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Birkhuhn beschäftigt jetzt Brüssel

Von: Udo Kals
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Vennbahn-Route: Wo im Frühjah
Vennbahn-Route: Wo im Frühjahr noch Schotter lag (unser Bild), sollen Radler ab Sommer 2012 auf Feinsplitt fahren: Der Vennbahnradweg im Bereich Hoscheiter Venn zwischen Konzen und Paustenbach, wo die Naturschützer noch mehr Schutz für die Birkhühner fordern. Foto: P. Stollenwerk

Aachen. Jetzt ist das Birkhuhn also in Brüssel angekommen. Zwar hat sich das durchaus flugfähige Getier von der Nordeifel nicht selber auf den Weg in die belgische Hauptstadt gemacht. Doch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat nun offiziell bei der EU-Kommission Beschwerde gegen den Bau eines Teilstückes der Vennbahn-Radwanderstrecke eingereicht.

„Gutachten belegen eindeutig, dass der mit dem Ausbau der Radroute zunehmende Radtourismus erhebliche Auswirkungen auf die benachbarten Schutzgebiete und das im Einzugsbereich der Vennbahntrasse lebende Birkhuhn haben wird”, erklärt Josef Tumbrinck, Nabu-Chef in NRW. Damit dürfe die Trasse so nicht gebaut werden, da das letzte Vorkommen dieser Art in NRW ausgelöscht würde.

Vor diesem Hintergrund fahren Tumbrinck und seine Mitstreiter wie Eike Lange, Vize-Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Aachen-Land, schweres Geschütz auf: Der Nabu fordert den sofortigen Rückbau des jüngst begonnenen Ausbaus der Radwanderstrecke zwischen Simmerath-Lammersdorf und Monschau-Kalterherberg. Sowohl die dafür verantwortlichen belgischen als auch deutschen Behörden verstießen damit massiv gegen geltendes europäisches und deutsches Naturschutzrecht. Kopfschüttelnd nehmen Tumbrinck und Lange zur Kenntnis, dass eine bereits bestehende Alternativtrasse nicht mehr ins Kalkül gezogen wird, über die das Birkhuhn-Vorkommen zwischen Konzen und Paustenbach umfahren werden könne, sondern an der neuen Strecke bereits gearbeitet werde. „Die geplante Trasse führt mitten durch das Birkhuhn-Beobachtungsgebiet. Die Radroute stört die Tiere weitaus stärker als die vielbefahrene B 258”, sagt Lange. Ein dazwischenliegender Wald sorge für genügend Schutz.

„Nicht nur die belgischen Behörden, auch die Städteregion hat die Vorschläge der eigenen Gutachter missachtet, obwohl die Alternativtrasse viel Geld gespart hätte und schneller zu realisieren gewesen wäre”, sagt Tumbrinck und ist empört darüber, dass die Städteregion „die Verantwortung für dieses skandalöse Vorgehen gar den Belgiern in die Schuhe” geschoben habe, indem sie „die Entscheidungskompetenz bei den zuständigen belgischen Behörden verortete”. Für Tumbrinck ist klar: „Nach geltendem Recht darf ein Projekt, das so massiv gegen europäisches Naturschutzrecht verstößt, auf der anderen Seite nicht mit Geldern der europäischen Steuerzahler subventioniert werden.” Finanziert wird der Ausbau der Vennbahntrasse zu einem Radwanderweg im Rahmen eines europäischen Interreg-Förderprogramms mit zahlreichen Geldgebern. Einer von diesen ist das Land NRW, das nun den Nabu unterstützt. Wegen der Beeinträchtigung der Birkhühner ist eine Förderfähigkeit im Rahmen des Interreg-Programms „nicht gegeben”, erklärt Umweltminister Johannes Remmel in einem Schreiben und unterstreicht, dass es keine finanzielle Beteiligung von NRW für den betreffenden Abschnitt geben werde. Immerhin trägt das Land 17 Prozent der Gesamtkosten des Projekts.

Dies lässt die Städteregion, die wie auch Roetgen, Monschau und Simmerath den Radweg mitfinanziert, recht kalt. Ein Schreiben aus Düsseldorf habe man nicht erhalten, sagte Thomas König von der für Tourismus zuständigen Stabsstelle der Städteregion auf Anfrage von Werner Krickel (Grüne) im Tourismusausschuss. Auch über mögliche finanzielle Auswirkungen gibt er keine Auskunft. Fraglich ist, wer den etwaigen Fehlbetrag zu tragen hätte.

Gleichwohl wird an der Vennbahn-Route gearbeitet - auch in der Nähe der Birkhühner auf dem rund zwei Kilometer langen Stück zwischen Konzen und Paustenbach. Der städteregionale Bauamtsleiter Hubert Philippengracht sieht keinen Grund für einen Baustopp. Schließlich habe der sogenannte öffentliche Dienst der Wallonie bereits unter Auflagen eine Baugenehmigung erteilt. „Diese Auflagen sehen unter anderem vor, dass der Radwanderweg in diesem Bereich nicht asphaltiert werden darf. Vielmehr legen wir einen wassergebundenen Belag an”, sagt Phillipengracht. Während Radler dieses in Feinsplitt ausgebaute Teilstück wohl ab Mitte 2012 problemlos meistern werden, dürfte für Rollstuhlfahrer oder Inline-Skater an diesem Übergang das Vergnügen zu Ende sein. Doch die können ja auf die Trasse ausweichen, die die Naturschützer ursprünglich als Alternativroute für die Radler im Blick hatten. Derweil wird in Brüssel geprüft. Und das kann dauern.
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