Stolberg/Eschweiler - BSR-Radsporttag: „Ohne Unterstützung der Sponsoren geht es nicht“

BSR-Radsporttag: „Ohne Unterstützung der Sponsoren geht es nicht“

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War lange Jahre als Radprofi aktiv: der Stolberg Markus Ganser, der bereits zum zweiten Mal als Rennleiter des BSR-Radsportags in Breinig fungiert. Foto: Dirk Müller

Stolberg/Eschweiler. Der große BSR-Radsporttag steht am Samstag, 19. August, an, und Markus Ganser ist zum zweiten Mal Rennleiter des Spektakels auf dem Rundkurs in Breinig.

Dirk Müller sprach mit dem ehemaligen Radprofi, der unter anderem zwei Mal NRW-Straßenmeister und jahrelang sportlicher Leiter des Stolberger Profiteams war, über die Großveranstaltung und erhielt Einblicke hinter die Kulissen der Radrennen, die vom RSC Stolberg und vom RC Dorff ausgerichtet werden.

 

Sie haben einige Neuerungen eingeführt, als Sie im vergangenen Jahr die Rennleitung des Radsporttags übernommen haben. Haben die sich bewährt?

Markus Ganser: Absolut. Das Derny-Rennen, bei dem leichte Motorräder den Radrennfahrern als sogenannte Schrittmacher dienen, ist sehr gut angekommen. Dass diese Disziplin aus dem Bahnradsport auf der Straße gezeigt wird, ist äußerst selten. Damit haben wir für den BSR-Radsporttag nicht nur in unserer Region, sondern weit darüber hinaus ein echtes Alleinstellungsmerkmal etabliert. Und auch das „kleine Zeitfahren“, das wir Rundenrekord nennen, ist von den Zuschauern wirklich gut angenommen worden. Die Sportler fahren von der Gaststätte „Zur Treppe“ zur „Stillen Liebe“ und zurück. Dieser Kampf gegen die Uhr ist spannend, und dem Publikum wird nochmals Abwechslung geboten.

Das Rundenrekord-Zeitfahren ist aber nur möglich, da die Zeiten elektronisch mit Transpondern gemessen werden. Dies wiederum ermöglichte im vergangenen Jahr größere Starterfelder, zum Beispiel aus Schülern, Jugend und Frauen. Warum ist das jetzt anders?

Ganser: Dadurch dass es in diesem Jahr keinen Duathlon beim BSR-Renntag gibt, haben wir einfach mehr Zeit. So können zu den Schülern U15 diesmal auch Schüler U13 an den Start gehen. Aus organisatorischen Gründen bilden die Schüler jetzt ein Starterfeld, aber das Prinzip der größeren Starterfelder dank elektronischer Zeiterfassung kommt dennoch zum Tragen. Die Frauen und die Jugend U17 bilden ein Feld, im folgenden Rennen gehen die Senioren 2/3/4 und die Junioren U19 gemeinsam an den Start. Auch bei dem Hauptrennen, bei dem eine weitere Neuerung greift, werden wir viele Fahrer sehen.

Welche Neuerung gibt es beim Hauptrennen?

Ganser: Es wird quasi ein Rennen im Rennen. Schon im vergangenen Jahr sind die C-Amateure mit einer Minute Vorsprung vor den Kontinental-Radprofis und der A- und B-Klasse gestartet, was für Spannung von Rennbeginn an gesorgt hat. An diesem Prinzip wollen wir festhalten, den C-Fahrern aber noch mehr Anreize bieten, in Breinig an den Start zu gehen. Dank der Transponder-Technik sieht das Publikum ein großes Fahrerfeld, die C-Amateure bekommen aber nun ihre eigene Wertung innerhalb des Hauptrennens, was den BSR-Radsporttag in seiner jetzigen Form für sie natürlich erheblich attraktiver macht.

Und warum gibt es in diesem Jahr keinen Duathlon?

Ganser: Der Duathlon im Rahmen des Radsporttags wird vom RSC Krähe Kornelimünster ausgerichtet und findet in Absprache mit dem Hauptsponsor alle zwei Jahre statt. Das ist ein etabliertes und eingespieltes System. Außerdem ist der Aufwand für den RSC Krähe Kornelimünster sehr groß, den Duathlon zu veranstalten, und es ist alle Achtung wert, dass der Verein dies alle zwei Jahre stemmt. Hinzu kommt, dass wir stets auf das Verständnis der Anwohner angewiesen sind, die wir in jedem zweiten Jahr ein wenig schonen, denn ohne Duathlon gibt es weniger Straßensperrungen, und der Zeitrahmen der Beeinträchtigungen für die Anwohner ist kürzer.

Haben die Anwohner Verständnis für die Beeinträchtigung?

Ganser: Größtenteils ja. Die Meisten freuen sich, dass wir die Veranstaltung auf die Beine stellen, und etwas los ist. Immerhin wird ihnen ja eine kostenfreie Sportveranstaltung direkt vor der eigenen Haustüre geboten. Und wir laden sie herzlich dazu ein, sich den Radsporttag anzuschauen. Als kleine Entschädigung verteilen wir mit den Informationen über Straßensperrungen auch einen Getränkegutschein, der auch Anreiz sein soll, die Rennen live zu erleben.

Sie waren auch Mitorganisator des Radrennens in Eschweiler. Warum gibt es dieses Rennen nicht mehr?

