AWA: Müll wird verwertet statt nur entsorgt

Von: Jutta Geese
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Ein Blick auf das Entsorgungs- und Logistikzentrum Warden: Auf der früheren Mülldeponie befinden sich unter anderem ein Kleinanliefererplatz (vorne rechts), eine Papierhalle (Bildmitte), ein Sortierbereich für Sperrmüll (links neben der Fahrzeugflotte) und ein Kompostierplatz (vorne links). Dieser wird demnächst auf die freie Fläche neben der Papierhalle verlegt. Im Hintergrund links sind bereits rekultivierte Deponieflächen zu sehen. Foto: AWA
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Ist seit 1993 Geschäftsführer der AWA Entsorgung: Ulrich Koch. Doch bald will er aufhören. Er hat den Aufsichtsrat gebeten, nach 24 Jahren seinen Arbeitsvertrag zum 31. März 2017 aufzulösen. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Was passieren würde, wenn es keine funktionierende Abfallbeseitigung gäbe, kann man immer wieder mal in Italien beobachten: In den Städten türmen sich Müllberge auf und es stinkt erbärmlich. Geradezu harmlos sind dagegen die Auswirkungen, wenn – was äußerst selten geschieht - hierzulande Müllwerker für mehr Lohn streiken.

Die Abfallbeseitigung gehört in Deutschland zu den Pflichtaufgaben der Kreise und kreisfreien Städte. Die Stadt Aachen und der ehemalige Kreis Aachen haben sich dafür entschieden, diese Aufgabe nicht Privatunternehmen zu übertragen, sondern sie selbst zu übernehmen. Bereits seit Jahrzehnten, lange vor Gründung der Städteregion, arbeiten sie in diesem Bereich zusammen. Vor 25 Jahren haben sie dann mit der „Abfallwirtschaft Kreis und Stadt Aachen“ (AWA) auch eine gemeinsame Gesellschaft dafür gegründet. Heute heißt diese „AWA Entsorgung GmbH“ und ist Teil eines fünf Gesellschaften umfassenden kommunalen Firmengeflechts.

„Obwohl die Mülldeponie Warden im April 1983 gerade frisch ans Netz gegangen war, haben sich Kreis und Stadt Aachen schon früh Gedanken darüber gemacht, was danach kommt“, sagt Ulrich Koch und fügt hinzu: „Auch unter dem ‚sympathischen‘ Druck des damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes.“ Müllverbrennung und Müllverwertung hießen die Schlagwörter, die ab Mitte der 1980er Jahre für jede Menge Zündstoff und hitzige Debatten in Politik und Gesellschaft sorgten.

„Für Kreis und Stadt Aachen war es damals jedoch selbstverständlich, dass man dabei weiter zusammenarbeitet und dafür eine gemeinsame Tochtergesellschaft gründet.“ 1991 wurde also die AWA gegründet, deren Geschäftsführer Ulrich Koch zum 1. Januar 1993 wurde. In dieser Woche hat er jedoch den Aufsichtsrat gebeten, seinen Arbeitsvertrag nach fast 24 Jahren aufzulösen. Spätestens am 31. März kommenden Jahres will er aufhören.

Hauptaufgabe der AWA war es, ein Konzept für die Abfallentsorgung in Kreis und Stadt Aachen zu entwickeln, die nötigen Anlagen dafür zu bauen und zu betreiben. Letzteres, sagt Koch, war der Hauptgrund, weshalb man sich für die Gründung einer GmbH entschieden hat. „Stadt und Kreis standen ja vor großen Investitionen und die wollte man aus den internen Prozessen der Verwaltungen heraushalten. Auch aus steuerlichen Gründen.“

Gebaut werden sollte ja nicht nur eine Müllverbrennungsanlage (MVA). Geplant war auch der Bau von sechs dezentralen Kompostierungsanlagen. „Eine zentrale Anlage in Würselen ist dann letztlich nur dabei herausgekommen“, stellt Koch fest. Die ist inzwischen mit einer Biovergärungsanlage ausgebaut worden, was die Kapazitäten deutlich erhöht hat.

