Beim Thema Cannabis gibt es erhebliche Wissenslücken

Von: Max Stollenwerk
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Cannabis: Städteregion, Polizei und Suchthilfe informieren über Risiken und Prävention. Symbolbild: Oliver Berg/dpa

Städteregion. Gebt das Hanf frei! Diese Forderung hört man immer öfter. Noch ist es nicht so weit. Doch zumindest eine Cannabistherapie für schwer kranke Menschen ist seit Kurzem möglich. Cannabis kann als Arzneimittel verordnet werden. Das hat der Bundestag Anfang des Jahres beschlossen.

Das städteregionale Amt für Kinder-, Jugend- und Familienberatung hat zu dieser Thematik, zu Risiken von Cannabis-Konsum sowie zu Präventionsmaßnahmen, in Kooperation mit der Fachstelle für Suchtvorbeugung Aachen, eine Veranstaltung organisiert. Parallel dazu läuft in der Städteregion die Aufklärungsaktion „Kiff Dich nicht weg“. Neben Experten von Gesundheitsamt, Suchthilfe und Polizei war Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Landeskoordinator für Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen, jetzt Gast im Monschauer Aukloster.

„Wir müssen einen gesunden Mittelweg finden zwischen der Null-Toleranz-Politik und der Entkriminalisierung von Cannabis. Die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen bleibt ohne Zweifel bestehen“, lautete die Kernbotschaft von Hallmann. Aufgrund der aktuellen Debatte müsse man die geltende Gesetzeslage in Deutschland überdenken. „Wer Cannabis unbedingt konsumieren will, macht dies jedoch unabhängig davon, ob es gesetzlich verboten ist oder nicht“, stellte er klar.

In seinem Vortrag blickte Hallmann auf die Geschichte der Drogenpolitik von den 1960er Jahren bis heute. Ausführlich legte er Vor- und Nachteile von Cannabis-Konsum sowie mögliche Nebenwirkungen dar. Einerseits könnten Hochgefühle entstehen, andererseits auch Panik, Depressionen oder Orientierungslosigkeit, erläuterte der Experte. Besonders ausgeprägt seien die Nebenwirkungen bei unter 17-Jährigen. Auslöser für den Konsum von Cannabis sind laut Hallmann in den meisten Fällen das Rauchen oder der Konsum von Alkohol. „Es ist deshalb wichtig, dass die Eltern eine Vorbildfunktion übernehmen.“

Jutta Breuer vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes berichtete, dass sowohl jüngere Leute als auch Eltern zur Beratung kämen. „Viele jungen Leute erkennen die Gefahr des Konsums nicht“, betonte Breuer. Viele seien bereits psychisch belastet oder litten unter Depressionen, wenn sie Hilfe suchen. Ein weiteres Problem sei, dass die Jugendlichen oft uneinsichtig seien.

Hans-Joachim Funken, Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Aachen und zuständig für Kriminalprävention und Opferschutz, erklärte: „Aus polizeilicher Sicht ist und bleibt der Konsum und Besitz von Cannabis zunächst einmal eine Straftat.“ Wenn jemand überführt werde, sei er polizeilich erfasst, was später zu Nachteilen führen könne. Ziel der Polizei sei es vornehmlich, Jugendliche durch Aufklärungsarbeit zum Nachdenken zu bringen und ihnen die Gefahren aufzuzeigen. Deshalb arbeite die Polizei eng mit den Jugendämtern zusammen. „Oft zeigen sich die Jugendlichen von den möglichen rechtlichen Folgen überrascht“, sagte Funken.

Elke Koch von der Suchthilfe sah die Veranstaltung als „Baustein für eine Versachlichung“ der Diskussion. „Die Cannabis-Debatte ist bei den Jugendlichen ein Thema, und es besteht ein hoher Bedarf an Informationen“, sagte sie. „Bei vielen Jugendlichen bestehen erhebliche Wissenslücken.“

Aus dem Publikum kam die Forderung nach mehr Sozialarbeitern und Schulpsychologen, um früh mit der Präventionsarbeit zu beginnen. Ein Lehrer sagte, er habe das Gefühl, mit der Problematik allein gelassen zu sein, „mehr als vor 20 Jahren“. Ziel müsse sein, Lösungen zusammen mit Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern, Psychologen und Betroffenen zu finden.

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