jahreseinkommen von über 73.000 Euro in Herzogenrath für 45 Stunden maximal 343 Euro zahlen, sind es in Alsdorf beispielsweise für Eltern, die über 108.000 Euro jährlich verdienen, maximal 355 Euro. In Alsdorf wird zusätzlich auch ein Kinderhort angeboten, mit einer wöchentlichen Betreuung von 35 Stunden. Dafür müssten Eltern, die 108.000 Euro jährlich verdienen, 233 Euro aufbringen.

Keine pauschale Aussage

Das Ergebnis von so vielen Variablen bei der Berechnung von Kitabeiträgen ist, dass sich große Preisunterschiede ergeben können. Pauschale Aussagen, welche Kommune besonders teuer oder besonders billig ist, lassen sich aber kaum machen. Dazu variieren die individuellen Fälle zu deutlich. Und nicht zuletzt bieten noch nicht alle Kommunen eine U2 Betreuung an, die aufgrund der hohen Betreuungsintensität teurer ist.

Das kostet die Kinderbetreuung in der Städteregion Aachen: Unsere interaktive Grafik finden Sie hier.

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