Aufstockung soll Leitstelle aus der Not helfen

Von: Michael Grobusch
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In der städteregionalen Leitstelle werden pro Jahr mehr als 100 000 Einsätze koordiniert. Wegen der zunehmenden Belastung und der neuen Arbeitszeitverordnung sollen nach dem Willen von Stadt und Städteregion zusätzliche Stellen geschaffen werden. Foto: Imago/M. Segerer

Städteregion. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass die Städteregion und die Stadt Aachen ihren Streit über die Kosten für die gemeinsame Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst gänzlich beigelegt haben. Zumindest gibt es jetzt aber eine spürbare Entspannung in dem Konflikt, der seit Jahren schwelt und zuletzt wieder zu eskalieren drohte, weil die städteregionale Politik ihren Unmut über stetige finanzielle Nachforderungen sehr deutlich zum Ausdruck gebracht hatte.

Was aber ist geschehen? Zum einen fällt die Jahresabrechnung 2015 unerwartet positiv aus. Denn für den Betrieb der Leitstelle, den die Stadt Aachen sicherstellt und dessen Kosten sie anteilig weitergibt, muss die Städteregion statt der kalkulierten 3,95 nur 3,62 Millionen Euro zahlen. Zum anderen – und das scheint von weitaus größerer Bedeutung zu sein – reden beide Seiten mittlerweile wieder regelmäßig und vernünftig miteinander.

Den Rahmen hierfür bietet der Leitstellenbeirat, der lange Zeit nur dadurch Aufmerksamkeit erlangte, dass seine Sitzungen fast immer ausfielen. Mittlerweile aber tagt das Gremium, das vor knapp vier Jahren zusammen mit der gemeinsamen Leitstelle geschaffen wurde, um der Städteregion eine adäquate Einflussmöglichkeit zu geben, regelmäßig. Das verbessert die Kommunikation und fördert das Verständnis füreinander.

„Wir haben uns darauf verständigt, dass wir die Dinge zunächst intern klären und dann an die Politik herantreten. Das ist jetzt der Fall“, betont Gregor Jansen. Der städteregionale Dezernent zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis, das er in den vergangenen Wochen mit dem städtischen Beigeordneten Dr. Markus Kremer sowie dem Leiter der Aachener Berufsfeuerwehr, Jürgen Wolff, erzielt hat. Dabei ging es vor allem darum zu klären, wie es zu den erwähnten Kostensteigerungen gekommen ist und wie die Perspektiven für die kommenden Jahre sind. „Es gab längere Diskussionen, aber wir sind sorgfältig und mit Augenmaß vorgegangen“, stellt Kremer mit Blick auf das Geschehen im Leitstellenbeirat fest.

Dieser hat einen einstimmigen Beschluss gefasst: Angesichts von fast 10.000 Überstunden, die im vergangenen Jahr geleistet werden mussten, sowie der greifenden Änderung der Arbeitszeitverordnung soll die Zahl der Stellen von derzeit 36,5 auf zunächst 43 (2017) und dann auf 48 (2018) erhöht werden. Das ist mit einem Anstieg der von der Städteregion jährlich zu tragenden Kosten auf voraussichtlich rund 4,6 (2017) bzw. 4,77 Millionen Euro verbunden.

Ein Aufschrei der städteregionalen Politik, die die Ergebnisse im Ausschuss für Rettungswesen präsentiert bekam, blieb diesmal aus. Das lag wohl vor allem daran, dass Kremer und Wolff nach den Mitgliedern des Beirates auch die des Ausschusses von der Notwendigkeit der Aufstockung überzeugen konnten. „Die Einsatzzahlen sind in den vergangenen vier Jahren um mehr als zehn Prozent auf deutlich über 100.000 gestiegen“, berichtete beispielsweise der Aachener Feuerwehrchef. Und: „Die Qualität der Anrufe hat sich erheblich verändert. Sie lösen immer öfter Einsätze aus.“ Mittlerweile gelte das für fast jeden dritten Anruf. Das bestätigt auch ein externes Gutachten, das die Stadt Aachen in Auftrag gegeben hatte.

Ob es tatsächlich zu der personellen Aufstockung kommen wird, hängt derweil nicht nur von der endgültigen Zustimmung der politischen Gremien in Stadt und Städteregion ab, sondern auch vom Erfolg des Werbens um geeignete Kräfte. „Die Umsetzung wird schwierig“, räumt Jürgen Wolff ein. „Derzeit fehlen in Nordrhein-Westfalen rund 3500 Interessenten für den Beruf des Feuerwehrmanns.“ Für die Leitstelle in Aachen sollen deshalb ab 2017 zwei Ausbildungsgänge pro Jahr angeboten werden. „Dann können vier Disponenten ab dem Frühjahr und vier weitere ab dem Herbst ausgebildet werden.“ Doch auch das hat keinesfalls nur Vorteile: „Die Maßnahme geht zu Lasten des operativen Geschäftes“, räumt Kremer ein. Und das wiegt schwer. Denn bei den Einsatzkräften sei die Zahl der Überstunden nicht nur hoch. „Sie ist exorbitant...“

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