Der Schutz der Verbraucher ist oberstes Gebot

Von: Jutta Geese
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Ob Großküche, Imbissbude, Restaurant, Metzgerei oder Supermarkt: Die städteregionalen Lebensmittelkontrolleure haben alle im Blick. Untersucht werden die Proben dann in Hürth. Foto: imago/Olaf Döring
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Leitet das städteregionale Team der Lebensmittelkontrolleure: Dr. Ma-thias Boese. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Holzsplitter in der Pizza, eingebackene Tierchen im Brot oder Glasscherben in der Frikadelle finden sich nur ganz, ganz selten in den Proben, die die Lebensmittelkontrolleure der Städteregion bei ihren Besuchen in Restaurants und Imbissbuden, Bäckereien und Schulküchen, bei Lebensmittelimporteuren oder -händlern, an Marktständen oder in Metzgereien nehmen.

Keime oder Schimmelpilze kommen da schon öfter mal vor, noch häufiger aber Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht.

Rund 3000 Proben pro Jahr lassen sie im „Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rheinland AöR“ (CVUA) untersuchen. An dieser Anstalt öffentlichen Rechts ist die Städteregion qua Landesgesetz zu 5,83 Prozent beteiligt, hält Anteile im Wert von 17.500 Euro. Zahlen muss sie für die Untersuchungen von Lebensmitteln, aber auch Kosmetika oder Kleidung trotzdem. Mit rund einer Million Euro schlagen die pro Jahr zu Buche.

„Früher hatte im Prinzip jede Kommune ein eigenes Untersuchungsamt“, sagt Dr. Mathias Boese, Tierarzt und Arbeitsgruppenleiter Lebensmittelüberwachung im städteregionalen Amt für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen. Seit 2011 gibt es landesweit nur noch fünf „Untersuchungsanstalten“, darunter die CVUA Rheinland für den Regierungsbezirk Köln. Bislang hatte die ihren Sitz in Aachen am Blücherplatz, doch gerade läuft der Umzug in das neue gemeinsame Haus in Hürth. „An den fünf Standorten in NRW erfolgen jetzt die Basisuntersuchungen. Jeder Standort soll sich künftig zusätzlich auf einen Schwerpunkt spezialisieren. Das hat fachliche Gründe, etwa weil man für bestimmte Untersuchungen eine gewisse Zahl an Vergleichsproben benötigt, aber auch wirtschaftliche“, sagt Dr. Boese. So müssen beispielsweise teure Spezialapparaturen nicht mehr überall vorgehalten werden.

„Welche Proben gezogen werden, ist uns zu 80 Prozent durch die EU, den Bund und das Land vorgegeben“, sagt Dr. Boese. Die anderen 20 Prozent kann sein Team frei wählen. Dabei orientieren sich die Fachleute an eigenen Erfahrungswerten, aber auch an Hinweisen oder Beschwerden von Verbrauchern. Vorgeschrieben ist auch, wie viele Proben je Einwohner pro Jahr genommen werden müssen – fünf Lebensmittelproben je 1000 Einwohner plus 0,5 Proben je 1000 Einwohner von Kosmetika und „Bedarfsgegenständen“. Zu letzteren zählen beispielsweise Schmuck, Textilien oder auch Alugrillschalen. „Eigentlich alles, was mit der Haut oder mit Lebensmitteln in Berührung kommt“, erklärt Dr. Mathias Boese.

Rund 5000 Betriebsbesuche jährlich absolvieren die 14 städteregionalen Lebensmittelkontrolleure, zum Team von Dr. Boese gehören zudem ein weiterer Tierarzt, ein amtlicher Kontrollassistent und ein Auszubildender zum Lebensmittelkontrolleur. Aber sie nehmen nicht bei jedem Kontrollgang Proben mit. Denn zu den Aufgaben des Teams gehört es auch zu prüfen, ob die Hygienevorschriften eingehalten werden, und ob die Dokumente über die betriebliche Eigenkontrolle vollständig sind, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben in Sachen Hygiene geschult werden.

Wenn die Kontrolleure etwas beanstanden müssen, dann sind es am häufigsten Fehler bei der vorgeschriebenen Kennzeichnung von Lebensmitteln – mal fehlt die korrekte Bezeichnung, mal sind die enthaltenen Allergene nicht ordnungsgemäß aufgeführt, mal fehlt der korrekte Herkunftsnachweis. Es kommt auch vor, dass es ein Betrieb mit der Sauberkeit oder der Schädlingsbekämpfung nicht so genau nimmt. „Bei erheblichen Verstößen leiten wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein“, sagt Dr. Boese. Will heißen: Es droht eine Verwarnung oder ein Bußgeld. Und in ganz schweren Fällen kann sogar eine Betriebsstilllegung angeordnet werden.

Etwa 6000 Betriebe muss das Team von Dr. Mathias Boese überwachen, 5000 Kontrollen schafft es pro Jahr. Das heißt: Nicht jeder Betrieb wird jedes Jahr aufgesucht. „Muss aber auch nicht“ sagt der Fachmann. Für jeden Betrieb erfolgt eine sogenannte Risikobeurteilung, anhand derer die Kontrollintervalle festgelegt werden. Betriebe, die schon mal aufgefallen sind, oder solche, die mit leicht verderblichen Lebensmitteln umgehen, werden öfter kontrolliert als solche, „bei denen wir den Eindruck haben, dass sie alles im Griff haben“, erklärt Dr. Boese. Gibt es aber Verbraucherbeschwerden, wird dem in jedem Fall nachgegangen, versichert er. Schließlich ist das Ziel der Kontrollen der Schutz der Verbraucher.

Und die melden sich durchaus, wenn ihnen etwas nicht geheuer ist: Jeden Tag erhalten die Lebensmittelkontrolleure Hinweise aus der Bevölkerung über mangelnde Hygiene in Restaurants oder Supermärkten.

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