Deutsch-Intensivkurse: Experimente fördern den Spracherwerb

Von: Michael Grobusch
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Mit Spaß beim Lernen: Gisela Dellen leitet in der Stolberger Hermannschule die beiden Deutsch-Intensivkurse und sieht in dem „Haus der kleinen Forscher“ eine sehr gute Ergänzung. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Maike Kempen hatte es angekündigt: „In diesen Gruppen knistert es förmlich vor Lernbegeisterung.“ Kempen ist Fachberaterin für Deutsch als Zweitsprache und leitet darüber hinaus zwei von derzeit 14 Deutsch-Intensivkursen, die es an den Grundschulen in der Städteregion gibt.

Zwei Kurse bietet auch die Hermannschule in Stolberg an, und dort knisterte es am Montagnachmittag wieder gewaltig. „Wir haben ganz überwiegend sehr positive Erfahrungen mit den Kindern gemacht, die ohne Deutschkenntnisse und als Seiteneinsteiger zu uns kommen“, berichtete Renate Krickel. „Sie sind unheimlich ambitioniert, und die Eltern schenken uns ein sehr großes Vertrauen.“

In den Intensivkursen werden überwiegend Flüchtlingskinder, aber auch Kinder von EU-Zuwanderern, die kein Deutsch sprechen, auf den uneingeschränkten Besuch einer regulären Klasse vorbereitet. Bis zu 15 Stunden pro Woche und maximal ein halbes Jahr lang geschieht das an ausgewählten Standorten. Die übrige Zeit verbringen die Kinder an ihren Stammschulen.

„In den Intensivkursen geht es nicht um abstraktes grammatikalisches Wissen, im Vordergrund steht vielmehr das Hörverstehen und Sprechen“, beschreibt der städteregionale Bildungsdezernent Markus Terodde das didaktische Grundprinzip. „Die Kinder sollen einen altersangemessenen Wortschatz entwickeln.“

Sozialkompetenz

Das Konzept hat sich bewährt, darin sind sich Kempen, Krickel und Terodde einig. Das gelte umso mehr, seit es durch das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ ergänzt wird. Denn mit den damit verbundenen kindgerechten Experimenten werde nicht nur die naturwissenschaftliche Bildung gefördert, sondern auch die Sozial- und die Sprachkompetenz. „Durch das praktische Lernen treten die Kinder in einen gruppendynamischen Prozess ein. Da spielt Kommunikation eine große Rolle“, betont Maike Kempen.

Selbst sonst eher sprachscheue Kinder würden beim Experimentieren ihre Zurückhaltung ablegen, etwa wenn sich Wasser plötzlich blau färbt oder die Schrift unterschiedlich schimmert. „Das führt zu vielen tollen Momenten, auch für die Lehrkräfte“, schwärmt Kempen. Pro Grundschule und Schuljahr finden zwei Workshops statt. In diesen werden die Kinder von ihrer Intensivkurs-Lehrerin und einer Trainerin aus dem „Haus-der-kleinen-Forscher“-Netzwerk betreut.

Seit einem Jahr gibt es die Kombination von Deutsch-Intensivkursen und Experimentier-Workshops, und 2017 wird die zusätzliche Förderung fortgesetzt. Möglich macht das die gemeinnützige Stiftung „Bildungsengel“, die weiterhin die Finanzierung der Workshops sowie die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien und Lernsoftware übernehmen wird. „Wir sind eine Initiative für Chancengleichheit durch Bildung“, betont Prof. Dr. Detlef Müller-Böling.

„Bildung ist der Schlüssel für Wohlstand und auch für demokratische Teilhabe. Das gilt natürlich auch für Flüchtlinge“, begründet der Vorsitzende das Engagement der „Bildungsengel“. 127 Einrichtungen in der Städteregion – Kindertagesstätten und Grundschulen – haben davon im vergangenen Jahr profitiert. Erstmals wurden in dieser Zeit auch die Deutsch-Intensivkurse in das Projekt eingebunden.

Bürger sind gefragt

Dass die von der Stiftung zur Verfügung gestellten Mittel – bis dato rund 10 000 Euro in zwei Jahren – nicht von staatlichen Stellen aufgebracht worden sind, will Müller-Böling nicht kritisieren. „In Deutschland ist es üblich, immer zuerst nach dem Staat zu rufen. Doch es ist auch bürgerschaftliches Engagement nötig. Jeder von uns ist gefordert“, stellt der Vorsitzende insbesondere mit Blick auf die besonderen Herausforderungen fest, die sich durch die Aufnahme der vielen Flüchtlinge ergeben haben.

Renate Krickel kann das bestätigen – und davon berichten, wie erfolgreich das bürgerschaftliche Engagement im konkreten Fall ist. „Über das Tun und Handeln lernen die Kinder wesentlich intensiver. Wir können den Erfolg der kleinen Forscher tagtäglich bei unserer Arbeit feststellen.“

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