„Brückenbauer” zwischen den Kulturen

Von: Jutta Geese
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Zwei von 21: Ursula Gärtner aus Simmerath und Debdatta De aus Aachen-Laurensberg wollen ehrenamtlich als Integrationslotsen in der Städteregion arbeiten und absolvieren derzeit ihre Ausbildung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So genau wissen Ursula Gärtner und Debdatta De nicht, auf was sie sich da einlassen. Weder, was den Zeitaufwand betrifft, noch, mit welchen Problemen sie demnächst konfrontiert und auf welche Menschen sie treffen werden.

Doch die 55-jährige Hausfrau aus Simmerath und der 70-jährige Rentner aus Aachen-Laurensberg sind mit Begeisterung bei der Sache: Sie wollen ab Januar als Integrationslotsen Zuwanderern, aber auch schon länger in Deutschland lebenden Ausländern zur Seite stehen und ihnen dabei helfen, sich im Dschungel des deutschen Bildungs- oder Sozialsystems zurechtzufinden. Ehrenamtlich.

Derzeit absolvieren die beiden zusammen mit 19 weiteren Frauen und - wenigen - Männern eine 90 Stunden Unterricht umfassende Ausbildung, die das Integrationsbüro der Städteregion Dank der finanziellen Unterstützung aus dem Programm Komm-In des Landes NRW anbieten kann. In dieser Woche etwa standen die Themen „Wohnen” und „SGB II”, also die Grundsicherung für Arbeitslose oder verkürzt: Hartz IV, auf dem Programm.

In den vergangenen Wochen ging es um Kommunikation, interkulturelle Kompetenzen und Gesundheit. Einheiten zu Sprache und Bildung oder Beruf und Arbeit folgen demnächst. Alles Bereiche, die in anderen Ländern anders organisiert sind oder andere Regeln bestehenweshalb Zuwanderer häufig nicht wissen, an wen sie sich bei Problem X oder Y wenden sollen. Gärtner, De und die anderen Integrationslotsen sollen - und wollen - ihnen dabei als „Brückenbauer” dienen, damit sie sich schnell in der neuen Heimat zurechtfinden.

„Theoretisch werden wir gut auf unsere Aufgabe vorbereitet”, sagt De. „Wie das dann in der Praxis läuft, müssen wir mal sehen. Ich weiß ja beispielsweise nicht, ob ich von den Ratsuchenden akzeptiert werde. ich lasse mich mal überraschen.” Warum er sich als ehrenamtlicher Integrationslotse engagieren will, erklärt der gebürtige Inder, der 1960 zum Studium nach Aachen kam und der Liebe wegen blieb („Ich hab ein deutsches Mädel kennengelernt, geheiratet und zwei Kinder bekommen.”), so: „Ich war schon immer offenherzig und habe schon als Student Indern oder Pakistanern geholfen, wenn sie Probleme hatten.”

Selbst habe er als Ausländer nie Negatives erfahren, habe auch schnell Kontakt zu Deutschen gefunden. Dass das heute nicht unbedingt die Regel ist, weiß er. Und will deshalb dazu beitragen, dass Zuwanderer schneller Fuß fassen. Denn: „Wenn es mir gut geht, muss ich anderen helfen.” Und als Rentner habe er ja Zeit genug, meint De.

Die Freude an der Begegnung mit Menschen anderer Kulturen ist es, die Ursula Gärtner zu der Ausbildung motiviert. „Ich habe ein sehr offenes, aufgeschlossenes Zuhause gehabt”, erzählt sie. So sei es beispielsweise kein Problem gewesen, dass sie, als sie 18 Jahre alt war, einen Asylbewerber aus Äthiopien mit nach Hause gebracht hat, den sie in Köln am Bahnhof kennengelernt hatte. „Er hat dann ein halbes Jahr bei uns gewohnt.” Es mache große Freude, mit Menschen aus anderen Ländern zusammen zu sein und ihnen helfen zu können bei Problemen. Häufig hätten die ihre Ursache einfach in den kulturellen Unterschieden, als Integrationslotse könne man da vermitteln.

Gespannt sind Gärtner und De auf ihre ersten „Einsätze” nach der Ausbildung. Angst haben sie nicht, zumal sie weiter von Beate Lennartz und Dietmar Havenith vom Integrationsbüro der Städteregion begleitet werden und sich die Lotsen regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen werden. „Man muss nur aufpassen, dass man sich bei der Aufgabe nicht überfordert”, sagt Gärtner. „Aber”, merkt De an, „man darf auch nicht bei der ersten negativen Erfahrung das Handtuch werfen.”
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