Aufgabe: Das Spannen der direkten Drähte zu Ehrenämtlern

Von: Alexander Barth
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Zu dritt aktiv für die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen: (v.l.) Christiane Kaufmann und ihre Mitarbeiterinnen Ida Schmetz und Carolin Buschmann im Büro in der Aachener Burg Frankenberg. Hier koordinieren sie das Engagement zahlreicher Ehrenamtler. Foto: Alexander Barth

Aachen. Es gibt eben diese Momente im Leben, sagt Christiane Kaufmann. Als sich aus ihrem langjährigen ehrenamtlichen Engagement eine berufliche Perspektive entwickelte – das war so einer. Seit gut einem Jahr leitet sie das Büro der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, die sich seit 2005 auf breiter Basis und in vielfältigen sozialen Projekten für ein lebenswertes Miteinander in der Grenzregion einsetzt.

„Ich fand die Vorstellung spannend, eine Organisation von Ehrenamtlern bei der Professionalisierung ihrer Strukturen zu begleiten“, sagt die 36-Jährige. „Oder einfach gesagt: Hier wird direkte Hilfe vermittelt, und ich bin froh, dabei zu sein.“

In der altehrwürdigen Burg Frankenberg im Aachener Südosten hat die Bürgerstiftung vor rund anderthalb Jahren in hellen Räumen Quartier bezogen. „Bis dahin wurden die Aktivitäten mehr oder weniger dezentral gesteuert“, sagt Kaufmann, „Jetzt laufen hier die Fäden zusammen. Die Mitglieder kümmern sich in der Regel eigenständig um die Betreuung der einzelnen Projekte.“

Kommunikation zählt Kaufmann zu ihren Hauptaufgaben, oder auch: „Menschen zusammenbringen.“ Mitglieder und Vorstand der Stiftung, Institutionen und Projektpartner in der Stadt sind ihre Gesprächspartner, „und ständig kommen neue hinzu“. In die Aufgaben sei sie hineingewachsen, sagt die Mutter einer kleinen Tochter.

Je breiter die Stiftung sich aufstellt, desto mehr bekommt die Kommunikatorin, zu deren Aufgaben auch die Außendarstellung samt Internetauftritt und Präsenz in sozialen Medien gehört, zu tun. Das stetig wachsende Arbeitspensum bewältigt sie mittlerweile nicht mehr allein. Zwei junge Frauen absolvieren den Bundesfreiwilligendienst im Büro der Bürgerstiftung, zusätzlich hilft eine Ehrenamtlerin für einige Stunden in der Woche.

Aktuell sind es ein gutes Dutzend Bildungsprojekte, gefördert mit Spendenmitteln des vom Zeitungsverlag Aachen initiierten Netzwerks „Menschen helfen Menschen“, die Kaufmann und ihr Team besonders beschäftigen. Im Rahmen der Kooperation von Bürgerstiftung und „Menschen helfen Menschen“ können sich Institutionen um Fördermittel bewerben, die über Kommunal- oder Landesmittel nicht abgedeckt werden.

Basis ist eine vom Zeitungsverlag Aachen in Auftrag gegebene Studie zur Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen in der Region. Konkreter Bedarf und eine strukturierte Idee zur Bildungsförderung sind Voraussetzung. Kaufmann kümmert sich sowohl um den – zusehends digitalisierten – „Papierkram“, als auch um den Draht zu engagierten Lehrern, Sozialarbeitern und Eltern. „Ich habe mittlerweile die meisten Schulen und Kitas in der Region besucht. Es ist wichtig zu wissen, wie die Partner dort ticken.“

Und so hat sie sich ein Bild von den Nöten und daraus resultierenden Ideen gemacht. Zum Schuljahr 2016/2017 sind etliche neue Projekte angelaufen, deren Werden und Sein auch dank der koordinierenden Arbeit von Kaufmann und ihrem Team möglich wurde.

„Das kann die Anschaffung von Lern- und Spielmaterial sein, aber auch die Vermittlung von Kompetenzen“, zählt sie auf. „Wenn etwa die Kindertagesstätte Stettiner Straße Musikerziehung anbieten will oder das Familienzentrum Albert-Maas-Straße Schulungen für Eltern organisieren möchte, kümmern wir uns um die entsprechenden Leute.“

Eine weitere große Baustelle ist das laufende Patenprojekt für junge Flüchtlinge, in dem sich auch der ehemalige Aachener Polizeipräsidenten Klaus Oelze engagiert und mittlerweile die Koordinationsarbeit übernommen hat. „Damit hat die Stiftung auf einen unübersehbaren Bedarf nach persönlicher Nähe und Bezugspersonen reagiert, den die unbegleiteten Minderjährigen haben. Auch hier ist von Anfang an der persönliche Draht unheimlich wichtig. Das schützt die Patenschaft von beiden Seiten“, erklärt Kaufmann.

Die Suche nach Freiwilligen steht ebenfalls auf ihrer Agenda, „Überzeugungsarbeit inklusive“. Ist der Schritt dann einmal getan, stehen neben dem Aufbau eines persönlichen Verhältnisses auch Basisschulungen für den Umgang mit den Neuankömmlingen an – und auch hier kommt Christiane Kaufmann als Drahtzieherin ins Spiel, sowohl bei der Vermittlung als auch als Sponsorensucherin.

„Verliebt in die Region“ – das Motto der Stiftung unterschreibt Christiane Kaufmann mit lockerer Hand. „Ich mag es hier“, sagt eine Frau, die an der Katholischen Fachhochschule Aachen Soziale Arbeit studiert und ihren privaten Lebensmittelpunkt am Rande der Eifel hat. Was sie an der Arbeit bei der Bürgerstiftung besonders schätzt? „Die vielen verschiedenen Typen, der eigene Charme jeder Partneraktion, der Charakter in den einzelnen Stadtvierteln – da kommt einiges zusammen.“

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