„Bevor die Fachhochschule kam, war es ein Desaster”

Von: aht/red
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Lebhafte Diskussion: (v.l.n.r.
Lebhafte Diskussion: (v.l.n.r.) Martin Dohmen (Waagenbau Dohmen), Marcel Philipp (Oberbürgermeister), Dagmar Wirtz (Geschäftsführerin 3win Maschinenbau) und Prof. Christiane Vaeßen (Prorektorin FH Aachen) erläuterten im Gespräch mit unserem Redakteur Robert Esser, wie Technologietransfer funktioniert. Foto: A. Steindl

Aachen. Martin Dohmen nahm kein Blatt vor den Mund. Der Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Waagenbau Dohmen GmbH aus Würselen schilderte beim Auftakt der Veranstaltungsreihe „Technologietransfer - Wirtschaft trifft Wissenschaft” an der Fachhochschule Aachen in deutlichen Worten, mit welchen Schwierigkeiten das Unternehmen in den 90er Jahren mit der beginnenden Digitalisierung der Technik zu kämpfen hatte.

„Es war ein Desaster!”, so Dohmen. Unfähige Programmierer, die hinter seinem Rücken sogar für Konkurrenten arbeiteten, belasteten die Firma Mitte der 90er Jahre erheblich.

In seiner Not wandte sich der Unternehmer an die Fachhochschule Aachen. Dort löste Professor Volker Sander sein Problem. So wurde für den mittelständischen Handwerksbetrieb eine Software entwickelt, deren professionellen Zuschnitt man eher einem internationalen Branchenriesen zugetraut hätte. Dohmen ist bis heute begeistert. „Wir haben jetzt ein kompetentes Entwicklerteam und stehen wieder fest auf eigenen Füßen”, sagte er.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie der Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in der Praxis und in der Region Aachen funktionieren kann. Der Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten der Stadt Aachen, die Sparkasse, die Agit und die FH möchten mit der neuen Veranstaltungsreihe, die von Oberbürgermeister Marcel Philipp eröffnet wurde, Unternehmen dazu motivieren, eine ähnliche Richtung einzuschlagen. „Aachen ist eine Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt. Wir bringen beide Bereiche zusammen, denn in der Verknüpfung liegt ein großes Potenzial”, sagte Philipp. Banal und unnötig seien oft die Schwellen bei der Kontaktaufnahme, stellte er im Gespräch mit dem Moderator, unserem Redakteur Robert Esser, fest. „Es geht darum, menschlich zusammenzukommen und mal die Räumlichkeiten kennenzulernen”, sagte der OB. So einfach sei oft der Einstieg in lange und vertrauensvolle Kooperationen.

Ein Paradebeispiel für eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft ist die Kooperation der 3win Maschinenbau GmbH mit der Fachhochschule. Unternehmensgründerin Dagmar Wirtz sicherte sich so entscheidende Wettbewerbsvorteile. Gemeinsam haben beide Partner ein sogenanntes An-Institut, das Institut für innovativen Maschinenbau (IfiM), gegründet, das sich im nächsten Jahr im Hochschulerweiterungsgebiet Campus Melaten im Cluster Integrative Produktionstechnik ansiedeln wird. Hier geht es um Forschung zu anwendungsorientierten Technologien - entwickelt wurde beispielsweise ein Plasma-Kanülenstrahler.

„Die FH bemüht sich, viel in der Region bei den Unternehmen unterwegs zu sein. Denn auch für Studierende ist es wichtig, Kontakt zu den Betrieben zu erhalten. Wir geben ihnen das fachliche Rüstzeug, das sie dafür brauchen”, erläuterte Prof. Christiane Vaeßen, Prorektorin der FH. Dieter Begaß, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung der Stadt, machte deutlich, dass die Überlebensfähigkeit von Unternehmen durch den Technologietransfer gesichert werde. „Auch zur Beseitigung des Fachkräftemangels kann dies beitragen”, betonte er - etwa wenn Studierende nach ihrem Abschluss die Stadt nicht auf Arbeitsplatzsuche verlassen, sondern vor Ort einen Job finden.

„Wir versuchen, aktiv auf mittelständische Unternehmen zuzugehen und zu zeigen, wie eine gute Zusammenarbeit aussehen kann”, erklärte Prof. Vaeßen. Davon zeugen mittlerweile hunderte Kooperationen mit unterschiedlichsten Firmen. „Aber es gibt da durchaus noch Luft nach oben”, sagte sie.Für Ulrich Schirowski von der Agit stellt das Projekt „Tettra” den „Überbau” für die Wirtschaftsförderung in Aachen dar. Das grenzüberschreitende Netzwerk vermittelt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Städteregion. Man richtet sich dabei speziell an kleine und mittlere Unternehmen. „Wenn ein Unternehmen Hilfe braucht, genügt ein Anruf bei uns”, sagte Schirowski.

In Sachen Finanzierung gilt das ebenfalls für die Sparkasse Aachen: „Als Mittelstandsfinanzierer Nummer eins in der Region begleiten wir Unternehmen auch schon in ganz frühen Gründungsphasen”, erläuterte Sparkassen-Vorstand Norbert Laufs. Dabei spielen die Technologie-Unternehmen in der Aachener Region durchaus eine herausragende Rolle - etwa wenn Wissenschaftler mehr wirtschaftliche Mittel zur Entwicklung ihres Produkts benötigen. Auch hier sind Wirtschaft und Wissenschaft also eng verzahnt.

Nächste Runde in Stolberg

Nach der unterhaltsamen und gleichzeitig sehr informativen Auftaktveranstaltung suchten viele Teilnehmer noch das ungezwungene Gespräch im FH-Foyer. Und vielleicht wurde dabei schon auf die nächsten Partnerschaften von Unternehmern und Hochschule angestoßen, was natürlich vorteilhaft für alle wäre.

Die nächste Veranstaltung „Technologietransfer - Wirtschaft trifft Wissenschaft”, die auch von der Städteregion getragen wird, findet am Dienstag, 17. April, um 18.30 Uhr in Stolberg in der Sparkasse, Rathausstraße 17, statt. Der Eintritt ist frei. Am 15. Mai geht es in Alsdorf weiter.
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