Cobra übernimmt die Leitstelle

Von: Udo Kals und Werner Czempas
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Glänzende Fassade im Sonnenli
Glänzende Fassade im Sonnenlicht: Neben der alten Aachener Feuerwache an der Stolberger Straße (links) ist in den vergangenen Monaten das Gebäude entstanden, in dem die städteregionale Leitstelle untergebracht wird. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Kobra, übernehmen Sie”: Was in den 60er und 70er Jahren in der gleichnamigen TV-Serie der Marschbefehl für US-Geheimagenten war, gilt in Zukunft für die neue 112-Notruf-Leitstelle der Städteregion.

Das Aachener Unternehmen ISE hat die Ausschreibung gewonnen und wird nach Abschluss des offiziellen Vergabeverfahrens ihre Cobra-Leitstellentechnik in der Wache an der Stolberger Straße installieren. Worüber sich ISE-Geschäftsführer Peter Velroyen freut: „Seit mehr als 20 Jahren sind wir im Geschäft, und auf dem Weg zur Arbeit fahre ich praktisch täglich an der Aachener Wache vorbei. Dass wir jetzt die neue Leitstelle an unserem Heimat-Standort mit unserem Know-how ausrüsten dürfen, ist für uns ein richtiges Renommee-Projekt.”

Viele Kunden in der Region

Ihr Wissen haben die Anbieter von Leitstellen-Software, die neben Aachen bundesweit fünf Standorte unterhalten, schon an zahlreiche Kunden in Deutschland verkauft, etwa als Vertragspartner des Deutschen Roten Kreuzes. Auch die Nachbarkreise Düren, Heinsberg und Euskirchen, die derzeit noch aktive Leitstelle des Altkreises Aachen in Simmerath sowie die Städte Eschweiler und Stolberg mit ihren jeweiligen Zentralen sind ISE-Kunden. Dabei betont Velroyen, dass eine einheitliche Kommunikationstechnik „gerade an Rändern der jeweiligen Zuständigkeitsbereiche für die Bürger extreme Vorteile” habe. So könnten die Rechner in den Leitstellen schneller miteinander kommunizieren und ein eventueller Bedarf von Rettungsfahrzeugen über Kreisgrenzen hinweg rascher behoben werden.

Während der rund sechs Millionen Euro teure Neubau an der Stolberger Straße nach dem Richtfest im vergangenen Oktober planmäßig im Februar bezugsfertig und die Technik in der Folge installiert werden soll, wird immer deutlicher, dass nicht alle Städte die eingehenden 112-Notrufe über die neue Leitstelle abwickeln werden. Schalten Baesweiler, Herzogenrath, Monschau, Roetgen, Simmerath, Würselen und die Städteregion im Laufe des Jahres von Simmerath auf die Leitstelle in Aachen um, wollen Alsdorf, Eschweiler und Stolberg ihren Sonderweg nicht aufgeben und weiterhin ihre eigene Zentrale fahren.

„Zwar werden wir das Thema nochmals in der Bürgermeister-Konferenz besprechen. Doch nach den letzten Gesprächen kann ich mir nicht vorstellen, dass wir unseren Notruf aufschalten”, sagt Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram. Seitens der Stadt Aachen, die für den Neubau und die Leitstelle verantwortlich ist, vermisst er Kooperationsbereitschaft. „Bis heute ist mir noch nicht klargemacht worden, welche Vorteile eine Aufschaltung bringen sollte”, bemängelt er: „Ein Miteinander kann ich nicht feststellen.”

Anders sieht es der Aachener Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Alle Versuche, in vielen Gesprächen und kleinen Arbeitsrunden und selbst mit Gutachten die Vorteile einer gemeinsamen städteregionalen Leitstelle herauszustellen und die angeblichen Nachteile für Eschweiler, Stolberg und Alsdorf zu entkräften, seien gescheitert, sagte er in der jüngsten Sitzung des Aachener Fachausschusses. Die Fronten sind verhärtet, die Atmosphäre bleibt empfindlich gestört.

Das empfindet auch Marlis Cremer so. Zwar hält die Leiterin des städteregionalen Amtes für Rettungswesen Wolff zugute, dass die dezentralen Strukturen im Altkreis mit sehr selbstständigen Wehrführern in den Kommunen völlig anders seien als die in Aachen. Doch bislang sei „die Kommunikation nicht auf Augenhöhe” erfolgt. „Eine Verbesserung der Gesprächskultur wäre zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung”, sagt Cremer.

Zugleich bedauert sie die Entscheidung der drei Kommunen. Zwar werde es dadurch für die anderen „keine signifikanten Mehrkosten” geben. Doch „das Aufschalten aller Notrufe wäre sachgerecht, es gibt viele gute Gründe dafür”, sagt sie und weiß: „Die Weigerung ist rechtens.” Doch Cremer hofft dann doch, dass Cobra irgendwann den Einsatz für alle Kommunen übernehmen wird.
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