Städteregion - Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten im Land

Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten im Land

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
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Alt gleich pflegebedürftig? Von wegen! In der„Generation 60plus“ sind viele höchst aktiv. Dennoch muss die kommunale Infrastruktur der immer älter werdenden Gesellschaft angepasst werden. Foto: imago/epd

Städteregion. Die Alten werden „mehr, älter und vielfältiger“, die Familien „weniger und bunter“, die Jungen „weniger“: Auf diese Kurzformel bringt Antje Rüter vom städteregionalen Amt für Kultur und empirische Forschung das, was man gemeinhin unter dem Begriff „demografischer Wandel“ versteht.

Auf gut 500 Seiten beschreiben sie und ihre Kolleginnen Jessica Lerche, Sinja Mund und Nina Mika-Helfmeier, wie sich die Bevölkerungsstruktur in den zehn Kommunen der Städteregion bis zum Jahr 2030 verändern wird. Sie haben – aufbauend auf dem Demografie-Kompendium aus dem Jahr 2010 – Zahlen, Daten und Fakten zusammengetragen, analysiert und so aufbereitet, dass Politik, Verwaltung und Bürger vor Ort ihre Schlüsse ziehen und Handlungsstrategien für ihre jeweilige Kommune entwickeln können.

Das Thema demografischer Wandel ist eines, „das jeden von uns betrifft, und zwar ganz praktisch“, stellt Städteregionsrat Helmut Etschenberg fest. „Dass schon bald mehr Ältere als Jüngere in unserem Land leben, das stellt uns gesellschaftlich und ökonomisch vor gewaltige Herausforderungen.“ Die Städteregion weise eine der niedrigsten Geburtenraten in Nordrhein-Westfalen auf.

„Jede Generation ist damit rund ein Drittel kleiner als die vorherige. Das sind ein Drittel weniger Arbeitnehmer und Unternehmer von morgen, die dafür sorgen, dass die Renten gesichert sind“, beschreibt er eine Folge davon. Auswirkungen habe diese Entwicklung aber auch auf die Stadtplanung, den Wohnungsbau, die Bildungspolitik, die gesundheitliche Versorgung, den Freizeitbereich – kurz: Die gesamte kommunale Infrastruktur müsse den sich ändernden Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft angepasst werden, meint Etschenberg.

Zugleich müsse geschaut werden, wie junge Familien nicht nur in der Städteregion gehalten, sondern neue hinzugewonnen werden können. Das Demografie-Kompendium dient laut Etschenberg jetzt als Grundlage für intensive Diskussionen sowohl in den städteregionalen Fachämtern als auch in den Kommunen.

Dabei werden folgende Fakten sicher eine Rolle spielen: Bis zum Jahr 2030 wird die Einwohnerzahl der Städteregion um rund 10.000 sinken. In acht von zehn Kommunen sind im Jahr 2012 mehr Menschen gestorben als geboren wurden (Ausnahmen waren Baesweiler und Roetgen). Die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern ist seit 2005 um gut 6000 oder fast zehn Prozent zurückgegangen.

In weniger als der Hälfte der Familien wachsen zwei und mehr Kinder auf. Jede fünfte Familie ist eine Ein-Eltern-Familie. Die Zahl der Menschen über 60 Jahre steigt von 136.000 auf 190.000. Das heißt: Ist derzeit jeder vierte Einwohner über 60 Jahre alt, wird es dann jeder dritte sein, wobei sich die Zahl der „Hochaltrigen“ (85 und älter) fast verdoppeln wird auf 22.000.

Zugleich wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen weiter sinken, um 12.000 oder zwölf Prozent auf 130.000. Derzeit sind 17,4 Prozent der Einwohner der Städteregion unter 18 Jahre alt, wobei die Verteilung zwischen den Kommunen variiert von 15,2 Prozent in Aachen bis 21,1 Prozent in Baesweiler.

Die „Generation 60plus“ darf laut Antje Rüter keinesfalls nur unter dem Blickwinkel „alt gleich pflegebedürftig“ gesehen werden. Im Gegenteil: In dieser Generation schlummere ein großes Potenzial für gesellschaftliches Engagement. Viele „junge Alte“ seien höchst aktiv, vielen gehe es auch wirtschaftlich gut. Allerdings zeichne sich ab, dass die Altersarmut zunehmen werde. Und das Thema soziale Netzwerke außerhalb von Familie werde eine immer wichtigere Rolle spielen.

Das bestätigt Marion Wingen von der Stadt Alsdorf. In den Stadtteilkonferenzen, die Alsdorf im Anschluss an ein stadtweites Demografieforum organisiert hat, habe das Thema wohnortnahe Versorgung eine zentrale Rolle gespielt, ebenso das Thema altersgerechtes Wohnen. Nach und nach würden die Anregungen der Bürger nun von Politik und Verwaltung aufgegriffen. Dabei sei das Demografie-Kompendium der Städteregion sehr hilfreich, liefere es doch eine Datenbasis, die keine Stadt alleine erarbeiten könne.

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