Bloß nicht jederzeit perfekt sein wollen

Von: Leandra Kubiak
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Städteregion. Darf man im Berufsleben nicht auch einmal Schwächen zeigen? Immer perfekt und fehlerfrei sein zu wollen, das ist einer der Gründe dafür, dass viele Menschen an einem gewissen Punkt ihres Lebens eine starke Erschöpfung erleiden – besonders die Berufsgruppe der Lehrer ist von diesem Risiko betroffen.

Sylvia Kéré Wellensiek sagt ganz deutlich: „Man muss nicht immer perfekt sein!“ Mit ihrem Vortrag am Bildungstag der Städteregion richtete sie sich in erster Linie an zukünftige oder bereits tätige Lehrkräfte. Die Botschaft lautete also auch: Kein Lehrer muss perfekt sein.

In dem Vortrag ging es um das Thema Resilienz, also um die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen bewältigen zu können. „Die Forschung zu dem Thema ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert“, weiß Wellensiek. Von Relevanz ist die Fähigkeit im Prinzip für jedermann – gerade im Kontext der Schule gewinnt sie aber mehr und mehr an Bedeutung. Das hängt vor allem mit den alarmierenden Entwicklungen zusammen: Ein Gutachten des Aktionsrates Bildung kommt zu dem Ergebnis, dass 30 Prozent der Beschäftigten im Bildungswesen unter psychischen Problemen leiden. Die Zahl der Krankheitstage der Beschäftigten habe sich seit 2000 fast verdoppelt. Es ist jedoch nicht nur für Lehrer wichtig, die Fähigkeit zu erlangen, mit Problemen umzugehen, sondern genauso auch für die Schüler.

Im schlimmsten Falle ist die Folge mangelnder Resilienz eine totale Erschöpfung, das sogenannte Burnout. Um einer Erkrankung vorzubeugen, könne es beispielsweise helfen, nicht perfekt sein zu wollen, sondern es als Stärke anzusehen, mit seinen Problemen umgehen zu können, sagt Wellensiek. Ein Lehrer könne also beispielsweise auch Vorbild sein, indem er zu gewissen Problemen steht, aber mit diesen umzugehen weiß. Ein weiterer Grund für eine Burnout-Erkrankung könne die fehlende Identifikation einer Person mit ihrer Tätigkeit sein, so Wellensiek. Eine persönliche Haltung zum Thema Veränderung könne dabei helfen, Situationen zu umgehen, die einen unzufrieden machen, erklärt sie. Man könne sich beispielsweise fragen, welche Gegebenheiten im eigenen Leben veränderbar, und welche unveränderbar sind. Daran könne dann angeknüpft werden, um Dinge zu verändern und damit möglichen Krisen entgegenzuwirken.

Ein großes Problem sei, dass die meisten Menschen sich nicht präventiv auf mögliche Krisen vorbereiten. Gehandelt werde oftmals erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Allgemein solle sich daher jeder regelmäßig die Frage stellen: „Was tut mir gut und was tut mir nicht gut?“. Oftmals könne es schon helfen, seinen Bedürfnissen entsprechend zu leben. Sylvia Kéré Wellensiek ist Diplom-Ingenieurin, ausgebildete Physiotherapeutin und arbeitet heute als Coach und Trainerin, vor allem im Bereich der Resilienz. „Resilienz ist ein riesiger Blumenstrauß“, findet sie. „Sie setzt sich aus vielen verschiedenen Kompetenzen zusammen“.

Die wenigsten Menschen haben das Vermögen, mit Stress und Belastungen umgehen zu können, von Grund auf. Die Fähigkeit sei aber durchaus zu erlernen, sagt Wellensiek. Die Fragen, die einen dabei leiten können, seien zum Beispiel: „Was macht mich stark? Was gibt mir Kraft?“. Befinde man sich dann in einer schwierigen Situation, könne man sich daran orientieren. Besonders wichtig sei es auch, sich Unterstützung zu holen und mit anderen Menschen zu reden. Und für Kinder gelte, dass sie eine Bezugsperson brauchen, die ihnen Kraft geben kann, so Wellensiek. Redaktion Städteregion (montags bis freitags, 10 - 18 Uhr) Tel.: 0241/5101-366 Fax: 0241/5101-360 staedteregion@zeitungsverlag-aachen.de
 

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