„Bad Knöllchen“ kassiert Rekordsummen

Von: Robert Esser
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Weniger Parksünder: 2014 nahm Abschleppunternehmer Peters im städtischen Auftrag 4989 Falschparker in Aachen an den sprichwörtlichen Haken. Der Exklusivvertrag läuft Ende 2015 aus, kann aber verlängert werden. Foto: Ralf Roeger
Abgeschleppte Autos
Weniger Parksünder: 2014 nahm Abschleppunternehmer Peters im städtischen Auftrag 4989 Falschparker in Aachen an den sprichwörtlichen Haken. Der Exklusivvertrag läuft Ende 2015 aus, kann aber verlängert werden. Foto: AZ/Thomas

Aachen. Von wegen „Bad Knöllchen“: Die Flut der gelben Zettel in Aachen ebbt weiter ab. 227.124 Knöllchen für Falschparker haben vergangenes Jahr 3,75 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült. Das sind 150.000 Euro weniger als im Rekordjahr 2013.

Und wie von 2012 auf 2013 sank die Anzahl der Verwarnungsgelder ein weiteres Mal um rund 30.000 Fälle. Dies teilte die Stadt Aachen am Montag auf Anfrage der Aachener Zeitung mit.

Trotzdem steht unterm Strich ein sattes Plus. Ein historisches Rekordeinspielergebnis verbucht die Stadt nämlich dank immer mehr Parkscheinautomaten und hohen Besucherzahlen im Karlsjahr: Vier Millionen Euro steckten Autofahrer in die Automatenschlitze, um ihre Karossen am Straßenrand abstellen zu dürfen.

Das sind 300.000 Euro mehr als 2013 und 700.000 Euro mehr als 2012. Die sogenannte „Parkraumbewirtschaftung“ entwickelt sich für die Kaiserstadt zu einem Bombengeschäft: Gesamteinnahmen durch Parktickets und Knöllchen 2014: rund 7,75 Millionen Euro.

Hinzu kommen noch Millionenerträge der städtischen Parkhausgesellschaft Apag. Der Trend sei positiv, erklärte die Apag am Montag. Genaue Zahlen will sie aber noch nicht nennen. Die gebe es erst im offiziellen Geschäftsbericht 2014, wahrscheinlich im März 2015...

Deutlich flotter sind andere: Trotzdem blieb ein Rekordwert des Jahres 2013 im Folgejahr unerreicht. 5270 falsch geparkte Autos hatte das von der Stadt beauftragte Abschleppunternehmen Peters damals an den Haken genommen. 2014 zählte das Ordnungsamt 4989 Abschleppvorgänge – 281 weniger.

„Ich würde hier noch nicht von einem eindeutigen Trend sprechen“, sagte Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke. „Aber wir haben schon das Gefühl, dass weniger Autofahrer leichtfertig mal eben ohne Parkticket oder auf unzulässigen Plätzen ihr Fahrzeug abstellen, seitdem das geringste Verwarnungsgeld im April 2013 von fünf auf zehn Euro angehoben wurde“, sagte er. Es werde „weniger gepokert“, stellte er fest.

Tatsache ist zudem, dass Politessen und deren männliche Kollegen den stehenden Verkehr in Aachen dank moderner Handy-Technik effektiver denn je überwachen können. Die Wahrscheinlichkeit, als Falschparker erwischt zu werden, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Billiger abschleppen

Schneller – aber 36 Prozent günstiger als der frühere Abschleppvertragspartner Strang – ist auch die Abschleppfirma Peters in Aachen unterwegs. „Die modernen technischen Aufbauten unserer Abschlepper verkürzen die Zeit der Fahrzeugaufnahme erheblich. Technisch gesehen wird ja keiner mehr umständlich an den Haken genommen“, erläuterte Geschäftsführer Andreas Peters.

Fünf seiner 18 Abschleppfahrzeuge kümmern sich um Falschparker – teils mit Personal des Ordnungsamtes an Bord. Obwohl seine „Abschlepp-Pickups“ laut Peters erst vier bis fünf Jahre alt sind, musste die Flotte zuletzt einige Ausfälle verkraften. „Dadurch gingen wohl die Abschleppzahlen etwas zurück“, sagte er. Man habe für einige notwendige Reparaturen sehr lange auf spezielle Ersatzteile des Herstellers warten müssen, räumte er ein.

Peters: „Entscheidend ist, dass unsere Fahrzeuge technisch einwandfrei auf die Straße gehen. Wir müssen aber auch wirtschaftlich arbeiten und nicht zuletzt die Kosten für den Kunden im Blick behalten.“

Um genau diese Kosten geht es, wenn die Stadt Aachen jeweils für drei Jahre den Exklusiv-Auftrag zum Abschleppen von Falschparkern vergibt. 2013 hatte Peters den lukrativen Auftrag dank besserer Konditionen bekommen – und den langjährigen Vorgänger Strang aus dem Geschäft gedrängt.

Daraufhin sanken die reinen Abschleppkosten für betroffene Parksünder von 123 auf 79,73 Euro (plus mindestens 4,17 Euro Standgebühr sowie an die Stadtkasse 50 Euro Verwaltungsgebühr plus Bußgeld).

Mitte 2015 wird der Abschleppauftrag nun turnusmäßig neu ausgeschrieben. Welcher Unternehmer dann obenauf ist oder baden geht – und wer wessen Kassen flutet–, entscheidet sich Ende dieses Jahres. Es geht um viel Geld.

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