„Das geht!“: Von politischem Desinteresse der Jugend keine Spur

Von: Michael Grobusch
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Per Los wurde entschieden, welche Kandidaten auf welche Frage antworten sollten. Sina Jansen und Moderator Florian Weyand vom Bildungsbüro der Städteregion führten souverän durch das Programm. Foto: M. Grobusch

Städteregion. Kurz vor Schluss wurde es dann doch noch richtig kontrovers. Als sich Jonas Paul (Grüne) und Bernd Reichert (AfD) zum Thema Umweltschutz positionieren sollten, gingen die Meinungen weit auseinander. Doch auch wenn dieser Teil der Veranstaltung den Namen „Arena“ trug, waren die Protagonisten von Kampfhandlungen weit entfernt.

Stattdessen ging es ruhig, sachlich und fair im Saal der Aachener Kurpark-Terrassen zu, wo der Auftakt der Veranstaltungsserie „Das geht!“ zur Landtagswahl am 14. Mai stattfand. Dies war durchaus im Sinne der mehr als 100 Gäste, die der Einladung der Koordinationsstelle Jugendpartizipation im Bildungsbüro der Städteregion gefolgt waren. Denn auf das aus vielen Talkshows leidlich bekannte Gezeter hatten sie wahrlich keine Lust.

„Die Politiker sollen nicht untereinander, sondern mit den Jugendlichen diskutieren“, hatte Moderator Florian Weyand das Prinzip auf dem Podium erläutert. Und das funktionierte sehr gut, was auch daran lag, dass die Organisatoren ein interessantes Format gewählt hatten: Sie losten aus dem Kreis der Kandidaten verschiedene Paare aus, die auf vorbereitete Fragen aus drei Themenbereichen antworten und anschließend jeweils kurz auf die Ausführungen ihres Gegenübers eingehen sollten. Dabei lag die Würze in der Kürze: Nach 30 Sekunden nahm Weyand das Mikrofon wieder an sich.

„Hochschulpoltik“, „Innere Sicherheit“ und „Verschiedenes“ lauteten die Überschriften der drei Blöcke, zu denen jeweils vier vorab bekannt gegebene Fragen gestellt wurden. Die Kandidaten präsentierten sich bestens vorbereitet und entsprechend souverän. Doch auch bei den anschließenden Fragen aus dem Publikum gingen den Politikerinnen und Politikern nicht die Argumente und Worte aus. Das kam gut an, vielfach gab es Zwischenapplaus.

Ob die Jungwähler für ihren in viele Fällen ersten Urnengang auf Landesebene tatsächlich den entscheidenden Impuls erhalten haben, darf jedoch angezweifelt werden. Zu groß war in vielen Fällen die inhaltliche Schnittmenge, zu selten gab es Alleinstellungsmerkmale in den Ausführungen. Ein Ziel aber wurde zweifellos erreicht: „Wir wollten, dass sich Jugendliche nicht nur mit der Landtagswahl beschäftigen, sondern ins direkte Gespräch mit den Kandidaten kommen können“, erklärte Barbara Wennmacher vom Bildungsbüro.

Auch die Teilnehmerzahl kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Schließlich hatte sich die Städteregion gegenüber vorherigen Wahlen zu einer wesentlichen Änderung entschlossen: Erstmals fand eine „Das geht“-Veranstaltung am Nachmittag und damit außerhalb der Schulzeit statt. Anwesenheitspflicht im Rahmen des Unterrichtes gab es somit diesmal nicht. Stattdessen bot sich Auszubildenden und Studenten eine bessere Möglichkeit zur Teilnahme. „Das ist ein Experiment“, gab Wennmacher zu bedenken. Ein Resümee soll nach der dritten und letzten Auflage der Veranstaltung, die am 10. Mai in Stolberg stattfindet, gezogen werden.

Mit dem Gerücht, dass sich junge Menschen nicht für Politik und Gesellschaft interessieren, wurde in den Kurpark-Terrassen aufgeräumt. Und dass es sich dabei nicht um ein einmaliges Phänomen handelt, auf diese Feststellung legte Christoph Schlangenhof großen Wert. Der „Koordinator für demokratische Schulentwicklung“ am Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg hatte mit seinem Vortrag den Podiumsteil eingeleitet und nicht mit Lob gespart.

Zwar seien nur acht Prozent der Parteimitglieder in Deutschland unter 30 Jahren. „Das heißt aber nicht, dass Jugendliche sich nicht sozial engagieren.“ Das Gegenteil sei der Fall: „Jugendliches Engagement ist extrem ausgeprägt.“ Für Schlangenhof steht fest: „Jugend und Demokratie passen hervorragend zusammen.“ Oder anders ausgedrückt: Jugend und Demokratie: Das geht!

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