Ganser: Das Rennen in Eschweiler wurde von der ESG Radsport ausgerichtet, und es war immer ein tolles Event mit vielen begeisterten Zuschauern, dass auch seitens der Eschweiler Stadtverwaltung sehr gut unterstützt wurde. Es gab einen Hauptsponsor, der von vorneherein erklärt hat, sich über den Zeitraum von fünf Jahren zu engagieren. Danach wurde leider kein großer Sponsor mehr gefunden, um das Rennen zu finanzieren, so dass 2014 Schluss war.

Kann das in Stolberg auch passieren?

Ganser: Theoretisch schon, aber ich bin optimistisch, dass wir den BSR-Radsporttag noch lange ausrichten können. Wir sind in der glücklichen Situation, mehrere treue Sponsoren zu haben, die sich langfristig engagieren. Es kommen sogar ab und an neue Sponsoren hinzu. Solange das so bleibt, wird es Radrennen in Stolberg geben. Allerdings muss man auch betonen, dass es ohne die Unterstützung der Sponsoren gar nicht geht.

Denn bei allem ehrenamtlichen Engagement der beiden ausrichtenden Vereine RSC Stolberg und RC Dorff, der Hilfe von den Breiniger St.-Sebastianus-Schützen, von DRK und THW sowie der großen Unterstützung seitens der Stolberger Stadtverwaltung – so ein Radrenntag kostet schlichtweg eine Menge Geld. Und da es keine Einnahmen aus Eintrittsgeldern gibt, ist die Finanzierung ausschließlich über Sponsoring möglich.

Wie setzten sich die Kosten für den Radsporttag zusammen?

Ganser: Einen Großteil machen natürlich die Preisgelder aus, deren Höhe der Bund Deutscher Radfahrer BDR festlegt. Hinzu kommen dann zahlreiche kleinere Posten, die sich aber summieren. Eine Veranstalter-Lizenz muss erworben und die Rennen beim BDR angemeldet werden – allein dafür ist ein vierstelliger Betrag fällig. Verhältnismäßig günstig ist die dreistellige Gebühr, die wegen der Straßensperrungen bei der Aseag entrichtet werden muss.

Dann schlagen noch Kosten für die Transponder-Technik, die Absperrungen an der Strecke, die Beleuchtung beim Hauptrennen, die Rennkommissare, den Bus der Rennleitung, den Kommentator und mehr zu Buche. Ebenso wie Gema-Gebühren, da zwischen den Rennen Musik eingespielt wird. Um den Zuschauern spannende Rennverläufe bieten zu können, schütten wir zudem noch viele Rundenprämien aus. Insgesamt nehmen wir einen guten fünfstelligen Betrag in die Hand, um dem Publikum des Radsporttag bei freiem Eintritt zu präsentieren.

Wie haben Sie die Tour de France erlebt, als sie durch unsere Region gerollt ist?

Ganser: Selbstverständlich an der Strecke. Es war fantastisch. Trotz üblen Regenwetters haben begeisterte Menschenmassen die Strecke gesäumt, und die Stimmung war großartig. Und auch die Fernseheinschaltquoten im weiteren Verlauf der Tour de France haben gezeigt, wie groß das Interesse ist. Ich freue mich, dass der Radsport in Deutschland wieder im Aufwind ist.

In Breinig hat die Werbegemeinschaft anlässlich der Tour de France zu einer Aktion aufgerufen, bei der die Bürger mit bunt bemalten Fahrrädern das Ortsbild aufhübschen sollten. Wie ist Ihr Fazit dazu?

Ganser: Das war ein absolut tolles Projekt, das zudem noch den guten Zweck unterstützt. In unserem Geschäft begrüßen wir immer wieder auch viele auswärtige Kunden, und besonders deren Resonanz auf die bunten Räder war enorm positiv. Es war sehr schön, wie viele Breiniger sich an der Aktion beteiligt haben, und es ist natürlich klasse, dass die kunterbunten, liebevoll gestalteten Räder immer noch in Breinig zu sehen sind. Schließlich passen sie nicht nur gut zur Tour de France, sondern auch hervorragend zum BSR-Radsporttag.

Im Vergleich zur Tour de France werden in Stolberg keine Weltstars des Radsports an den Start gehen. Warum lohnt es sich dennoch, die Radrennen anzuschauen?

Ganser: Sehr viele Menschen haben es ja jüngst erlebt: Wenn die Tour de France an einem vorbeirollt, ist es halt auch schnell vorbei – nach rund 20 Sekunden. Das ist beim BSR-Radsporttag ganz anders, da die Rennen in Breinig auf einem Rundkurs gefahren werden, die Zuschauer also die Fahrer immer wieder in Aktion sehen.

Sowohl das Derny-Rennen auf der Straße, als auch das Zeitfahren haben außerdem einen besonderen Reiz. Das gilt auch für Hauptrennen, das um 19.30 Uhr im Hellen beginnt und dann über die Dämmerung bis in die Dunkelheit läuft. Das Finale auf der ausgeleuchteten Strecke zu verfolgen, ist ein durchaus auch atmosphärisches Erlebnis.

Mit „Breinig läuft!“ organisieren Sie eine weitere sportliche Großveranstaltung – die bisher jedes Jahr mit Teilnehmerrekorden auftrumpfte. Können wir dies auch vom BSR-Radsporttag erwarten?

Ganser: Die beiden Veranstaltungen lassen sich eigentlich nicht vergleichen. „Breinig läuft!“ ist ein Event mit Volkslaufcharakter, eine Sportveranstaltung für Jedermann. Beim BSR-Radsporttag hingegen gehen nur lizenzierte Fahrer an den Start. Wir rechnen bei den Radrennen mit 200 bis 250 Aktiven, und das ist für ein Rundstrecken-Rennen schon sehr ordentlich. Damit brauchen wir uns nicht zu verstecken.

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