Burg Wilhelmstein: Wenn Simon Phillips an der Türe steht

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Am Arbeitsplatz: Simon Phillips hat für die Großen der Branche gespielt. Am 4. Juni ist er mit seiner Band Protocol in Würselen zu Gast. Foto: imago/Pixsell

Würselen. Es liegt im Auge des Betrachters, ob Rockmusik vor 40 Jahren besser war als heute. Fest steht derweil, dass sich Musik heute immer häufiger Marketingplänen beugen muss. Dessen ungeachtet ist Simon Phillips gerade mit seiner Band Protocol unterwegs und zündet bei jedem Auftritt ein zweistündiges Jazzrock-Feuerwerk, das nicht nur Musikerherzen höherschlagen lässt.

Phillips, der unter der Ägide von Frank Zappa und für Gil Evans, The Who und unzählige weitere Weltberühmte trommelte, weiß, welche Dramaturgie es braucht, um Spieltechnik dergestalt in Szene zu setzen, dass sie bestens unterhält. Bevor er am 04. Juni auf Burg Wilhelmstein Station macht, erzählte er unserem Mitarbeiter Michael Loesl noch schnell seinen Lieblings-Schlagzeuger-Witz.

Mr. Phillips, im heutigen Musikgeschäft gilt das ungeschriebene Gesetz, nachdem man ein Publikum nur noch mit vollkommen abseitigen Bühnenaktionen ins Konzert locken kann. Mit welchen Ködern arbeiten Sie?

Simon Phillips: Mit guter Musik. Meine Band und ich setzen auf die Neugierde und den guten Geschmack des Publikums. Tatsächlich dürfen wir uns glücklich schätzen, weil die Zuschauer unserer Konzerte überaus aufmerksam sind und die Musik wirklich zu schätzen wissen. Wenige wissen, was sie bei uns erwartet, aber wer eins unserer Konzerte erlebt, wird garantiert nicht enttäuscht nach Hause gehen.

Ohne Hit-Single, nur mit handgemachter, instrumentaler Musik auf die Bühne zu gehen, könnte man glatt als antagonistisches Statement verstehen.

Phillips: Ja, das könnte man, aber unser Ziel ist eher, Musik so ehrlich wie möglich zu spielen, ohne Sequenzer, ohne großen technischen Schnickschnack. Wir spielen eine wahrhaftige Mischung aus Rock und Jazz. Es ist kein Smooth-Jazz, es ist nicht das, was Fusion wurde. Unser Jazz basiert auf Blues- und Rock-Rhythmen.

Es ist, mit anderen Worten, klassischer Jazzrock?

Phillips: Ja, und der ist ganz eng mit den Typen in der Band verbunden. Unser Keyboarder entstammt dem klassischen Jazz, unser Bassist ist im Rhythm’n’Blues verwurzelt, der Gitarrist fühlt sich in Blues und Rock zu Hause, aber er besitzt unglaubliche Jazz-Harmonien-Kenntnisse. Zu guter Letzt spielt mit mir ein Drummer in der Band, der sowohl Schlagzeuger bei The Who als auch bei Gil Evans war, die zu den ganz Großen von Rock und Jazz zählen.

Man sagt, dass jede Band immer nur so gut ist wie ihr Schlagzeuger. Wenn der Drummer nicht imstande ist, Musik swingen zu lassen, wirkt sie wenig lebendig. Bassisten behaupten hingegen gerne, dass sie Dreh- und Angelpunkte von Bands seien. Welches Ego darf für sich beanspruchen, der Mittelpunkt Ihrer Band zu sein?

Phillips: Keins. Bei uns zählt die Musikalität des Ensembles. Wenn einer von uns Vieren nicht swingt, kippt die Musik nach hinten ab. Die Chemie innerhalb unserer Band stimmt dahingehend bestens, dass wir uns die Bälle scheinbar spielend leicht gegenseitig zuwerfen. Ich habe Bands gesehen, in denen absolute Solisten-Cracks spielten, die aber trotzdem kein Team bildeten. Meine Band ist ein Team, das aus erstklassigen Musikern besteht.

In den 70er Jahren waren Schlagzeugsoli bei fast jedem Konzert obligat. Zehn Jahre später gähnte man, wenn Drummer Solomomente bekamen. Was halten Sie vom klassischen Schlagzeugsolo?

Phillips: Wenn Drummer-Soli nicht gut gespielt sind, finde ich Gähnen absolut berechtigt. Aber, wenn sich einer wie Phil Collins ans Werk macht, darf man exzellentes Timing, großartige Dramatik und anspruchsvolle Metrenverschiebungen erwarten.

Wie viele Soli spielen Sie während eines Protocol Konzerts?

Phillips: Eins, vor dem letzten Song unserer Konzerte. Das sind komplett improvisierte Soli. Dann gibt es aber auch innerhalb einzelner Songs Solo-Momente für jeden einzelnen Musiker in der Band. Nur, weil Protocol die Band eines Drummers ist, sind wir keine Band, in der sich alles um den Schlagzeuger dreht. Das wäre ein Witz.

Apropos. Welcher ist Ihr Lieblings-Schlagzeuger-Witz?

Phillips: Woher weißt Du, dass ein Schlagzeuger an deiner Türe klopft? Das Klopfen wird immer schneller.

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