Atemschutzmasken für 38.000 Kinder in der Städteregion

Von: Michael Grobusch
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Atemschutzmaske Foto: Colourbox
Für 38.000 Kinder in Stadt und Städteregion Aachen werden als weitere Vorsichtsmaßnahme im Falle eines GAUs Atemschutzmasken angeschafft. Symbolbild: Colourbox

Städteregion. Die Städteregion Aachen plant weitere Vorsichtsmaßnahmen für den Fall eines GAUs im belgischen Atomkraftwerk Tihange. Mit der Anschaffung von Atemschutzmasken für 38.000 Kinder will sie eine Versorgungslücke im Katastrophenschutz schließen.

Beim Thema Geld hat die städteregionale Verwaltung derzeit gegenüber der Politik einen schweren Stand, weil noch bis April um den Haushalt 2017 und ein möglichst geringes Defizit gerungen wird. Wenn es aber um den Ausbau des Katastrophenschutzes für den Fall eines nuklearen Unfalls im belgischen Atomkraftwerk Tihange geht, kann sich Helmut Etschenberg der Unterstützung aller Fraktionen sicher sein – trotz weiterer Kosten, die mit den nun geplanten Maßnahmen verbunden sind.

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ulla Thönnissen bringt die gemeinsame Einschätzung so auf den Punkt: „Wir sind zwar angehalten, in allen Bereichen zu sparen. Aber Tihange ist eine Bedrohung, die jeder Bürger spürt. Deshalb müssen wir Geld in die Hand nehmen.“

Wenn es denn das Land nicht tun sollte. Diese Vorgabe gilt zumindest für die Anschaffung von 14.000 Atemschutzmasken, mit denen die Städteregion eine Versorgungslücke im Katastrophenschutz schließen will. Die Nutzung solcher Masken zählt neben der Einnahme von Kaliumjodidtabletten (empfohlen in unterschiedlichen Dosen nur für Menschen bis 45 Jahre) als eine der wichtigsten und effektivsten Gegenmaßnahmen im Falle eines GAUs im nur 65 Kilometer von Aachen entfernten AKW Tihange.

Doch während für Jugendliche (ab zwölf Jahre) und Erwachsene geeignete Schutzmasken der höchsten Kategorie FFP3 in nahezu jedem Baumarkt erhältlich sind, gilt das für Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren nicht. „Bei diesen Masken handelt es sich um ein Sonderprodukt, das nur von wenigen Herstellern angeboten wird. Eine individuelle Selbstversorgung der Bevölkerung scheidet hier also aus“, erklärt der städteregionale Dezernent Gregor Jansen. Für noch jüngere Kinder wiederum gibt es FFP3-Masken gar nicht. Sie werden laut Städteregion nicht angeboten, weil sie originär für den Arbeitsschutz vorgesehen sind.

14.000 Kinder in der in Frage kommenden Altersklasse leben nach Angaben der Verwaltung im Altkreis, 24.000 in Aachen. Für sie soll, so haben es Städteregion und Stadt jetzt vereinbart, eine Sonderproduktion in Auftrag gegeben werden.

Der Städteregionsrat, der diese Initiative als „ein starkes, eindeutiges Signal im Sinne des aktiven Bevölkerungsschutzes“ wertet, sieht hierbei das Land in der Pflicht und fordert dieses mit Rückendeckung der Politik auf, sich um die Beschaffung zu kümmern oder alternativ die Kosten zu tragen. Einigkeit herrscht aber darüber, dass die Städteregion selber aktiv und auch die kalkulierten 2,50 Euro pro Maske übernehmen wird, wenn man in Düsseldorf dieser Aufforderung nicht folgen sollte.

Hierfür werden als Sicherheit 90.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Gleiches gelte für die Stadt Aachen, unterstreicht der zuständige Beigeordnete Dr. Markus Kremer, der auch die regionale Koordinierungsgruppe zur Vorabverteilung von Kaliumjodidtabletten leitet: „Wir hoffen auf eine schnelle Unterstützung. Es ist jedoch klar, dass wir den Schutz der Bevölkerung nicht von einer möglichen Kostenübernahme durch das Land abhängig machen.“

„Unabdingbare Verantwortung“

Auch Gregor Jansen unterstreicht, dass im Zweifelsfall das eigene Handeln einem möglicherweise langwierigen Streit vorzuziehen sei: „Wir haben als Untere Katastrophenbehörde die unabdingbare Verantwortung.“ Allerdings dürfte es auch bei baldiger Eigeninitiative einige Zeit dauern, bis die Atemschutzmasken zur Verfügung stehen werden.

Der Dezernent rechnet mit einer Fertigungszeit von mindestens drei Monaten, außerdem unterliegt die Beschaffung aufgrund des Auftragsvolumens der Ausschreibungspflicht, was eine zusätzliche Verzögerung mit sich bringt. Die Wartezeit könnte genutzt werden, um die Art der Verteilung festzulegen. Dies ist, wie Pressesprecher Detlef Funken auf Anfrage am Freitag bestätigte, noch nicht geschehen. Die vermutlich einfachste Möglichkeit dürfte die Ausgabe in den Schulen sein.

Wie ernst die Städteregion den verstärkten Katastrophenschutz nimmt, ist auch an einer weiteren Entscheidung abzulesen: Der Städteregionstag hat der Einrichtung von zwei befristeten Projektstellen zugestimmt. Sie sollen das Amt für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz in die Lage versetzen, die nunmehr mit Priorität 1 versehene nukleare Notfallschutzplanung weiter voranzutreiben. Das schlägt mit 300.000 Euro zu Buche. 30.000 Euro fließen darüber hinaus in den Kauf zweier Gamma-Spektrometer für die beiden ABC-Erkundungsfahrzeuge der Städteregion, um in Zukunft strahlendes Material identifizieren und klassifizieren zu können.

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