Bei häuslicher Gewalt gibt es viele Wiederholungstäter

Von: Nina Krüsmann
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Helfen Opfern häuslicher Gewa
Helfen Opfern häuslicher Gewalt: Dorothea Hennen, Natalie Djurkovic, Renate Wallraff, Sylvia Reinders und Annette Pütz. Foto: Krüsmann

Alsdorf/Aachen. Bedrohung, Misshandlung, Isolation, Nötigung, Einschüchterung, Stalking, sexuelle Gewalt oder Erniedrigung von Frauen und ihren Kindern: Mehr als 900 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt wurden im vergangenen Jahr in der Städteregion erstattet.

In 375 Fällen vermittelte die Aachener Polizei die Betroffenen an die Interventionsstellen (IST) des Vereins „Frauen helfen Frauen” in Aachen und des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Aachen. Deren Vertreterinnen und Kriminalhauptkommissarin Sylvia Reinders, Opferschutzbeauftragte der Polizei Aachen, stellten jetzt die aktuellen Zahlen vor.

„Grundlage für diese Zusammenarbeit ist das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz. Die Kooperation soll eine direkte Hilfestellung für von Gewalt betroffene Familien bieten”, erklärt Annette Pütz von „Frauen helfen Frauen”. Und Reinders ergänzt: „Kommt es im Rahmen häuslicher Gewalt zu einem Polizeieinsatz, erhalten die Betroffenen Kontaktadressen für eine weitere Beratung. Auf Wunsch geben wir auch die persönlichen Daten an die IST in Aachen und Alsdorf weiter.”

Beratung und Information erfolgen dann je nach Wunsch persönlich oder telefonisch. Für die Stadt Aachen wird die Aufgabe der Interventionsstelle vom Verein „Frauen helfen Frauen” übernommen, für die Kommunen im ehemaligen Kreisgebiet ist die Fachstelle gegen häusliche Gewalt mit Sitz in Alsdorf zuständig. Diese gehört zum Diakonischen Werk und kooperiert mit dem Sozialdienst katholischer Frauen in Stolberg.

„Die Zahl der Strafanzeigen folgt dem Landestrend. Gegenüber dem Vorjahr hat sich nicht viel verändert. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Die Dunkelziffer ist viel höher”, betont Reinders. Eine Handvoll Sorgenkinder habe man, die seit Jahren immer wieder auffällig werden. „Wiederholungstäter gibt es leider viele, und nach einer Studie braucht es bis zu sieben Gewaltvorkommnisse, bis eine Frau sich trennt”, sagt die Opferschutzbeauftragte. „Wir hatten mit 160 Beratungsfällen in 2010 einen Zuwachs zu verzeichnen. Darunter waren zwei Männer als Opfer und 67 Migrantinnen. 92 Frauen hatten Kinder”, differenziert Pütz die Statistik.

„Unser großer Wunsch wäre es, unsere personellen Kapazitäten dem gestiegenen Bedarf anzupassen”, betont Renate Wallraff, Leiterin der Fachstelle in Alsdorf. Nötig sei etwa die Begleitung von Klientinnen bei Behördengängen oder Gerichtsterminen. „Auch in der Beratung wäre mehr Zeit wichtig, um besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen zu können.” Derzeit bewältige man die Arbeit mit nur 3,5 Vollzeitstellen.

In der Stadt Aachen ist der Anteil der Migrantinnen unter den Klientinnen sehr hoch. Das kann durch das mehrsprachige Team und einen Dolmetscherpool aufgefangen werden. „Im Altkreis stehen uns dafür leider keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung. Hier erweist sich die gut funktionierende Netzwerkarbeit als sehr bedeutend”, betont Wallraff.

In der Mehrheit sind Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, die sich sowohl körperlich als auch psychisch niederschlägt. „Es kommt aber auch vor, dass Söhne gegen Mütter, Brüder gegen Schwestern, Mütter gegen Töchter gewalttätig werden oder Frauen gegen Männer. Auch in solchen Fällen versuchen wir zu helfen”, sagt Pütz.

Kontakt per Telefon oder E-Mail

Die Interventionsstellen häusliche Gewalt von „Frauen helfen Frauen” und vom Diakonischen Werk sind wie folgt zu erreichen:

Stadt Aachen: Tel. 0241/902416, E-Mail: info@fhf-aachen.de

Altkreis Aachen: Tel. 02404/ 91000, E-Mail: frauenhaus-alsdorf@diakonie-aachen.de

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