Städteregion - Ausgrenzung: Der kleine, radikale Kern verhärtet sich

Ausgrenzung: Der kleine, radikale Kern verhärtet sich

Von: Rolf Hohl
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Städteregion. Gruppen zu bilden, ist eigentlich etwas Gutes. Bei der Arbeit kann man zusammen mehr erreichen, in der Freizeit macht es gemeinsam mehr Spaß.

Und die Gruppe schafft Identität: Wir, die Autofahrer. Wir, die Heterosexuellen. Wir, das Volk? Ja, auch das gehört zur Wirklichkeit der Gruppenbildung: Sie schafft nicht nur Zusammenhalt, sondern auch Abgrenzung zu den vermeintlich Anderen.

Was für einen Einfluss das auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen hat, diskutierten jetzt Vertreter aus Wissenschaft, Medien und der Verwaltung im Haus der Städteregion unter dem Titel „Die inszenierte Konfrontation“.

Man muss heute nicht lange suchen, um Belege zu finden für das Phänomen der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen, die der Einfachheit halber einer Gruppe zugeordnet werden. Wo die Grenze zwischen dem Wir und den Anderen verläuft, ist dabei ziemlich willkürlich, erklärte Beate Küpper, Sozialforscherin an der Hochschule Niederrhein. „Das wird besonders dann problematisch, wenn etwa Lehrer oder Sozialarbeiter darüber entscheiden, wem sie noch eine Chance geben und wem nicht, weil sie die Menschen einer bestimmten Gruppe zuordnen.“

Die Unterscheidung, wer etwa zum „Volk“ gehöre und wer nicht, sei eines der wesentlichen Narrative, auf denen derzeit Rechtspopulisten in ihren Botschaften aufbauten, sagte Küpper. Dennoch belege die Forschung, dass das viel gezeichnete Bild einer breiten Ablehnung der deutschen Flüchtlingspolitik in der Bevölkerung ein falsches sei. Auch gebe es insgesamt keine Tendenz zu mehr Fremdenfeindlichkeit.

„Aber da gibt es einen kleinen radikalen Kern von Leuten, der sich verhärtet hat.“ Dieser falle zusehends durch Aggressivität und Gewaltbereitschaft auf – Attribute, die man bislang vor allem im rechtsextremen Milieu beobachtet hatte. 2016 wurden laut Küpper in Deutschland bereits über 440 tätliche Angriffe auf Polizisten, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Politiker registriert.

Das sei Beleg für eine Verrohung, die auch Safi Özbay vom Arbeitskreis der Integrationsräte in der Städteregion aufgefallen ist: „Wir erleben Leute, die sich früher nicht so radikal geäußert haben und jetzt in diesem gesellschaftlichen Klima mutiger geworden sind.“ Diesen verbalen Aufwiegelungen und den populistischen Tendenzen in der öffentlichen Diskussion mit Sachlichkeit entgegenzuwirken, wäre auch Aufgabe der Medien, mahnte Psychologin Küpper.

Diese hätten aber nur noch einen begrenzten Einfluss auf Art und Inhalt solcher Auseinandersetzungen, betonte René Benden, Redakteur unserer Zeitung. „Politische Diskussion findet zu einem großen Teil in geschlossenen Räumen im Internet statt. Dort scheitert Kommunikation.“ Er nahm damit Bezug auf die Mechanismen in den sozialen Medien, nach denen man dort fast ausschließlich Meinungen präsentiert bekommt, denen man tendenziell eher zustimmt.

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