Den Bau der MVA mussten Kreis und Stadt Aachen damals alleine stemmen, die Nachbarkreise wollten nicht mitziehen. Es mussten also andere Partner gefunden werden. Gebaut wurde schließlich in Weisweiler, gleich neben dem Kraftwerk, wo RWE ein Grundstück angeboten hatte. RWE stieg dann auch als Partner bei der Betriebsführung ein. „Keiner wollte eine MVA in seiner Stadt haben“, erinnert sich Koch. „Manch einer ärgert sich heute darüber. Denn wir sind ein zuverlässiger Steuerzahler. Die Stadt Eschweiler erhält von AWA und MVA Gewerbesteuer, rund 500.000 Euro waren das im vergangenen Jahr.“

Im Jahr 2003 klopfte der Kreis Düren bei Kreis und Stadt Aachen an und wollte nun doch bei der Müllverbrennung mitmachen. „Die hatten damals noch eine Deponie und wollten deren Laufzeit verlängern lassen. Die Bezirksregierung hat dann gesagt, das geht nur im regionalen Konsens. Und die Aachener Politik hat gesagt: Nur dann, wenn ein Zweckverband gegründet wird und der Kreis Düren nach und nach mehr Müll nach Weisweiler schickt“, erklärt Koch. So wurde dann der ZEW, der Zweckverband Entsorgungsregion West, gegründet. Mitglieder sind zu je einem Drittel die Stadt Aachen, der Kreis Aachen beziehungsweise jetzt die Städteregion als dessen Rechtsnachfolgerin und der Kreis Düren. Der ZEW wurde dann mit 93,75 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter der AWA Entsorgung GmbH, (Städteregion und Stadt Aachen halten jeweils noch 3,125 Prozent) und beauftragt seither die AWA mit dem „operativen Geschäft“, also der Umsetzung der abfallwirtschaftlichen Aufgaben nach dem Kreislaufwirtschafts- und dem Landesabfallgesetz. Die AWA wiederum ist zu 50 Prozent an der MVA Weisweiler beteiligt, die andere Hälfte gehört der ebenfalls kommunalen Entsorgungsgesellschaft Niederrhein.

Doch zurück zur AWA: Die Gesellschaft ist heute für die Entsorgung des Abfalls von rund 800.000 Menschen in der Region verantwortlich. „Aber nicht für die Müllabfuhr“, betont Geschäftsführer Koch. Deren Organisation liegt in den Händen der einzelnen Kommunen. Mehr als die Hälfte der 25 Städte und Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der AWA haben für die Sammlung und den Transport des kommunalen Mülls eine eigene Gesellschaft gegründet, die Regioentsorgung, deren Geschäftsführer Koch ebenfalls ist. Die AWA entsorgt den Müll unter anderem in der MVA, in Kompostwerken und in der Biovergärungsanlage, und verkauft Wiederverwertbares wie Altpapier, Schrott und Altholz.

„Wir gehen immer mehr in Richtung Wiederverwertung. Da sind wir schon heute gut“, sagt Koch mit Blick darauf, dass zwei Drittel des Mülls aus der Region zu Energie und neuen Rohstoffen verarbeitet werden. Es gibt aber auch immer wieder neue Ideen, noch Brauchbares zu nutzen statt es wegzuwerfen. „Am 9. September eröffnen wir in Eschweiler am Langwahn zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt den Ömmesönz-Laden“, berichtet er.

Dort kann man Dinge, die man nicht mehr braucht, aber die noch in Ordnung sind, abgegeben. Und jeder kann sich dort kostenlos bedienen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das gut angenommen wird“, sagt Koch, der auch darüber nachdenkt, wie die AWA die Idee der Repair-Cafés (Reparieren statt wegwerfen) unterstützen kann.

Stolz ist Koch darauf, dass die AWA es in den vergangenen zehn Jahren geschafft hat, die Gebühren nicht nur stabil zu halten, sondern teilweise sogar zu senken – „trotz aller Kostensteigerung im Umfeld wie Personal, Benzin, Steuern“. Stolz ist er auch darauf, dass sein Unternehmen keinen Fachkräftemangel befürchten muss. „Im Verhältnis zu unserer Mitarbeiterzahl bilden wir nämlich sehr viel aus“, sagt er.

Die Ausbildungsquote liege bei 14 Prozent. Derzeit werden 13 junge Leute im kaufmännischen oder technischen Bereich ausgebildet. Um die Zukunft der AWA macht Ulrich Koch sich keine Sorgen. Die Gesellschaft stehe in jeder Hinsicht auf sicheren Füßen.

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