Auf den Gleisen bewegt sich immer mehr

Von: Udo Kals
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Die Euregiobahn. Foto: Rudolf Müller

Aachen. Natürlich darf man träumen. Und so will sich der Grünen-Fraktionschef im Städteregionstag, Werner Krickel aus Monschau, auch seinen Traum nicht nehmen lassen, dass er irgendwann einmal wieder mit der Bahn aus der Eifel nach Aachen fahren kann.

Ob es dazu kommen wird, sei dahingestellt. Aber Fakt ist, dass sich nach dem Kahlschlag vor einigen Jahrzehnten auf den Gleisen wieder viel bewegt und weitere Projekte auf die Schiene gesetzt werden. Und vor diesem Hintergrund betont Krickel: „Gerade beim öffentlichen Personennahverkehr braucht man einen langen Atem. Aber es lohnt sich.”

Das kann Hans Joachim Sistenich nur unterschreiben, der als Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) seit Jahren maßgeblich daran beteiligt ist, dass das Netz Zug um Zug erweitert wird. Seine Zwischenbilanz vor allem mit Blick auf die Euregiobahn: „Seit dem Jahr 2000 gibt es alleine im Regionalverkehr 23 neue Haltepunkte, vier neue Strecken und vier neue Linien. Und mit einer 70-prozentigen Steigerung des Fahrgastaufkommens liegen wir weit über dem Landesschnitt.” Und Sistenich fügt an, dass auch im Fernverkehr (Thalys, ICE) neue Linien hinzugekommen und Reisezeiten verkürzt worden seien.

Doch das soll noch lange nicht das Ende sein. „Mit unserem regionalen Konzept ÖPNV 2020 haben wir nicht nur eine Vision, sondern vielmehr einen konkretisierten Handlungsansatz für die nächsten zehn Jahre”, sagt der AVV-Chef. Im Fernverkehr sieht dieser unter anderem mehr Verbindungen vor. Zudem soll - wie vor allem von Schwarz-Grün gefordert - für die belgischen IC-Züge nicht Eupen die Endstation sein, sondern Aachen. Wobei sich laut Sistenich die Partner auf belgischer Seite derzeit noch sehr zurückhaltend zeigen und auf ein entsprechendes Schreiben noch nicht reagiert haben. Und auch die Verlängerung der IC-Strecke von Eindhoven über die bisherige Endstation Heerlen hinaus bis Aachen steht auf der Wunschliste.

In der Städteregion stehen bis 2020 Euregio- und Campusbahn im Vordergrund. So sieht das Konzept vor, dass bis 2012 der Ringschluss der Euregiobahn zwischen Alsdorf und Stolberg erfolgt. Als weitere mögliche Entwicklungsstufen nennt Sistenich die Verlängerung des Euregiobahn-Streckennetzes über Heerlen hinaus bis Sittard (Ziel: 2012), über Herzogenrath hinaus bis Lindern-Heinsberg (2014) und über Düren hinaus nach Jülich beziehungsweise Heimbach (2016).

Als Herausforderung, vor allem aber als „riesige Chance” sieht Sistenich die geplante Campusbahn in Aachen an. Möglichst bis 2020 sollen die Züge rollen und auf drei Achsen die Hochschulstandorte untereinander sowie mit der City, dem Umland sowie dem überregionalen Schienennetz und der Euregiobahn verbinden. In einer ersten Stufe könnte die Campusbahn bis 2018 zwischen Vaals und Kaiserplatz verkehren. Die beiden weiteren Achsen vom Kaiserplatz bis Aachen-Brand sowie vom Aachener Bushof bis Haaren beziehungsweise über den Würselener Markt bis Merzbrück könnten bis 2020 umgesetzt sein. Zugleich beeilt sich der AVV-Chef zu sagen: „Wir reden nicht über die Bimmelbahn der 60er Jahre, sondern über moderne Niederflurfahrzeuge, die beispielsweise ohne Oberleitungen auskommen. Das ist ein System, das in Europa noch nicht existiert und wegweisend sein kann.”

Teil von „Mobile Region 2020”

Die Pläne sind in Teilen zwar noch Zukunftsmusik. Doch Sistenich betont, dass der Fortentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs auch künftig eine wichtige Rolle zukommt: „Innovative Lösungsansätze sind gefordert, die ein Signal für umweltschonende Mobilität setzen.” Und so sieht er den ÖPNV auch als wichtigen Bestandteil des Konzepts „Mobile Region 2020” an, das derzeit mit dem Ziel entwickelt wird, „ganzheitliche Lösungsansätze für die nachhaltige Verkehrsentwicklung der Städteregion aufzuzeigen”, wie Städteregionsrat Helmut Etschenberg sagt.

Auf der einen Seite sollen innovative und zukunftsorientierte Technologien wie die derzeit heiß diskutierte Nutzung von Elektromobilität integriert werden sowie auf der anderen Seite unterschiedliche Formen der Fortbewegung vernetzt werden. Als möglichen Standort hatte Etschenberg bei seinem Neujahrsempfang Anfang des Jahres Merzbrück ins Spiel gebracht. Schließlich wäre das Flugplatzgelände in der Nähe des Aachener Autobahnkreuzes mit künftiger Anbindung an die Euregiobahn ein strategisch günstiger Ort, um einen Umschlagplatz für E-Autos zu etablieren.

„Fertige Pläne haben wir noch nicht in der Schublade. Merzbrück ist eine Idee unter vielen. Wir arbeiten an einer Bestandsaufnahme”, sagt Etschenberg vor dem Hintergrund, dass derzeit zahlreiche Akteure in der Region an der Entwicklung innovativer Technologien in den Bereichen Mobilität und Energie arbeiten. Dabei ist für Etschenberg klar, dass der Städteregion „eher die Rolle des Moderators als die des Motors” zukommt, um möglichst alle relevanten Akteure - ob Kommunen Hochschulen, Energieversorger, Unternehmen und andere Einrichtungen - zusammenzubringen und um „mit neuen Ideen ein Stück Zukunft zu wagen”.
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