Baustelle Kreishaus: Im Neubau steckt der Wert des Alten

Von: Udo Kals
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Quirlige Baustelle: Neben dem Erweiterungsbau (links) entsteht derzeit der Neubaukomplex, der mit den - zurzeit abgehängten - denkmalgeschützten Jugendstilgebäuden verbunden wird. Die Fassaden der drei rund 100 Jahre alten Häuser an der Zollernstraße bleiben erhalten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. So etwas hat es in Aachen noch nie gegeben. Darin sind sich die drei einig. Bauleiter Stefan Keulen, Walter Mertens vom Bauherren Sparkasse Aachen und Dieter Krull, der als Baustellen-Controller für das Kreditinstitut tätig ist, stehen im zweiten Obergeschoss eines der denkmalgeschützten Jugendstilgebäude an der Zollernstraße und schauen auf die Baustelle hinunter, wo Kräne Stahlstangen durch die Luft hieven, Bauarbeiter Schalbretter verlegen und immer wieder neues Baumaterial angeliefert wird.

Es läuft auf der Baustelle neben dem Städteregionshaus in Aachen. „Eigentlich sind wir dem Zeitplan zurzeit sogar voraus”, sagt Sparkassendirektor Mertens. Ende des Jahres soll laut Plan der Neubau mit den drei Altbauten zusammengewachsen sein, weitere zehn Monate sind für den Innenausbau veranschlagt. „Wir können zwar nicht mit dem Neubau der Aachen-Münchener konkurrieren”, sagt Mertens: „Aber im Herbst 2011 werden wir es geschafft haben, die alte Bausubstanz aus den Jahren um 1900 mit dem Neubau zu verschmelzen.” Und darauf, man merkt es den Beteiligten an, sind sie jetzt schon stolz.

Nach all den Diskussionen, die bis zum ersten Spatenstich vor rund einem Jahr über den Denkmalschutz geführt worden sind, betont Mertens nicht nur, dass nach intensiven Beratungen mit der Denkmalbehörde nun weiterhin Hand in Hand gearbeitet werde. Sondern er unterstreicht auch: „Wir sind froh, dass es nicht zu einem Abriss gekommen ist.” Natürlich macht es den 20-Millionen-Euro-Bau teurer, natürlich verlängert es die Bauzeit um knapp sechs Monate. Aber, so sagt er: „Es gibt der Immobilie eine Wertigkeit, die ein anderer Neubau nicht hat.”

Noch ist dieser Reiz zwischen aufgebrochenen Parkettböden, abgerissenen Tapeten und durchbohrten Decken nur zu erahnen. Doch wer das mächtige Holztreppenhaus in Hausnummer 24 emporsteigt oder das Wandfliesendekor im Eingang Nummer 28 sieht, der weiß, was verloren gegangenen wäre, wenn die Bagger die rund 100 Jahre alten Häuser plattgemacht hätten.

Nun stehen Bauleiter Keulen und sein Team vor „einer großen Herausforderung”. Denn sie müssen das, was in rund zwölfmonatiger Vorarbeit akribisch geplant und berechnet worden ist und 50 Aktenordner mit Plänen und Zahlen füllt, detailgenau umsetzen. 20.000 Kubikmeter Beton und 500 Tonnen Stahl werden verbaut, 200 laufende Meter Fassade werden an Zollern- und Bachstraße hochgezogen. Das ist die eine Seite. Die andere ist: „Wir müssen den alten Gebäudeteil, was etwa Brandschutz, Dämmung und Statik anbelangt, auf das heutige Niveau bringen”, sagt Keulen. Und ergänzt: „Ganz zu schweigen davon, dass es früher viel höhere Räume gegeben hat.”

Das heißt: Durch eine geschickte Verteilung von Rampen und Treppen muss auch fußläufig ein möglichst nahtloser Übergang von Alt nach Neu geschaffen werden. Schließlich sollen sich die rund 300 Mitarbeiter der Städteregionsverwaltung, die ab Oktober 2011 auf rund 7000 Quadratmetern und fünf Stockwerken im Schatten der beiden bestehenden Verwaltungsgebäude arbeiten werden, auch sicher und wohl fühlen.

Aber was heißt schon Schatten - vielmehr soll sich das dritte Gebäude auf Augenhöhe mit den beiden Vorgängern einfügen. Controller Dieter Krull formuliert den architektonischen Dreiklang so: „Das alte Kreishaus-Hochhaus hat mit dem gelben Erweiterungsbau gesprochen - wir geben jetzt die Antwort.”
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