Chemieunfälle: 100 Wehrleute proben realitätsnah den Ernstfall

Von: Volker Rütters
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Ernstfall geprobt: Beim zweiten sogenannten CBRN-Tag in Eschweiler wurden chemische oder nukleare Katastrophenszenarien nachgestellt. Foto: Volker Rütters

Städteregion. Unfall mit einem Gefahrgut-Transport in der Euregio, es ist literweise ätzende Flüssigkeit ausgetreten. Innerhalb von wenigen Minuten sind Feuerwehren aus Aachen und Belgien vor Ort, bauen ihre mobilen Dekontaminierungseinheiten auf, bergen Verletzte, analysieren zeitgleich die ausgelaufenen Stoffe und befreien Menschen wie Umgebung von giftigen Chemikalien.

Das Szenario, das wie aus einem Katastrophenfilm wirkt, ist keinesfalls eine Ausnahme in der Aachener Grenzregion, sondern Routine für die meist ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Aus diesem Grund fand der zweite CBRN-Tag am Weisweiler Kraftwerk erneut großen Zuspruch unter den Fachkräften aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Fast 100 Feuerwehrleute informierten sich über die aktuellen Dekontaminierungskonzepte von Bund und Land, darunter auch die neuen Systeme der Bundespolizei, die nun in der Lage ist, ihre Einsatzkräfte im Falle eines Gefahrguteinsatzes selbst zu behandeln und dementsprechend keine Ressourcen für die Zivilbevölkerung blockiert und speziellen, einsatzbedingten Kontaminierungen individuell begegnen kann.

Mobiles Labor

Während Dr. Roman Trebbe vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie Helmut Probst als Inspekteur für Bevölkerungs- und Feuerschutz die Dekontaminierungssysteme des Bundes und Nordrhein-Westfalens vorstellten, erläuterten Dr. Thomas Baltus vom Deutschen Roten Kreuz und Polizeihauptkommissar Guido Börnig von der Bundespolizei aus St. Augustin die erforderlichen Maßnahmen im Falle eines CBRN (chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear)-Unfalls aus ihrer Sicht.

Nach der Theorie konnten sich die CBRN-Spezialisten dann ein eigenes Bild der verschiedenen Systeme machen, angefangen beim ABC-Einsatzwagen mit mobilem Labor über das Duschen von Unfallopfern bis hin zur medizinischen Versorgung. Während die Städteregion zurzeit zwei der insgesamt 54 Systeme in NRW vorhält, kann Belgien auf sieben Systeme zurückgreifen.

Auf Einladung von Kreisbrandmeister Bernd Hollands stellten auch die belgische Protection Civile sowie die Brandweer Zuid-Limburg ihre Techniken vor, die sich allerdings kaum von den Dekontaminierungs-Systemen der deutschen Feuerwehr unterscheiden. Ziel hierbei ist vor allem die Verbesserung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Euregio bei der Verhinderung der Verschleppung von Giftstoffen. Die größte Herausforderung stellen hierbei biologische Verunreinigungen wie beim Legionellen-Einsatz vor wenigen Wochen in Warstein dar, da diese weder zur sehen noch zu riechen sind und oft erst verzögert bemerkt werden.

„Bei der 35 Stunden umfassenden Grundausbildung dürfen wir neben allem Technisch-Fachlichen allerdings nicht die psychologische Komponente vergessen“, wies Harald Pütz, Wehrleiter der Eschweiler Feuerwehr, auf die enorme Belastung hin, in einem Schutzanzug Opfern eines Chemieunfalls zu begegnen und sich selbst dabei in Gefahr zu begeben. Ein Einsatz, der zum größten Teil immerhin von Ehrenamtlern geleistet wird, die jedoch eine umfangreiche und fundierte Ausbildung erhalten.

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