Biologische Station bekommt 6,6 Millionen Euro für Artenschutz

Von: Michael Grobusch
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Neue Lebensräume schaffen für bedrohte Arten: Das ist das Ziel von Bettina Krebs und Bernhard Theißen, die die Projekte „Amphibienverbund“ und „Auenkorridor“ leiten. Foto: Michael Grobusch
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Zu diesen Tierarten zählen Amphibien wie die Geburtshelferkröte ... Foto: Biologische Station
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... ebenso wie Schmetterlinge, etwa der Feuerfalter. Foto: Biologische Station

Städteregion. Diese Einschätzung kommt von hoher Stelle: „Die Biologische Station der Städteregion ist besonders erfolgreich beim Einwerben von Fördermitteln und setzt Projekte und Maßnahmen um, die für den Erhalt und die Entwicklung unserer Naturschätze unverzichtbar sind.“ NRW-Umweltminister Johannes Remmel ist voll des Lobes für die städteregionale Einrichtung.

Jetzt hat sie einmal mehr untermauert, dass ihr guter Ruf nicht von ungefähr kommt. Denn von den drei neuen Umweltschutzprojekten in Deutschland, die die Europäische Union bewilligt hat, werden zwei in der Städteregion und von der Biologischen Station umgesetzt. Das kann man – trotz der hervorragenden Reputation – durchaus als Sensation bezeichnen.

Bettina Krebs drückt sich etwas zurückhaltender aus: „Wir waren positiv überrascht, dass wir gleich zweimal den Zuschlag erhalten haben“, meint die wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Geschäftsführerin. In einem aufwendigen Bewerbungsverfahren, das sich über mehrere Jahre erstreckte, wussten die Fachleute aus der Städteregion die Entscheidungsträger in Brüssel von ihren Vorschlägen und Konzepten zu überzeugen.

Als sogenannte „LIFE-Projekte“ – LIFE steht für L’Instrument Financier pour l’Environnement, wörtlich übersetzt: Finanzinstrument für die Umwelt – wurden sowohl der „Amphibienverbund in der Städteregion“ als auch der „Auenkorridor“ anerkannt – verbunden mit der Zusage für Fördermittel von rund 4,2 Millionen Euro sowie gut 2,4 Millionen Euro, die in beiden Fällen zu 60 Prozent von der EU, zu 35 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen und zu fünf Prozent von der Städteregion gewährt werden.

Offiziell ist der Startschuss für beide Projekte am 1. Januar gefallen. Zunächst stehen die genaue Bestandserhebung der Arten sowie die Planung und Abstimmung erster Maßnahmen im Vordergrund. Damit sind erfahrene Mitarbeiter der Biologischen Station betraut worden, deren bisherige Aufgaben wiederum von neuen Kollegen übernommen werden. Diese zu finden, war gar nicht so einfach. „In den Studiengängen hat es einen Umbruch gegeben. Dadurch geht offenbar die Artenkenntnis zunehmend verloren“, stellt Bernhard Theißen fest.

Der Biologe leitet das Projekt „Auenkorridore“, das in den kommenden sechs Jahren an die LIFE-Projekte „Lebendige Bäche“ (im Perlbachtal) und „Rur und Kall“ (zwischen Konzen und Lammersdorf) anknüpfen wird und eine weitere Ausbreitung des Blauschillernden Feuerfalters zum Ziel hat. Der seltene Schmetterling gilt trotz der zwischenzeitlich erzielten Erfolge weiterhin als eine europaweit vom Aussterben bedrohte Art, weshalb jetzt im Bereich des oberen Rurtals weitere Ausbreitungskorridore und Lebensräume geschaffen und die Verbindungen mit bestehenden Populationen gefördert werden sollen.

„Das Gebiet steht zwar seit Jahrzehnten unter Naturschutz. Es sind dort aber keine konstruktiven Maßnahmen ergriffen worden“, bemängelt Theißen. In den kommenden Jahren wird vor allem die Beseitigung von Fichtenwaldbeständen in den ufernahen Bereichen Priorität haben. „Denn die sind tödlich für die Artenvielfalt“, betont Theißen. Im Zuge der Renaturierung soll Platz geschaffen werden für natürliche Auenwälder und offene Bereiche. Für den Blauschillernden Feuerfalter ist zudem die größere Verbreitung des Schlangenknöterichs von hoher Bedeutung. Denn hier legt der Falter seine Eier ab und entwickelt sich die Raupe.

Weil viele Uferbereiche in Privatbesitz sind, wird ein Schwerpunkt des Projektes auf dem Grunderwerb liegen. Die Gespräche mit den ersten Eigentümern sollen zügig aufgenommen werden. In diesen wird Bernhard Theißen eine Botschaft übermitteln, die ihm auch gegenüber allen anderen Bürgern wichtig ist: „Beim ‚Auenkorridor‘ geht es nicht alleine um den Schmetterling. Im Rurtal werden wunderbare Landschaften entstehen.“

Fortpflanzungsgewässer anlegen

Diese Perspektive kann Bettina Krebs nicht bieten – zumindest nicht für das menschliche Auge. Für Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte und Kreuzkröte soll die Aussage aber sehr wohl gelten. Alle drei sind stark gefährdet. So gibt es beispielsweise in ganz NRW nur noch 20 Vorkommen der Gelbbauchunke, wovon vier im Stolberger Stadtgebiet beheimatet sind. Für sie wie auch für die beiden anderen Arten wird es bei dem LIFE-Projekt „Amphibienverbund“ vor allem darum gehen, Fortpflanzungsgewässer anzulegen. Exakt 683 künstliche Tümpel sollen geschaffen und deren weitere Pflege durch die Ausbildung von „Amphibienrangern“ auch über die Dauer des 2025 endenden Projektes hinaus gesichert werden. Außerdem werden Lebensräume und Versteckmöglichkeiten, beispielsweise in Form von lockerem Gestein und Holzhaufen, geschaffen.

Anders als die Gelbbauchunke kommen Kreuzkröte und Geburtshelferkröte auch in der nördlichen Städteregion vor. „Ihr Bestand hat in den vergangenen Jahren aber dramatisch abgenommen, weil viele Laichgewässer verschwunden sind“, weiß Bettina Krebs. Ursache ist vor allem die Einstellung des Betriebs im Bergbau, auf den Halden sowie in vielen Steinbrüchen.

Bei beiden Projekten setzt die Biologische Station im Übrigen auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. „Die Bevölkerung soll bei den Projektumsetzungen eingebunden werden“, kündigt der zuständige städteregionale Umweltdezernent Uwe Zink an. Zu den geplanten Maßnahmen zählen neben der erwähnten Ranger-Ausbildung auch die Zusammenarbeit mit Schulen, eine Kooperation mit dem Energeticon in Alsdorf sowie die Einrichtung von naturtouristisch nutzbaren Themenwegen und Infopunkten. Zink ist überzeugt: „Damit wird das Bewusstsein für besondere Arten gefördert und die regionale Identität gestärkt.“

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