Auf spannender Zeitreise mit Georg Helg

Von: Peter Schopp
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Das Ergebnis vierjähriger Recherchen: Georg Helg präsentiert den zweiten Band der Reihe „Das Aachener Rathaus“. Foto: A. Steindl

Aachen. Blut dürfte im Aachener Rathaus in seiner langen Geschichte bereits einige Male zu sehen gewesen sein. Nun ist es dort erneut geflossen – Herzblut sogar. Aber nur im übertragenen Sinn.

Bei der Recherche zu seinem Werk „Das Aachener Rathaus“ über die Zeit der repräsentativen Umgestaltung während des Barock und Rokoko ist bei Georg Helg genau diese Flüssigkeit in Wallung geraten. Und so präsentierte er das Ergebnis seiner vierjährigen Arbeit jetzt erkennbar stolz an geschichtsträchtiger Stelle im Weißen Saal.

Bereits vor der Präsentation gerieten die Anwesenden mit ihm ins Fachsimpeln – Beleg für die eindrucksvolle Arbeit des Autors. Oberbürgermeister Marcel Philipp würdigte denn auch das Engagement des städteregionalen FDP-Fraktionsvorsitzenden. Gleichzeitig fand er es spannend, das damalige Gesicht des Bauwerkes vor Augen geführt zu bekommen. „Heutzutage gehen die Menschen so wie ich hier ein und aus und registrieren die architektonische Schönheit nicht“, stellte er fest.

Zahlreiche Bildquellen

Ab 1727 begann die Phase der Barockisierung des Rathauses. Aufgrund zahlreicher Bildquellen und einzelner Baubefunde ist es ziemlich genau möglich, das damalige Erscheinungsbild zu rekonstruieren. Beim großen Stadtbrand 1656 verbrannten große Teile der Dächer und Türme. Schon eine Woche später erging der Auftrag, diese im barocken Stil wieder aufzubauen.

Das Rathaus erfuhr in der Folge durch den Aachener Baumeister Johann Joseph Couven eine grundlegende barocke Umgestaltung. Allerdings wurde die Pflege des Gebäudes während der napoleonischen Besatzungszeit sehr vernachlässigt, und so unterzog ab Mitte des 19. Jahrhunderts Stadtbaumeister Friedrich Joseph Ark den Bau einer „Regotisierung“: Die Fassaden wurden geglättet, neugotische Reliefs und Skulpturen wurden beigefügt, das barocke Element mehr und mehr zurückgedrängt. Für Helg eine traurige Phase: „Das Ende des Barock ist aus bauhistorischer Sicht ein echter Kulturverlust, erst recht, weil in späteren Jahren so vieles davon ausgelöscht wurde.“ Später habe man aber umgedacht, und so blieb im Inneren des Rathauses noch einiges an barocker Architektur erhalten.

Das Buch stelle eine spannende Zeitreise dar, ist Helg mit dem Produkt zufrieden. Seine Recherchen wurden von den Mitarbeitern des Verlages Geymüller, wo sein Werk veröffentlicht wurde, in Zeichnungen und Pläne umgearbeitet und auf 276 Seiten mit ungefähr 300 meist farbigen Abbildungen und vier Klapptafeln zu Papier gebracht. Mit dem Buch erscheint eine DVD, die in digitaler Form diese Epoche vermitteln möchte.

Helgs Werk ist der zweite Band einer dreiteiligen Reihe über das Aachener Rathaus. Die anderen Bände sind noch in Arbeit, so dass ausnahmsweise dieses Buch vor dem ersten Band erscheint. Darin wird Judith Ley die Entwicklung des Rathauses von der karolingischen Königshalle zum spätmittelalterlichen Krönungspalast beleuchten (2017), bevor 2018 Marc Wietheger über die denkmalpflegerischen Konzeptionen des 19. und 20. Jahrhunderts berichtet.

Georg Helg, Das Aachener Rathaus. Geymüller – Verlag für Architektur, ISBN 978-3-9343164-19-0, 59 Euro.

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