Das Tauziehen um den Würselener Wall dauert an

Von: Gerald Eimer
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Sieht noch trist aus, soll aber hochwertig bebaut werden: Die Stadt widerspricht Gerüchten, wonach die Bau­interessenten am Würselener Wall wieder abgesprungen seien. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bloß keine falschen Hoffnungen wecken! „Es muss sich kein Interessent mehr melden“, heißt es bei den städtischen Immobilienmanagern über das Baugebiet „Alter Tivoli“. 45 der 56 Wohnbaugrundstücke sind vermarktet, sagt Fachbereichsleiter Edmund Feiter. Für die übrigen stehen die Bewerber Schlange. Und das gelte auch für die vier Hanggrundstücke am ehemaligen Würselener Wall.

Um sie gibt es derzeit die meisten Gerüchte, denn sie gelten als besonders problematisch. „Exklusives Wohnen“ hat die Stadt an der Stelle vorgesehen, wo einst die hartgesottensten Alemannia-Fans ihre Mannschaft antrieben. Die legendäre Stehtribüne ist längst Geschichte, geblieben sind die darunterliegenden alten Aufschüttungen.

Vier Grundstücke, jedes einzelne mindestens 600 Quadratmeter groß, hat die Stadt dort parzelliert: Genug Platz für dreigeschossige hochwertige Wohnhäuser, die sich am Hang nach oben ziehen. Im Rücken der Häuser soll sich dereinst eine kleine Grünanlage erstrecken. Klingt verlockend, und doch hieß es zuletzt, dass alle Interessenten wieder abgesprungen seien. Der Grund: Die Stadt verlange dort Preise jenseits von Gut und Böse.

Feiter gibt sich derweil gelassen: Abgesprungen sei niemand, für alle vier Grundstücke gebe es ernsthafte Interessenten, versichert er. Dass anderslautende Gerüchte gestreut würden, habe vermutlich den Grund, die Preise drücken zu wollen. Denn in der Tat muss man dort etwas tiefer in die Tasche greifen, was insbesondere auf die schwierigen Boden- und Geländeverhältnisse zurückzuführen ist.

Der Würselener Wall besteht überwiegend aus Kriegsschutt, daher ist der Boden einerseits belastet und andererseits nicht tragfähig. Wer dort ein Haus bauen will, muss daher nicht nur mindestens 250.000 Euro für ein Grundstück bezahlen, sondern auch noch weitere Kosten für die Pfahlgründung und den Abtransport des Bodens einplanen. Schnell kommen 400.000 Euro zusammen, bevor überhaupt der Hausbau beginnen kann. Und auch der ist in Terrassenbauweise durchaus teurer als üblich. Bis zu eine Million Euro könnten am Ende je nach Ausstattung schnell zusammenkommen, glaubt auch Feiter. „Man muss die Leute finden, die das bezahlen können“, sagt er. Scheitern aber werde das Vorhaben nicht. „Wir suchen nach Lösungen, die das Bauen nicht unendlich teuer machen“, versichert er. Eine denkbare Variante: Den Bodenaushub könnte man noch am Wall abschütten, statt ihn zur Deponie zu bringen.

Bauherren könnten damit einige 10.000 Euro sparen. Verzögert wird dadurch aber die Fertigstellung der Grünanlage. Denn erst wenn die Rohbauten stehen, könnte Mutterboden aufgeschüttet und mit der Bepflanzung begonnen werden.

Einige Probleme müssen also schon noch ausgeräumt werden, doch insgesamt liege man am „Alten Tivoli“ trotz aller Widrigkeiten – zu denen etwa auch der Verdacht gehörte, bei der Vermarktung einiger Häuser gegen das Koppelungsverbot verstoßen zu haben – gut im Zeitplan, zeigen sich die Immobilienmanager zuversichtlich. Und das gilt auch für die gewerblichen Grundstücke.

So soll Anfang Mai der erste Spatenstich für den neuen St.-Gobain-Bau an der Krefelder Straße getätigt werden. Das neue Trianel-Gebäude ist nahezu bezugsfertig, der Hit-Markt samt neuer Kita hat vor kurzem eröffnet. Einzig die Pläne für ein neues Vier-Sterne-Hotel an der Ecke Merowingerstraße kommen vorerst nicht wie erhofft voran.

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