Caritas: Die Arbeit als Schlüssel zur Gesellschaft

Von: Michael Grobusch
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Die Konfektionierung – hier am Hauptstandort an der Aachener Straße in Eschweiler – ist eine von 20 Arbeitsbereichen, die die CBW in ihren acht Weken anbietet. Foto: Michael Grobusch
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Vor der Aufnahme wird bei einer umfangreichen Profilanalyse ermittelt, welche Arbeitsfelder für den zukünftigen beschäftigten infrage kommen. Foto: Grobusch

Städteregion. Über allem steht das eine Ziel: „Wir möchten Menschen mit Handicap eine Teilhabe am Arbeitsleben und damit an der Gesellschaft ermöglichen“, betont Fredi Gärtner. Und wenn der Leiter der Sozialen Dienstes das so sagt, dann hat er die derzeit rund 1230 Frauen und Männer mit einer geistigen oder psychischen Behinderung im Blick, die die Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW) beschäftigt.

In ihren acht Werkstätten an sechs Standorten in der Städteregion werden sie betreut und beschäftigt. Nicht irgendwie, sondern entsprechend der jeweiligen individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten, versichert er: „Gemeinsam mit meinem Team gestalten wir das Teilhabemanagement so, dass jeder Mensch mit Behinderung seinen passgenauen Arbeitsplatz erhält.“

Es ist ein hoher Anspruch, den Gärtner im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert. Aber ein Anspruch, der sich in der gut 40-jährigen Praxis bewährt habe, betont Michael Doersch. „Wir haben uns in diesem Sinne stetig weiterentwickelt“, stellt der Geschäftsführer fest. „Und wir werden das auch in Zukunft tun.“ Nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. Denn der Bedarf wird steigen, weshalb die CBW einen Neubau in Eschweiler sowie Erweiterungen in Kohlscheid, Alsdorf und Imgenbroich plant.

Eltern fürchten „Sackgasse“

Dabei ist vielen Menschen das Angebot der CBW gar nicht oder kaum bekannt. „Und nicht wenige Eltern stehen dem Übergang von der Schule in die Werkstatt für behinderte Menschen sehr kritisch gegenüber, weil sie der Ansicht sind, dass es sich um eine Sackgasse handele“, berichtet Fredi Gärtner. Solchen Einschätzungen versuchen die Verantwortlichen auf verschiedenen Wegen entgegenzutreten: mit Informationsveranstaltungen in Schulen, mit Praktika, Hospitationen und Tagen der offenen Türen.

Bei diesen Gelegenheiten präsentiert die CBW dann stets ihre 20 Arbeitsbereiche, die von der Wäscherei und Konfektionierung bis zur Metall- und Holzverarbeitung reichen. Und sie weisen auf die verschiedenen Optionen hin, die die CBW Menschen mit Behinderung nach eigener Aussage bieten kann: einen dauerhaft sicheren Arbeitsplatz in einer Werkstatt, die betriebsintegrierte Tätigkeit in einem Unternehmen oder den Übergang auf den freien Arbeitsmarkt.

Letzteres, das räumt Michael Doersch ein, ist allerdings die Ausnahme. Mit 0,5 Prozent wurde die Zielquote ausgesprochen niedrig angesetzt. Das entspreche den tatsächlichen Gegebenheiten und berücksichtige, dass viele Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt überfordert seien. In Grenzen hält sich auch die Vermittlung in unterstützte Beschäftigungen. In beiden Fällen liege das jedoch nicht automatisch an den Fähigkeiten der Bewerber, betont Fredi Gärtner. „Es gibt vielmehr Schwierigkeiten, Unternehmen zur beruflichen Eingliederung und Qualifizierung von Menschen mit Behinderung zu finden, die bereit sind, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Aussicht zu stellen.“ Das habe vor allem mit dem Kostenaspekt und der Produktivität zu tun, bedauert er.

„Sind eine Solidargemeinschaft“

Von Kostendruck und anderen Belastungen bleiben die Mitarbeiter in den CBW-Werkstätten hingegen verschont. „Wir sind eine Solidargemeinschaft, in der jeder seinen Platz findet“, betont Michael Doersch. Natürlich gehe es auch bei der CBW um Arbeit und das Ziel, etwas zu erwirtschaften. Schließlich würden nur rund 75 Prozent der Kosten von der öffentlichen Hand – fast immer ist es die Agentur für Arbeit – übernommen. „Es geht aber auch um Stabilität, um die Förderung der persönlichen Entwicklung und um eine möglichst umfangreiche gesellschaftliche Teilhabe.“

Um diese zu erreichen, setzt die CBW auf eine intensive fachliche und soziale Betreuung. Gerade erst hat die Gesellschaft ihre über 230 Mitarbeiter zählende Belegschaft um zwei Integrationsassistentinnen verstärkt. Auch sie sollen dazu beitragen, dass der Übergang von der Schule zur CBW und die dann folgende berufliche Qualifizierung möglichst individuell und somit optimal verlaufen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung stellt die Profilanalyse dar, in deren Verlauf mögliche passende Berufsfelder für den Menschen mit Behinderung ermittelt werden. Auf dieser Basis wird dann eine Zielplanung für die folgenden 24 Monate der Berufsbildung erstellt. „Das erste Jahr widmet sich der Orientierung. Hier sammelt der Beschäftigte Erfahrungen in mindestens zwei Berufsfeldern“, erläutert Ullrich Ollesch, der den Fachbereich Berufliche Bildung leitet. Im zweiten Jahr steht der gewählte Schwerpunkt im Mittelpunkt. Am Ende fällt dann die Entscheidung über die Übernahme in einen Arbeitsbereich.

„Aber die ist niemals unumkehrbar“, stellt Michael Doersch klar. Innerhalb der CBW bestehe immer die Möglichkeit einer Neuorientierung. „Wir führen regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche, um den Bedarf des Beschäftigten zu ermitteln und ein passendes Angebot zu organisieren.“ Das gehe weit über die Arbeit hinaus. „Wir sind beispielsweise sehr aktiv im Bereich Sport, wo einige unserer Beschäftigten es sogar in Auswahlmannschaften geschafft haben“, berichtet die neue Integrationsassistentin Karolin Stryczek.

Deutschkurse, Stil- und Typberatungen sowie die Veröffentlichung einer internen Zeitschrift („Werkstatt-News“) seien weitere Beispiele für die Angebotspalette der CBW. Das alles zeige, unterstreicht Michael Doersch, dass die CBW weit mehr als ein Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung sei. „Uns geht es wirklich um die gesellschaftliche Teilhabe. Damit haben wir ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.“

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