Bildungsbüro ist gut gerüstet für neue Aufgaben

Von: Jutta Geese
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Lebenslang lernen: Die Städteregion hat sich schon früh mit diesem Thema beschäftigt und ein starkes Bildungsnetzwerk gegründet. Das trägt auch bei neuen Herausforderungen. Foto: Stock/Jochen Tack

Städteregion. Bildung ist einmal mehr das Thema, das Politik und Gesellschaft in den kommenden Jahren beherrschen wird. Vor 15 Jahren war es der „Pisa-Schock“, ausgelöst durch das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler im europäischen Vergleich, der bundesweit dazu führte, dass sich Kommunen bildungspolitisch stärker engagiert haben.

Nun stehen sie mit der Integration tausender Flüchtlinge in die Schulen und in den Arbeitsmarkt vor einer neuen großen Herausforderung.

Die Städteregion sieht der zuständige Dezernent Markus Terodde bildungspolitisch gut aufgestellt. Nicht zuletzt, weil sie frühzeitig das Thema „lebenslanges Lernen“ in unterschiedlichen Facetten beackert und ein großes Bildungsnetzwerk gegründet hat. Dabei wurden nicht nur alle Schulformen einbezogen, sondern auch Kitas, außerschulische Lernorte wie Museen und Theater, die Wirtschaft und alle Kommunen.

Einen großen Qualitätssprung hat diese Arbeit durch die Teilnahme am Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ erfahren, konnten darüber doch zwischen 2009 und 2014 rund drei Millionen Euro investiert werden – vor allem in Personal für das regionale Bildungsbüro, das die Netzwerkarbeit und die Kooperation mit vielen Akteuren zur Entwicklung von Qualitätsstandards – ob für den Bereich Offener Ganztag, den Übergang von der Kita in die Schule sowie von der Schule in den Beruf oder die Gestaltung von Fusionsprozessen von Schulen – begleitet und steuert.

Die Bundesförderung ist vor einem Jahr ausgelaufen, doch Politik und Verwaltung in der Städteregion waren und sind sich einig: Die Arbeit muss fortgesetzt werden. Da kam das Angebot der Bertelsmann-Stiftung, einem Projektpartner bei „Lernen vor Ort“, gerade recht. Sie wollte die Städteregion weiter begleiten, „weniger mit Geld, mehr mit ihrem Know-how und ihren Kontakten“, sagt Terodde. „Wir haben ja schon frühzeitig versucht, einiges aus dem Programm dauerhaft im Bildungsmanagement zu etablieren, während andere Kommunen schon nach drei Jahren ausgestiegen sind“, betont der Dezernent.

Deshalb haben er und Dr. Sascha Derichs, der Leiter des städteregionalen Bildungsbüros, auch gleich zugesagt, als die Stiftung vorschlug, einen Austausch mit ihren beiden anderen „Paten-Kommunen“ aus „Lernen vor Ort“, Leipzig und Freiburg, zu organisieren. „Wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, in seiner Arbeit regelmäßig über den eigenen Tellerrand zu schauen“, begründet Dr. Kirsten Witte, Leiterin des Programmbereichs Kommunales bei der Bertelsmann-Stiftung, dieses Angebot. „Lösungen können übernommen und gemeinsame Herausforderungen besprochen werden. Davon profitieren letztlich alle.“ Das sieht auch Terodde so.

Seit gut einem Jahr arbeiten Bildungsexperten aus diesen drei Regionen nun zusammen. Die Kontakte laufen meist über Mail oder Telefon, persönlich sehen sie sich nur ein bis zwei Mal im Jahr. „Aber wir kennen uns schon aus der ‚Lernen vor Ort‘-Zeit“, berichtet Derichs. Was aus der geblieben ist, beschreibt er so: „Die Leipziger haben das Programm von Anfang an als eine Art Verwaltungsmodernisierung verstanden, also mehr nach innen wirkend.

Interessant ist, dass sie eine ‚bildungspolitische Stunde‘ mit ihrem Stadtrat etabliert haben, in der die Fachleute losgelöst von Tagesordnungszwängen mit den Politikern über aktuelle bildungspolitische Themen wie U3-Betreuung oder gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung diskutieren. Das heißt, Bildungsthemen erhalten darüber politisch einen anderen Stellenwert. Die Freiburger und wir haben eher Netzwerkarbeit nach außen betrieben.“ In diese werde die Politik in der ein oder anderen Form eingebunden.

Personell haben alle drei Regionen nach dem Ende von „Lernen vor Ort“ abspecken müssen, sagt Derichs. „Aber das Wissen ist erhalten geblieben.“ In Leipzig seien die entsprechenden Mitarbeiter auf verschiedene Ämter verteilt worden, in der Städteregion habe man sich entschieden, das Wissen gebündelt im Bildungsbüro zu belassen. „Überall geblieben ist, dass das Bildungsmanagement von der Verwaltung gesteuert wird“, erklärt Derichs.

Das heißt ganz konkret in der Städteregion: „Wir haben beispielsweise einen Schwerpunkt auf kulturelle Bildung gelegt. Da gibt es regelmäßige Netzwerktreffen mit den Praktikern aus Kitas und Schulen, bei denen gemeinsam Qualitätsstandards entwickelt werden. Da geht es dann um die Frage, was kulturelle Bildung eigentlich ist und wie sie vermittelt werden kann.“

Das Netzwerk, das das Bildungsbüro aufgebaut hat, und die Erfahrungen, die die Teilnehmer mit der Arbeitsweise dieses Netzwerkes gemacht haben, helfen nun auch bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen durch Flüchtlinge, ist Dezernent Terodde überzeugt. Und auch der Austausch mit den Leipzigern und Freiburgern sei da hilfreich. Schließlich habe man auch dort Erfahrung mit dem Thema.

„Die Freiburger etwa arbeiten schon sehr lange mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.“ Da könne man sich einiges abschauen. „Ich weiß, dass es in der Öffentlichkeit beim Stichwort Netzwerktreffen oft heißt: ‚Da sitzen die schön beim Kaffee zusammen und palavern ein bisschen.‘ Aber das ist nicht so.“ Es sei wichtig, bei solchen Treffen frei von hierarchischen Strukturen diskutieren zu können. „Dann kommt auch etwas Gutes dabei raus.“

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