Auf gleicher Wellenlänge Probleme wälzen

Von: Stefan Schaum
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Anonym in der Beratung: Die Jugendlichen werden sich am Telefon nicht mit ihren Namen melden. Auch die Anrufer sollen ihren nicht nennen. So lässt sich über vieles leichter sprechen. Foto: Stefan Schaum

Städteregion. Gut möglich, dass es für die jungen Berater auch mal richtig hart wird. Dass Jugendliche bei ihnen anrufen, die massive Probleme haben. Die ungewollt schwanger geworden sind oder mit ihrem Leben Schluss machen wollen.

Denen wollen die Berater zur Seite stehen. Und zwar auf Augenhöhe, von Teenager zu Teenager. „Jugendliche beraten Jugendliche” - so hat der Deutsche Kinderschutzbund in Würselen das telefonische Beratungsangebot getauft, das am kommenden Samstag startet. „Weil Jugendliche von Gleichaltrigen doch viel eher einen Rat annehmen als von Erwachsenen.” Ulla Wessels, Geschäftsführerin der Ortsgruppe Würselen, Alsdorf und Herzogenrath, schätzt das Konzept der sogenannten „Peer”-Beratung.

Am Würselener Gymnasium hatte sie nach Schülern gesucht, die diese durchaus anspruchsvolle Aufgabe wagen wollten. Fündig wurde sie rasch. Etwa bei der 19-jährigen Jenny, die anonym bleiben oder sich unter einem anderen Namen melden wird, wenn sie ihren Dienst am Sorgentelefon tut.

Das Soziale liegt der angehenden Abiturientin am Herzen. Sie hat sich für Pädagogik als Leistungskurs entschieden, später möchte sie Sozialarbeit studieren. „Ich will gerne helfen. Es ist auch eine gute Möglichkeit, schon mal in viele Bereiche hineinzuschnuppern.” Das haben die 21 Schüler der Oberstufe - 17 Mädchen und vier Jungs - während ihrer sechsmonatigen Vorbereitung ausgiebig getan.

Mit Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes haben sie über Sucht und Selbstmordabsicht gesprochen, mit Polizisten über Rechtsradikalismus, mit einer Gynäkologin über Sexualität, mit Mitarbeitern des Jugendamtes über Gewalt, mit Lehrern über Mobbing. Über all die Dinge, die für Jugendliche im Handumdrehen zu gewaltigen Problemen werden können.

Ohne mahnenden Zeigefinger

Auch die Gesprächsführung selbst war ein wichtiges Thema. Wie redet man mit den jungen Anrufern? Wie bringt man sie dazu, sich zu öffnen? Die Antwort ist meist die: ganz einfach so sein, wie man ist! Eben ein Jugendlicher, der die jeweilige Situation der Anrufer nachfühlen kann, der sich in sie hineinfühlen und Tipps geben kann. Ohne mahnenden Zeigefinger, wie ihn Erwachsene gern erheben. Ohne den Moralapostel zu spielen.

Die 19-jährige Eva freut sich drauf. „Jetzt können wir das tun, worauf wir uns ein halbes Jahr lang vorbereitet haben: Jugendlichen helfen.” Keine Angst, dass es dabei auch mal heftig zugehen könnte? „Ein bisschen vielleicht. Aber wir sind immer zu zweit, können uns austauschen. Wenn ein Problem auftaucht, das uns überfordert, können wir die Anrufer an andere Beratungsstellen verweisen.” Einen dicken Ordner mit Telefonnummern und Adressen von Kooperationspartnern haben die jungen Berater stets zur Hand.

Studenten der Katholischen Hochschule Aachen, neben dem Gymnasium Kooperationspartner des Projektes, werden den Jugendlichen bei Bedarf als Ansprechpartner zur Seite stehen und bei regelmäßigen Treffen mit ihnen schwierige Anrufe aufarbeiten.

Das Thema hat bereits drei Studenten als Vorlage für eine Diplomarbeit gedient. Professor Ulrich Deller ist überzeugt vom Konzept: „Wenn Anrufer und Berater dieselbe Sprache sprechen, kommen sie schnell zum Kern der Sache, da kann über alles gesprochen werden.” Auf Scherzanrufe vermeintlicher Witzbolde sind die Jugendlichen ebenfalls eingestellt. Grundsätzlich gilt: „Wir nehmen jeden Anruf ernst”, sagt Eva. „Wenn jemand anruft und spaßeshalber mit Selbstmord droht, dann hat er doch auch ein Problem, oder nicht?”

Zum Telefonhörer greifen die 16- bis 20-jährigen Berater samstags von 15 bis 19 Uhr. Erstmals am 14. März. Erreichbar ist das Angebot „Jugendliche beraten Jugendliche” unter 02405/94488.

Anrufer bleiben grundsätzlich anonym, die Gespräche werden nicht aufgezeichnet. Schulen können sich außerhalb der Beratungszeit unter obiger Nummer beim Kinderschutzbund in Würselen, Bahnhofstraße 165, melden und Werbeflyer für das Angebot anfordern.
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