Städteregion - AWA Abfallberatung: „Eifer beim Trennen lässt spürbar nach“

AWA Abfallberatung: „Eifer beim Trennen lässt spürbar nach“

Von: Michael Grobusch
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Haben einiges erlebt in 25 Jahren Abfallberatung: Regina Brück und Hermann-Josef Ostlender – hier vor der Müllverbrennungsanlage in Weisweiler – beraten die Bürger in der Städteregion, wenn es um Vermeidung, Verwertung und Entsorgung geht. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Wer die Abfallberatung der AWA Entsorgung GmbH finden möchte, der muss ganz schön suchen. Die Zeiten, in denen ihre Mitarbeiter in den Rathäusern in der Städteregion bzw. im Kreis Aachen anzutreffen waren, sind lange vorbei. Schon seit 2007 sind sie zentral in Weisweiler untergebracht. „Das ist aber kein Problem“, versichern Regina Brück und Hermann-Josef Ostlender.

„Im Zeitalter von E-Mail, Internet und Apps ist der direkte Bürokontakt nicht mehr so gefragt.“ Über diese und andere Entwicklungen haben die Leiterin der Abfallberatung und der Leiter des Kundenservices anlässlich des 25-jährigen Bestehens der AWA im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.

25 Jahre AWA Abfallberatung. Da drängt sich die Frage auf: Wie sind wir denn heute in diesem Bereich aufgestellt?

Ostlender: Ein bisschen fühle ich mich an den Beginn unserer Arbeit zurückversetzt. Der Eifer beim Trennen lässt spürbar nach. Beispielsweise finden wir in den Biotonnen vermehrt Dinge, die dort nicht hineingehören. Etwa Restmüll, Glas oder auch Windeln. Das ist ein großes Problem für uns, denn nur sauber getrennter Abfall lässt sich auch verwerten.

Das ist erstaunlich, hat man doch den Eindruck, dass die Deutschen beim Trennen spitze sind.

Ostlender: In erster Linie sind die Deutschen Europameister im Produzieren von Verpackungsmüll. Die Mengen sind stetig steigend, weil immer mehr konsumiert wird und die Verpackungen aufwendiger werden. Deshalb ist die Abfallmenge pro Person und Jahr in der Städteregion von 382 Kilo im Jahr 1991 auf 409,8 Kilo im Jahr 2015 gestiegen.

Brück: Es gibt aber natürlich auch positive Aspekte. 1991 landeten noch etwa drei Viertel des Abfalls auf der Deponie, heute macht der Anteil nur noch ein Drittel aus. Das ist ein großer Erfolg und zeigt, dass unsere Arbeit gefruchtet hat.

Wie war die Situation, als Sie Ihre Arbeit aufgenommen haben?

Ostlender: Abfall hatte damals einen ganz anderen Stellenwert in der umweltpolitischen Diskussion als heute und stand hinter dem Atomstrom an zweiter Stelle. Das lag auch daran, dass wir einen Entsorgungsnotstand hatten. Die Deponien waren endlich, die Müllmengen aber stiegen auch zu dieser Zeit schon. Trotzdem wollte niemand eine neue Entsorgungsanlage in seiner Nachbarschaft errichten. So wurde der Fokus verstärkt darauf gerichtet, Wertstoffe aus dem Abfall herauszuziehen. Auch die Abfallvermeidung wurde zunehmend zu einem Thema.

Brück: Das hat sich auch auf die Gesetze niedergeschlagen. 1991 ist die Verpackungsverordnung mit dem grünen Punkt in Kraft getreten, ab 1993 wurden die Getrenntsammelsysteme eingeführt. 1996 wurde das Bundesabfallgesetz von 1986 abgelöst durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Vermeidung und Verwertung noch mehr in den Vordergrund stellte. Und seit der Novellierung 2012 steht die Abfallvermeidung in der fünfstufigen Abfallhierarchie an erster Stelle, dahinter kommt die Vorbereitung zur Wiederverwendung.

Wo liegen heute die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Brück: Ein großer Bereich ist immer noch die individuelle Beratung. 2016 haben wir rund 14.000 Anrufe registriert. In ganz vielen Fällen ging es darum zu klären, was man wo, wann und zu welchem Preis abgeben kann. Klassiker sind auch die Frage, was in den gelben Sack darf oder wann das Schadstoffmobil wo sein wird.

Ostlender: Eine weitere Hauptaufgabe ist die abfallpädagogische Arbeit in Kitas und Grundschulen. Da versuchen wir Fundamente zu legen, die auch noch im Erwachsenenalter tragen. Darüber hinaus machen wir verstärkt Projektarbeiten, um das Thema Abfallberatung und Abfallvermeidung städteregionsweit abzubilden. Dazu zählen Ausstellungen, Wettbewerbe, Flyer, Vorträge und die Beteiligung an Aktionen wie beispielsweise die Woche der Abfallvermeidung im vergangenen November.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Sehen Sie eine Chance, die Abfallmengen in den kommenden Jahren zu reduzieren?

Brück: Das können wir nur schaffen, wenn wir unser Konsumverhalten ändern. Es gibt heutzutage Gruppen von vor allem jungen Menschen, die das sehr bewusst praktizieren. Ob sich das aber gesamtgesellschaftlich durchsetzen wird, da bin ich eher skeptisch. Vielleicht wird die Entwicklung durch den von uns ausgemachten Trend zur Mehrfachnutzung ja begünstigt.

Die Zahl der Menschen, die Sachen ausleihen statt sie zu kaufen, steigt. Beispielsweise beim Carsharing oder im Garten- und Handwerkerbereich. Zudem wird wieder häufiger beim Kauf auf Qualität und längere Lebensdauer geachtet. Wir versuchen als AWA Abfallberatung immer wieder, auf ein solches Verbraucherverhalten hinzuarbeiten. Allerdings haben wir das auch schon vor 25 Jahren gemacht.

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