Städteregion - Das Andenken an ein Stück verlorene Heimat bewahren

Das Andenken an ein Stück verlorene Heimat bewahren

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Preisträger und Gratulanten: (v.l.) Bundestagsabgeordneter Helmut Brandt, Franz Wings, Laudatorin Karin Schmitt-Promny, Josef Stiel, Prof. Dr. Karl Pütz, Karl-Peter Schröder sowie Nicole Susanne Weiden-Luffy, Mitglied Landschaftsversammlung, und Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Foto: Uwe Weiser/LVR

Städteregion. Seit 40 Jahren verleiht der Landschaftsverband Rheinland Menschen, die sich durch besonderes ehrenamtliches Engagement im Naturschutz, in der Förderung des Zusammenlebens oder in der Heimat- und Kulturpflege ausgezeichnet haben, den Rheinlandtaler als Zeichen der Anerkennung. Gleich vier Männer wurden jetzt bei einer Feier im Alsdorfer Energeticon mit dem Rheinlandtaler geehrt.

Das Energeticon sei ein Ort, der wie kaum ein anderer in der Region mit dem Thema Ehrenamt verbunden sei, sagte Karin Schmitt-Promny, Mitglied der Landschaftsversammlung und des Landtages, in ihrer Laudation. „Denn dieses repräsentative Fördermaschinenhaus der ehemaligen Zeche Anna II ist Beispiel dafür, wie nachhaltig ehrenamtliche Aktivitäten wirken.“

Mit hohem Einsatz seiner Mitglieder habe ein Verein dazu beigetragen, dass nach dem Ende der Kohleförderung in Alsdorf im Jahr 1992 wichtige bauliche Zeugnisse der Bergbaugeschichte erhalten und einer neuen, angemessenen Nutzung zugeführt worden seien.

Traurige Aufgabe

„An dieser positiven Entwicklung hatte Karl-Peter Schröder einen ganz wesentlichen Anteil“ erklärte Schmitt-Promny. „Geboren 1938 in Alsdorf, war er von Jugend an eng mit dem heimischen Bergbau verbunden, und zwar beruflich ebenso wie im Ehrenamt.“ 1956 begann Schröder beim Eschweiler Bergwerksverein in Kohlscheid eine Lehre als Maschinenschlosser, qualifizierte sich weiter und war später als Leiter der Gruppe Fördertechnik in der Hauptverwaltung des EBV tätig.

„Als die Kohleförderung im Jahr 1992 zu Ende ging, war Karl-Peter Schröder an der traurigen Aufgabe der Restabwicklung des lokalen Bergbaus beteiligt, bis er 1994 in den verdienten Vorruhestand ging“ sagte Schmitt-Promny. Der Bergbau hat auch Schröders ehrenamtliche Aktivitäten geprägt. So gehörte er 1986 zu den Gründungsmitgliedern des Bergbauvereins Wurmrevier, der heute unter dem Namen Bergbaumuseum Grube Anna e.V. firmiert. Er ist seit Mitte der 1990er Jahre Mitglied des erweiterten Vereinsvorstands.

Von 1991 bis 1997 war er Mitglied im Arbeitskreis „Eisenbahn“, und von 1998 bis 2003 engagierte er sich im Arbeitskreis „Anna-Heft“, der Zeitschrift des Vereins. Von 2001 bis 2007 organisierte er die Kammermusikalischen Konzerte im Fördermaschinenhaus sowie von 2005 bis 2009 die Phönix-Konzerte.

„Mit ganz besonderer Intensität“, so Schmitt-Promny, hat sich Schröder dem Projekt „Barbara-Kapelle“ gewidmet und mit anderen dafür gesorgt, dass die lange Zeit auf der „Grube Anna“ unter Tage aufgestellte Statue der heiligen Barbara – der Schutzpatronin der Bergleute – einen würdigen Platz in der neu errichteten Kapelle gefunden hat.

Um Bewahrung von Werten für kommende Generationen gehe es auch dem Autorenteam Josef Stiel und Prof. Karl Pütz. Sie erhalten den Rheinlandtaler laut Schmitt-Promny vor allem für ihre dreibändige Darstellung der Alltagswelt der 1950er und 1960er Jahre, die zwischen 2003 und 2012 unter dem einprägsamen Reihentitel „Früher war alles viel besser… ?“ publiziert wurde und auf große Resonanz stieß.

Der 1944 geborene Josef Stiel verbrachte seine Kindheit und Jugend in Düren-Arnoldsweiler. Er studierte an der Kölner Uni Germanistik und Geschichte. Seit 1973 war er als Lehrer tätig, seit 1978 am Berufskolleg in Eschweiler. 2010 ging Stiel in Pension. Stiel war und ist politisch in der Region sehr aktiv, unter anderem war er lange Kreistagsmitglied für die SPD und deren Fraktionsvorsitzender.

Prof. Karl Pütz ist 1956 in Mechernich in der Eifel geboren. Er studierte an der Hochschule in Aachen, promovierte dort und engagiert sich im von ihm mitbegründeten Europäischen Zentrum für Integrationsforschung mit Sitz in Aachen.

Zu ihrem gemeinsamen Buchprojekt kamen die beiden durch Gespräche, die sie als Kollegen am Berufskolleg in Eschweiler führten. Dabei stellten sie fest, dass es ungemein spannend sein kann, sich intensiv mit alltäglichen Dingen in der Region zu beschäftigen. So entstand der erste Band der Reihe, der den „Alltag im ländlichen Raum während der Nachkriegszeit“ betrachtete. Der zweite Band befasste sich vor allem mit dem Schulalltag in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, während der 2012 erschienene dritte Band mit dem Untertitel „Als Sex noch eine Sünde war“ sich auf die Spur der privaten Befindlichkeit dieser Zeit machte.

„Es ist den Autoren in beeindruckender Weise gelungen, eine Reise in die Alltagswelt der sogenannten Adenauer-Zeit zu unternehmen“, lobte Schmitt-Promny. Viele Details der Lebensweise und Wertvorstellungen vergangener Jahrzehnte würden einfach verloren gehen, wenn sie nicht von Menschen wie Stiel und Pütz festgehalten würden.

Betrieb abgebaggert

Auch der vierte Preisträger, Franz Wings, bewahre im besonderen Maße das Andenken an ein Stück verlorene Heimat. Wings ist im Ort Langendorf bei Eschweiler aufgewachsen, die Familie hatte dort einen Bauernhof. Wings wurde Landwirt, dann rückte in den 1960er Jahren der Braunkohletagebau näher, und schließlich wurde die Gemeinde Lohn mit Langendorf und dem elterlichen Betrieb abgebaggert.

Die Familie gab die Landwirtschaft auf, Wings wurde Zollbeamter. „Ein besonders wichtiges Anliegen war Ihnen, an die abgebaggerten Dörfer der Gemeinde Lohn zu erinnern“, sagte Schmitt-Promny. „Mit einigen Mitstreitern verfolgten Sie die Idee, nach der Verfüllung des Tagebaus exakt an der Stelle der Kirche St. Silvester eine Gedächtniskapelle zu errichten.“

Sie sammelten Geld, verhandelten unermüdlich mit etlichen Behörden – und im Jahr 2003 stand die Kapelle, die seither von dem von Wings mitgegründeten Verein unterhalten wird. Sie ist Teil des 15 Kilometer langen historischen Pfades rund um den Blausteinsee, an dessen Entwicklung Wings ebenfalls maßgeblich beteiligt war und den er bis heute pflegt.

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