Die Grünen auch in der Städteregion im Aufwind

Von: Udo Kals und Jutta Geese
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Aachen. Die Grünen jubilieren dieser Tage mit Blick auf ihre Mitgliederzahlen. Auf Bundesebene registrieren sie seit Monaten Rekordzuwächse, zugleich erreichen sie bei Umfragen bisher nie dagewesene Werte.

Auch in der Städteregion befinden sich die Grünen im Aufwind. Seit der Fusion der Kreisverbände Aachen-Stadt und -Land zum 1. Januar 2009 stieg die Mitgliederzahl von damals knapp 500 auf jetzt mehr als 580 Mitglieder. „Allein in diesem Jahr gab es über 50 Eintritte”, sagt Geschäftsführerin Christa Heners.

Bundespolitische Themen spielten da eine Rolle, aber auch, „dass wir mit unserer Offenheit und unseren Angeboten politisches Engagement unkompliziert möglich machen”. Besonders erfreulich sei, dass „eine wachsende Zahl junger Menschen zu uns kommt und mitarbeitet”. Das zeige, dass die junge Generation wieder Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft übernehmen wolle.

Von grünen Zuwachsraten kann CDU-Chef Axel Wirtz zwar nur träumen. Aber er möchte dies auch ins richtige Verhältnis gesetzt wissen: „Während die Christdemokraten etwa in Stolberg 500 Mitglieder haben, können die Grünen in meiner Heimatstadt die Mitgliederversammlung in einer Telefonzelle abhalten”, formuliert der Landtagsabgeordnete zugespitzt.

Insgesamt sank die Mitgliederzahl bei den Christdemokraten zwischen Baesweiler und Monschau von 3844 Ende 2008 auf aktuell 3661, gleichwohl in diesem Zeitraum mehr als 200 neue Mitglieder in die Partei eintraten, die städteregional über 5000 Mitglieder zähle. „Die Leute wollen sich nicht mehr auf Dauer binden”, nennt Wirtz einen Grund für die rückläufige Entwicklung.

Und als Volkspartei mache man es überdies nicht allen recht, gebe es immer Streitfragen, an denen sich die Mitglieder reiben: „Während die einen beispielsweise den Abschied von der Wehrpflicht gut finden, wollen andere diesen Schritt nicht mitgehen. Aber wir müssen mit der Zeit gehen”, ist der Parteichef von der Notwendigkeit von Veränderungen überzeugt. Auch was innerparteiliche Strukturen betrifft. Und so gelte es künftig, „noch stärker den Willen der Basis zu artikulieren, um die Menschen wieder stärker an die Partei zu binden”. Daran werde derzeit gearbeitet.

Derweil sieht sich die SPD in einem Punkt als Vorreiter in der Region. „Wir haben in den vergangenen Jahren einen so extremen Verjüngungsprozess durchlaufen, wie ich es in 35 Jahren nicht erlebt habe”, spricht SPD-Geschäftsführer Theo Niewerth nicht nur mit Blick auf den Stolberger Kreisparteichef Martin Peters von einem „Generationswechsel”.

Der Unterbezirk Aachen-Stadt sei gar bundesweit der mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt. Dabei kämen die jungen Menschen nicht mehr wie früher wegen Personen wie Willy Brandt in die SPD. „Sie wollen mitmachen und auch inhaltlich arbeiten”, sagt Niewerth, der betont: „Die Talsohle liegt hinter uns.” Damit meint er die Zeit der Agenda-2010-Politik, die der SPD auch in der Region eine „leichte Delle” zugefügt und so manches Mitglied gekostet hat. Niewerth spricht von rund 200. Inzwischen habe sich die Partei wieder ein sozialpolitisches Profil gegeben - und die Zahl der Genossen habe sich bei rund 3500 Mitgliedern stabilisiert.

Stabile Mitgliederzahlen vermelden auch die Liberalen. Nachdem es 2009 vor den Kommunal- und Bundestagswahlen einen recht deutlichen Zuwachs von 180 auf etwa 220 Mitglieder gegeben habe, ist FDP-Chef Dr. Werner Pfeil froh, dass es derzeit in seinem Kreisverband kaum Austritte gibt, obwohl sich die Partei bundesweit im Tiefflug befindet.

Es kommen aber auch kaum neue Mitglieder dazu. „Schwer zu sagen, woran das liegt”, sagt er. Pfeil vermutet, dass ein Großteil der Neumitglieder ganz bewusst wegen der kommunalpolitischen Themen, für die die Liberalen in der Region stehen, in die Partei eingetreten war und deshalb bleibt. Und Sympathisanten warten vielleicht erstmal ab, was sich programmatisch tut.

Bei den Linken in der Städteregion gibt es dagegen viel Bewegung. Zwar lässt sich das nicht an der Mitgliederzahl festmachen, die liegt seit Monaten stabil um die 410. Allerdings, sagt Parteichef Darius Dunker: „Von den 250 Mitgliedern bei der Gründung vor drei Jahren sind 100 inzwischen wieder weg. Das heißt, es sind seitdem sehr viele neue Mitglieder dazu gekommen.” Viele von diesen seien vorher nie politisch aktiv gewesen, sagt er. Und nach wie vor sei der Kampf gegen Hartz IV das Hauptmotiv für viele, bei den Linken mitzumachen.
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