Das neue Weiterbildungskolleg: Die Umzugskisten sind schon gepackt

Von: Jutta Geese
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Noch besuchen sie zwei getrennte Schulen, ab August gemeinsam das neue Weiterbildungskolleg der Städteregion (WBK): Samantha van der Veer, Studierendenvertreterin des Euregio-Kollegs in Würselen, dem Standort des neuen Kollegs, und die Studierendenvertreter des Abendgymnasiums Aachen, Fenya Nagel und Andre Bohn (v.l.). Die beiden Aachener sind auch vom begrünten Pausenhof des Kollegs angetan. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Ganz so reibungslos, wie es sich die Beteiligten gewünscht hatten, läuft es dann doch nicht: Bis vor ein paar Tagen hatten die Lehrerinnen und Lehrer des Euregio-Kollegs in Würselen zwar eine Kündigung ihres bisherigen Arbeitgebers in Händen, aber noch keinen Vertrag mit dem neuen Arbeitgeber.

Eine private und eine öffentliche Schule zu fusionieren, ist wohl doch nicht so einfach. „Es hat einige Irritationen gegeben“, sagt Martin Sayer dazu. Er ist Leiter des bisher von dem Verein Weiterbildungskolleg getragenen Euregio-Kollegs in Würselen. Dieses wird zum neuen Schuljahr mit dem von der Städteregion getragenen Abendgymnasium Aachen zusammengeführt zum „Weiterbildungskolleg der Städteregion Aachen – Abendgymnasium und Kolleg“, kurz: WBK.

Fast alle Lehrkräfte bleiben

Der Umzug des Abendgymnasiums ist in vollem Gang, die ersten Kisten sind schon in Würselen. Inzwischen dürften auch alle, die im neuen Kolleg unterrichten wollten, ihren Vertrag von der Bezirksregierung erhalten haben. Nur wenige werden gehen, darunter auch Martin Sayer, der in den vorzeitigen Ruhestand tritt („Ich will nicht verhehlen, dass ich vor einem halben Jahr noch anders gedacht habe. Aber man braucht das Vertrauen des Dienstherrn, und das sehe ich nicht unbedingt gegeben.“).

Dass fast alle Lehrkräfte bleiben, auch der kommissarische Leiter des Abendgymnasiums Matthias Herrmann, haben die Studierenden des Abendgymnasiums und des Euregiokollegs mit Erleichterung aufgenommen. „Das war die größte Sorge: Haben wir nach den Sommerferien noch unsere Kursleiter?“, sagt Samantha van der Veer, Studierendenvertreterin des Euregio-Kollegs. Bei den Abendgymnasiasten war das nicht anders, bestätigt deren Sprecherin Fenya Nagel.

Die beiden Studierendenvertretungen waren von Anfang an in den Fusionsprozess einbezogen, nahmen auch an den Treffen der Steuerungsgruppe teil und lenkten das Augenmerk von Verwaltung und Schulleitungen auf die Probleme der Studierenden. „Für uns vom Euregio-Kolleg ändert sich eigentlich nichts“, sagt van der Veer. Sie bleiben in ihrem Gebäude – und werden die neuen Mitstudierenden kaum zu Gesicht bekommen. Denn die kommen erst um 18 Uhr, wenn sie schon wieder zu Hause sind. Der Unterricht am Tag endet kurz nach 15 Uhr.

„Für uns vom Abendgymnasium ändert sich viel“, sagt Nagel. „Wir müssen ab August nach Würselen statt nach Aachen-Laurensberg fahren.“ Und das bedeute für einige mehr Stress – und mehr Kosten. Beispielsweise für das Busticket: Wer von Aachen nach Würselen fährt und zurück, muss deutlich mehr zahlen, als wenn er innerhalb des Aachener Stadtgebietes unterwegs ist. „Das macht 60 bis 70 Euro im Monat aus“, erklärt Andre Bohn von der Studierendenvertretung des Abendgymnasium.

Das ist ein dicker Batzen, wenn man von Bafög lebt oder nur wenig verdient. Ein Schüler- oder Jobticket aber gebe es für die Abendgymnasiasten nicht, weil sie in keine Gruppe richtig passen, sagt Fenya Nagel. „Wir führen noch Gespräche mit der Aseag darüber.“

Auf diejenigen, die das Abendgymnasium schon im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr besuchen, kommen fürs Busticket übrigens keine Mehrkosten zu: Die Städteregion wird die Differenz übernehmen, erklärt der zuständige Dezernent Gregor Jansen. Diejenigen, die neu anfangen, erhalten keine Unterstützung. „Die wissen ja von Anfang an, was auf sie zukommt.“

Zusatzbus zum Schulschluss

Sorgen, dass sie abends nicht mehr mit dem Bus wegkommen, müssen sich die Abendgymnasiasten auch nicht machen. „In Gesprächen mit dem Aachener Verkehrsverbund haben wir geklärt, dass es wie jetzt in Aachen einen zusätzlichen Bus zum Unterrichtsende geben wird“, erklärt Nico Kosanke vom städteregionalen Schulamt. So werde sichergestellt, dass die Studierenden Umsteigemöglichkeiten Richtung Aachen erreichen beziehungsweise bis Kohlscheid-Bahnhof fahren können. Ein Dankeschön gelte den Städten Würselen und Herzogenrath, denn die übernähmen die Mehrkosten für den Zusatzbus, hebt Jansen hervor.

Alle Beteiligten sehen dem neuen Schuljahr gespannt entgegen. Und alle sind sich einig, dass der „zweite Bildungsweg“, auf dem Erwachsene nach einer Ausbildung oder neben ihrer Berufstätigkeit das Abitur machen können, nur durch diese Fusion erhalten bleiben kann und dass sie auf einem guten Weg sind. Und alle hoffen, dass die Abstimmung der Unterrichtsinhalte zwischen den beiden Schulformen mehr Flexibilität und Wahlmöglichkeiten für die knapp 600 Studierenden bringen wird. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird die Zukunft zeigen.

Apropos Zukunft: Das Logo des WBK weist laut Dezernent Jansen darauf hin, dass 2022 ein dritter Strang hinzukommen wird, die Abendrealschule. Wie genau das vonstatten gehen soll, ist allerdings noch offen.

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