„Betongold” ist wieder hoch im Kurs

Von: Jutta Geese und Jan Helfmeier
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Aachen. Irene Littek-Braun spricht von einem Rekordjahr: So viele Kaufverträge wie noch nie haben Notare im vergangenen Jahr dem Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Städteregion vorgelegt.

Exakt 6071 unbebaute oder bebaute Grundstücke sowie Eigentumswohnungen haben im vergangenen Jahr ihren Besitzer gewechselt, sagt die Vorsitzende des Ausschusses. Das sind 11,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Noch deutlicher ist der Umsatz gestiegen, um insgesamt 18,4 Prozent (Stadt Aachen: + 13,8 Prozent, Altkreis: + 23,7 Prozent) auf rund 1,07 Milliarden Euro. Was allerdings keine Rekordsumme ist. So erzielten Immobilienverkäufer im Jahr 2007 etwa 1,14 Milliarden Euro mit deutlich weniger Objekten.

Aufbruchstimmung durch Campus

Drei Gründe gibt es nach Auffassung von Littek-Braun und ihren Kollegen - im Ausschuss sitzen insgesamt 22 Menschen verschiedener Professionen, vom Makler über Finanzamtsvertreter bis zu Vermessungsingenieuren - für die hohen Verkaufszahlen im vergangenen Jahr : Weil die Grunderwerbssteuer zum 1. Oktober von 3,5 auf fünf Prozent angehoben wurde, haben viele, die ohnehin ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollten, dies offenbar schneller als geplant getan. Dafür spricht laut Paul Harzon, Geschäftsführer des Gutachterausschusses, dass im dritten Quartal mit über 400 Millionen Euro „so viel Umsatz gemacht worden ist wie seit Gutachterausschussgedenken nicht”. Grund zwei ist laut Littek-Braun die „Flucht in Betongold” angesichts der Finanzkrise. „Viele Menschen besinnen sich auf die Vorteile einer Sachanlage.” In der Städteregion komme als Grund drei für den Boom hinzu, dass das RWTH-Campus-Projekt eine Aufbruchstimmung erzeuge.

Einheitlich ist der Markt jedoch nicht in der Städteregion, wissen die Experten vom Ausschuss, zu dessen Aufgaben ausdrücklich gehört, Transparenz auf dem Immobilienmarkt herzustellen. Das macht er unter anderem mit der jährlichen Erstellung eines Grundstückmarktberichtes auf Basis der Auswertung sämtlicher Kaufverträge sowie der Ermittlung und Veröffentlichung der sogenannten Bodenrichtwerte, also des Preises für einen Quadratmeter Acker- oder Bauland. Die Preise für Ein- oder Zweifamilienghausgrundstücke sind 2011 gegenüber dem Vorjahr angezogen, um bis zu 5,6 Prozent. Vor allem im Aachener Süden müssen Kaufwillige deutlich mehr bezahlen als bislang ohnehin schon. Mit 480 bis 540 Euro je Quadratmeter muss man dort jetzt rechnen. Und selbst in einer „einfachen Wohnlage” mit schlechter Infrastruktur muss man in Aachen 180 Euro je Quadratmeter hinblättern. Deutlich preiswerter ist bauland dagegen in Monschau (30 bis 90 Euro) und in Alsdorf (120 bis 165 Euro), während man in Würselen mit 200 bis 270 Euro dabei ist. „Je näher an Aachen, desto teurer wird es”, sagt Littek-Braun. Das gilt im Wesentlichen auch für bebaute Grundstücke, wobei es auch bei diesen „Ausreißer” nach oben gibt. In begehrten Wohnlagen wie Burtscheid und Laurensberg liegt zudem der von Verkäufern verlangte Preis für eine Immobilie um 20 bis 25 Prozent über dem von den Experten ermittelten Sachwert.

Detaillierte Informationen zum Grundstücksmarkt und zu den Bodenrichtwerten in der Städteregion gibt es im Internet und beim Gutachterausschuss. Fragen zu einzelnen Werten werden unter 0241/5198-2555 beantwortet.
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