Der Grundstein ist gelegt: Ein Krankenhaus für die Zukunft

Von: Angela Delonge
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Eine große Sache: So wird das
Eine große Sache: So wird das MZ Städteregion am Standort Marienhöhe in Würselen aussehen, wenn der Neu- und der Umbau fertig sind. Gestern wurde der erst einmal der Grundstein gelegt, unter anderem von Geschäftsführer René Bostelaar und Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Visualisierung: TMK Architekten, Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. René A. Bostelaar backt nicht gerne kleine Brötchen. So ist die Grundsteinlegung des noch von seinem Vorgänger initiierten millionenschweren Krankenhausanbaus für ihn, den neuen Geschäftsführer des Medizinischen Zentrums (MZ) in Würselen, auch der „Anfang eines großen strategischen Vorhabens”.

Es geht um nichts weniger als die Zukunft, das macht er im Gespräch deutlich. Die Zukunft der Patientenversorgung in der Städteregion, die Zukunft des Hauses Marienhöhe, das vor zehn Jahren mit dem traditionsreichen Knappschaftskrankenhaus in Bardenberg fusionierte und nicht zuletzt um die Zukunft des Standorts. Und da müsse man mutig nach vorne schauen, findet Bostelaar. „Mit dem Neubau zementieren wir unseren Anspruch, die zweite Kraft in der Region zu sein”, sagt er selbstbewusst und setzt noch einen drauf: „Wir schlagen hier einen Pflock ein.”

Das kann man wohl sagen. Immerhin sollen bis Ende 2016 sollen 40 Millionen Euro in das zweitgrößte Krankenhaus in der Region investiert werden, der erste Bauabschnitt, mit dem jetzt begonnen wurde, schlägt allein mit 22,3 Millionen Euro zu Buche. Ohne Übertreibung handelt es sich um eines der größten Bauprojekte der letzten Jahre in der Region, zumal im Krankenhausbereich. Bezahlt wird das Ganze laut Bostelaar fast ausschließlich aus Eigenmitteln, Sparkassenkrediten und über die Baupauschale vom Land, die allerdings nur zwischen zwei und vier Millionen Euro ausfällt. „Zum Glück haben wir auch gespart”, sagt Bostelaar.

Den Anspruch der zweiten Kraft dürfte das MZ nach Fertigstellung des Neubaus Anfang 2014 mehr als je erfüllen. Acht Geschosse wird in die Höhe gebaut mit einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern, auf das Dach kommt ein Hubschrauberlandeplatz. Es wird 110 Betten mehr geben und ganz neue Strukturen, die „neue intelligente Ablaufprozesse” ermöglichen. Denn „gute Strukturen machen gute Medizin aus”, sagt Bostelaar, der gebürtige Holländer. Danach geht es mit der Renovierung des Altbaus los: Zug um Zug werden alle Zimmer zu Zweibettzimmern mit Bad umgebaut, in drei Phasen bis Ende 2016 - bei laufendem Betrieb, wie Bostelaar betont. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel und eine extreme Herausforderung für alle Mitarbeiter.”

Ist erst einmal alles fertig, können die Schwerpunkte des Krankenhauses noch effizienter als bisher gesetzt werden: In Marienhöhe sollen alle operativen Fächer konzentriert werden - Gynäkologie, Urologie, Chirurgie, Orthopädie und Unfallmedizin. „Wir werden ein Akutkrankenhaus”, sagt Bostelaar, „und den Notfallstandort ausbauen”. Für den Betriebsteil Bardenberg entwirft der Geschäftsführer ein mögliches Szenario mit den Abteilungen Innere Medizin, Geriatrie, Neurologie. Denkbar seien auch eine Tagesklinik, ein ambulantes OP-Zentrum, ein medizinisches Versorgungszentrum für niedergelassene Praxen.

„Der Neubau ist unsere Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten”, sagt Bostelaar. Und damit meint er auch die Personalkosten, die uns „in den nächsten Jahren davonlaufen werden. Mit den neuen großen Stationen können wir Personalentlassungen vermeiden und die Produktivität steigern.” Bostelaar ist sicher: „Am Gesundheitsstandort Würselen werden wir dauerhaft Top-Versorgung bieten können. Und die Patienten werden die Gewinner sein.”

René A. Bostelaar: Werdegang vom Krankenpfleger zum Geschäftsführer

René A. Bostelaar ist seit 1. April Geschäftsführer des Medizinischen Zentrums (MZ) der Städteregion in Würselen. Er hat damit die Nachfolge von Falko Rapp angetreten, der ans Stiftungsklinikum Mittelrhein in Koblenz wechselte.

Der 49-jährige Niederländer gilt als Neustrukturierer für Krankenhäuser. Vor allem im Bereich Case Management und Patienten-Service als strategische Instrumente für die Krankenhaus-Zukunft hat sich Bostelaar einen Namen gemacht und auch zwei Bücher darüber veröffentlicht.

Vor seinem Amtsantritt in Würselen war Bostelaar zweieinhalb Jahre Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Görlitz. Sein Wirken dort war zuletzt von erheblichen Verwerfungen getrübt, die in dem Vorwurf gipfelten, Bostelaar wolle in der Stadt einen „Krankenhauskrieg” anzetteln. Es kam zu einem Auflösungsvertrag.

René A. Bostelaar wurde in Middelburg (Zeeland) geboren, ist verheiratet, hat drei Söhne und absolvierte nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger ein Fachhochschulstudium zum Diplom-Pflegemanager.

Patienten-Service und Case Manager

Das Konzept des Patientenservice hat René Bostelaar als Pflegedirektor und Mitglied des Vorstands an der Uniklinik Köln umgesetzt. Nach einer zweijährigen Pilotphase ist das Modell dort seit 2008 fest in die Organisationsstruktur verankert.

Laut Bostelaar handelt es sich dabei um einen „Kunstgriff”, um den hoch qualifizierten Pflegepersonal mehr Luft für die eigentliche Arbeit zu geben: „Die sollen nicht die Betten machen.”

Bei den Servicehelfern handelt es sich vor allem um umgeschulte Kräfte, die zum Beispiel auch den Wegfall der Zivildienstleistenden auffangen, bei Case Managern um Pflegekräfte, die Ärzte vor allem im organisatorischen Bereich entlasten.

Insgesamt geht es bei dem Konzept, das auch in Würselen umgesetzt wird, um eine Arbeitsentlastung von oben nach unten.

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