Diagnose von Nahrungsmittelallergie bei Kindern ist wichtig

Von: ath
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Experten in Sachen Nahrungsmittelallergie: An unserem Lesertelefon stehen kommenden Mittwoch Dr. Veronika Becker (2.v.l.) und Dr. Claus Pfannenstiel (r.) Rede und Antwort. Sie arbeiten eng mit dem Kinderarzt Dr. Frank Friedrichs und Ernährungsberaterin Annette Schönfelder zusammen. Foto: Eisenmenger

Stolberg. Etwa fünf Prozent der Kinder in Deutschland leiden an einer Nahrungsmittelallergie. Bestimmte Lebensmittel wie Kuhmilch, Hühnerei oder Nüsse lösen bei ihnen nach dem Verzehr eine allergische Reaktion aus.

Die kann von Erbrechen und Durchfall über Hautreaktionen bis zum allergischen Schock (Anaphylaxie) mit Luftnot und Kreislaufversagen reichen. Besteht bei einem Kind der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, sollte dies gewissenhaft abgeklärt werden.

Eine exakte Diagnose ist wichtig, um dem Kind zum einen weitere, mitunter heftige Reaktionen zu ersparen. Denn was sich beim ersten Mal als Hausausschlag äußert, kann beim nächsten Mal durchaus auch Luftnot hervorrufen. Zum anderen aber auch, um unnötige Diäten zu vermeiden.

„Viele Eltern denken, dass ihr Kind bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt und lassen sie daher weg und enthalten ihnen so wichtige Nährstoffe vor“, erläutert Dr. Veronika Becker, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg. Gemeinsam mit ihren – wie sie auf Allergien im Kindesalter spezialisierten – niedergelassenen Kollegen der Kinderarztpraxis Laurensberg sowie einer Ernährungsberaterin kümmert sie sich speziell um Kinder mit Nahrungsmittelallergien.

Im Rahmen unserer Telefonaktion „Leser fragen – Ärzte antworten“ informieren sie und Dr. Claus Pfannenstiel von der Kinderarztpraxis Laurensberg am Mittwoch, 17. Juni, zu diesem Thema.

Die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie ist nicht einfach. „Den ultimativen Test gibt es da leider noch nicht“, bedauert die Fachärztin. Ein auffälliger Laborwert dürfe nicht vorschnell mit dem Vorliegen einer relevanten Nahrungsmittelallergie gleichgesetzt werden. Dazu dient ein eingehendes Gespräch mit den Eltern, wann und wie sich eine Reaktion zeigt. Bisweilen ist zusätzlich eine sogenannte orale Provokation erforderlich. Dabei wird dieses Nahrungsmittel unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus in steigender Dosis verabreicht, um eine Reaktion zu provozieren.

Häufig allergieauslösende Nahrungsmittel sind Kuhmilch, Hühnerei, Erdnüsse, Baumnüsse, Fisch, Soja oder Weizen. Bei Kleinkindern werde am häufigsten eine Allergie auf Kuhmilch oder Hühnerei festgestellt, die sich meistens bis zu Einschulung wieder verliere, sagt Dr. Becker. Pollenallergiker leiden häufig auch an milden allergischen Reaktionen auf Nüsse oder Kernobst, ergänzt sie. Dies äußere sich durch Beschwerden im Mund und Rachenraum. Selten träten bei Nussallergien ausgeprägte Sofortreaktionen auf.

Generell werden allergische Sofort- und Spätreaktionen unterschieden. Sofortreaktionen können ein rasch auftretender Nesselausschlag, eine Gesichtsschwellung, aber auch ein allergischer Schock sein. Eine typische Spätreaktion ist beispielsweise die Verschlechterung einer vorhandenen Neurodermitis. Insgesamt leiden etwa ein Drittel aller Kinder mit Neurodermitis auch an einer Nahrungsmittelallergie.

Ist ein Nahrungsmittel als Auslöser identifiziert, soll es zunächst konsequent gemieden werden, um keine weiteren Reaktionen auszulösen. „Eine Diagnose gilt aber nie für das ganze Leben, sondern es geht zunächst um ein bis zwei Jahre. Dann überprüfen wir, ob sich inzwischen eine Toleranz entwickelt hat“, erläutert Veronika Becker.

Dies geschieht ebenfalls über eine orale Provokation. Je nach Reaktion darf das Nahrungsmittel anschließend wieder gegessen oder sollte weiter gemieden werden. Wichtig für die betroffenen Familien ist eine gute fachliche Begleitung einschließlich einer qualifizierten Ernährungsberatung, um ihnen das Leben mit einer Nahrungsmittelallergie und den damit verbundenen Einschränkungen zu erleichtern.

Dr. Becker und Dr. Pfannenstiel stehen am Mittwoch, 17. Juni, zwischen 16 und 18 Uhr für Leserfragen rund ums Thema zur Verfügung. Die Aktionstelefonnummer geben wir am Tag selbst gesondert bekannt.

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